Heribert Rössler, Vorsitzender der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung, möchte die Meinungsbildung fördern

„Wir haben etwas zu bieten“

Als Vorsitzendem des Ortsverbandes der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung in Nordstemmen liegen Heribert Rössler soziale Belange am Herzen. Foto: Hüsing

NORDSTEMMEN Gesprächsabende, ein Weinfest und Fahrten zu Theaterbühnen gehören zum Jahresprogramm der KAB St. Michael. Doch wofür setzt sich der Verband ein, und wie hat sich die Zielsetzung in den vergangenen Jahrzehnten verändert? Ortsverbandsvorsitzender Heribert Rössler gewährt Einblicke in die Arbeit der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung.

KAB – ein Sozialverband, der sich um die Probleme der Arbeitnehmer kümmert. „Wir haben uns schon vor über 20 Jahren für eine Rente für Mütter eingesetzt“, nennt Heribert Rössler ein Beispiel. Mittels einer Unterschriftenaktion machte die KAB damals darauf aufmerksam, dass viele Mütter nicht berufstätig waren, aber sich im Alter auch absichern müssten. „Die Umsetzung hat dann 20 Jahre gedauert“, sagt Heribert Rössler. Dadurch wird deutlich, welche geringe Bedeutung dem recht kleinen Verband zu kommt, der aber durchaus wichtige Themen anspricht – noch bevor sie von der großen Politik aufgegriffen werden.

„Ich habe auch schon vor etlichen Jahren unserem Bistum gegenüber angeregt, Adensen als katholische Gemeinde der Nordstemmer St. Michael-Gemeinde zuzuschlagen. Jetzt ist es soweit“, denkt der Vorsitzende des Nordstemmer Ortsverbandes gerne mit und ist politisch interessiert.

„Als Privatmensch wird man dieser Tage stillschweigend enteignet“, meint Rössler. Durch die wenigen Zinsen bei der Bank sei das eigene Geld keine gute Anlage mehr. Umso wichtiger findet der gebürtige Schlesier es, dass auch die KAB ein eigenes Rentenmodell publik macht.

Ideen gibt es viele – doch oft fehlen die Mitglieder. „2008 haben wir unser 100-jähriges Bestehen des Ortsverbandes mit Gottesdienst, Festakt und Kinderfest groß auf der Poppenburg gefeiert. Heute müssen wir gucken, ob sich genügend Helfer finden, um das Bezirksverbandstreffen in Nordstemmen ausrichten zu können“, beschreibt Rössler die Schwierigkeiten des Verbands. Von einst 102 Mitgliedern sind heute noch 40 geblieben, von denen sich sechs aktiv in die Vorstandsarbeit einbringen: Gundel Vetter, Felix Hollha, Walter Demuth, Margret Holzendorf, Franz Hoffmann und Heribert Rössler.

Letzterer ist seit 1977 Vorsitzender des Ortsverbandes. „Ich bin zu dem Posten gekommen wie die Jungfrau zum Kind“, erzählt der 76-Jährige. Am Anfang habe er sich für die sinkende Mitgliederzahl verantwortlich gefühlt. Doch heute weiß er, dass sie eng mit der Entwicklung der Gesellschaftsstrukturen zusammenhängt. Umso erfreulicher sei es, dass es der Bewegung möglich sei, jedes Jahr fünf bis sechs Gesprächsabende sowie Ausflüge und ein Weinfest zu organisieren.

Rund 15 bis 20 Interessierte kommen an den offenen Gesprächsabenden zusammen, zu denen jeder willkommen ist. „Wir diskutieren über ein festes Thema, zu dem ein Referent geladen wird“, beschreibt Rössler. Sein Anliegen sei, die Meinungsbildung zu fördern. Deshalb stellt beim ersten Gesprächsabend in diesem Jahr Ulrich Domdey am 15. Januar ab 19.30 Uhr im Pfarrheim zum Beispiel die „Bestattungskultur im Wandel“ vor. „Ich würde auch gerne das Thema Asyl behandeln, doch es ist schwierig, sich für einen Referenten zu entscheiden“, zeigt Rössler einen Bereich auf, der ihm auch persönlich sehr am Herzen liegt. „In unserer Politik wird vieles nicht zu Ende gedacht“, ist er der Meinung, dass die Bürokratie die „Beweglichkeit erstickt“. Seit einigen Jahren bildet die St. Michael-Gemeinde in Nordstemmen keine eigene Pfarrei mehr, sondern gehört zu Sarstedt. „Da ist es auch für die KAB schwieriger geworden“, bestätigt Rössler. Auf die Unterstützung durch die Geistlichkeit könne der Ortsverband schon seit Langem nicht mehr zurückgreifen: „Wir sind auf uns allein gestellt.“ Deshalb organisieren die KAB-Mitglieder, was sie eben können. „Viele unserer Themen sprechen heute vor allem Ältere an. Das war nicht immer so“, berichtet der Vorsitzende. Doch die Jugend zeige auch kein Interesse, sich einzubringen. Deshalb machten Veranstaltungen für andere Altersgruppen wenig Sinn. „Dabei haben wir was zu bieten“, ist Rössler von den christlichen Überzeugungen, die der Sozialverband vertritt, geprägt.

Im Februar stehen bei der KAB wieder Wahlen an. Ob sich dann noch genügend Mitstreiter für den Vorstand finden, ist aber ungewiss. „Ich würde eigentlich gerne aufhören, fände es aber auch schade, wenn es dann keine KAB mehr gebe. Für ein Jahr würde ich mich wohl breitschlagen lassen“, zeigt sich Rössler nachdenklich.

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