„Feuerwehrfrauen“ in munterer Runde

Warum allein rumsitzen?

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Die „Feuerwehrfrauen“ Alice Oldenburg, Inge Lehmann, Marianne Evers, Brigitte Zellmer, Erna Wandmacher, Ilse Weber, Elisabeth Voges, Margot Otto, Gisela Belkot und Christiane Hänsch aus Barnten treffen sich seit 25 Jahren.

BARNTEN Wenn zehn Frauen an einem Tisch sitzen, dann haben sich diese Frauen naturgemäß viel zu erzählen. Wenn aber die zehn „Feuerwehrfrauen“ aus Barnten an einem Tisch Platz nehmen, dann geht der Gesprächsstoff erst recht nicht aus, soviel haben sie gemeinsam erlebt.

Seit 25 Jahren treffen sich die Ehefrauen, deren Männer damals wie heute der Altersabteilung der Barntener Ortsfeuerwehr angehören, jeden dritten Sonntag im Monat. Genauso, wie es ihre Männer immer gemacht haben und auch heute noch tun, um am Sonntagvormittag kleinere Arbeiten am und im Feuerwehrhaus vorzunehmen. „Vor jedem dieser Männertreffen sagte mein Mann zu mir: Heute brauchst Du nicht zu kochen“, erinnert sich Alice Oldenburg, die dann auch die Idee hatte, „dass die Frauen ja nicht alleine zu Hause rumsitzen müssen, sondern sich eigentlich auch treffen könnten“.

Was erst nur ein Gedanke war, das wurde im Oktober 1991 dann auf der gemeinsamen Feuerwehrfahrt in den Schwarzwald in trockene Tücher gepackt, und mit ihrer Unterschrift auf einem kleinen Zettel demonstrierten die Ehefrauen ihren Zusammenhalt. Seitdem ist alle vier Wochen eine andere Frau aus dem munteren Kreis an der Reihe, um die anderen Damen an genau diesem einen Sonntag im Monat zu bekochen. „Jeder kocht so, wie er kann und möchte“, erklärt die Gruppe, die an diesem Sonntag im Esszimmer von Alice Oldenburg sitzt, die ihnen Rinderrouladen mit Kartoffeln und Rotkohl serviert.

„Weiß Du noch...“

Die Stimmung der Frauen ist gut. Sie lassen es sich schmecken, sparen nicht mit Lob für die Kochkünste von Alice Oldenburg, sprechen über ihre Enkel, den anstehenden Blutspendetermin im Ort und immer wieder über das, was sie gemeinsam in den vergangenen 25 Jahren so alles erlebt haben. „Weißt du noch…?“, ist eine vielgestellte Frage, und nicht selten brechen die Frauen, die heute alle zwischen 75 und 85 Jahre alt sind, in großes Gelächter aus, wenn sie ihre Geschichten erzählen.

„Früher hatten wir eine gemeinsame Kasse, mit der wir unsere Fahrten finanziert haben“, führt Marianne Evers aus, die sich die Mühe gemacht hat, die dabei geschossenen Fotos in ein Album zu kleben und entsprechend zu beschriften. Beim Blättern in diesen Fotos fällt auf, dass Langeweile und schlechte Laune Fremdwörter der „Feuerwehrfrauen“ waren. Ausgestattet mit auffälligen einheitlichen Strohhüten flanierten sie über die Cottbusser Bundesgartenschau, legten am Bahnhof in Saßnitz spontan auch schon mal eine kleine Gymnastikeinlage ein, bei der die umstehenden Zuggäste dann auch gleich mitmachten, oder machten die Otterndorfer Umgebung mit einer Pferdekutsche unsicher.

„Heute unternehmen wir solche Fahrten zwar nicht mehr, aber wir hatten immer ganz viel Spaß dabei“, so Marianne Evers – und das glaubt man ihr aufs Wort. Radtouren, Grillnachmittage, Weihnachtsfeiern oder das Reinigen der dorfeigenen Blumenbeete an der Landesstraße füllten den Terminkalender der fröhlichen Gruppe, wobei aber auch die runden Geburtstage oder besondere Ehejubiläen ausgiebig gefeiert wurden. Auch die Tradition des gemeinsamen Matjesessens in Barnten geht auf das Konto der lebhaften „Feuerwehrfrauen“, die diese Veranstaltung 2003 ins dörfliche Leben riefen: „Heute hat das DRK diesen Termin übernommen. Wir haben das irgendwann nicht mehr geschafft.“

An ihren festen Zusammenkünften alle vier Wochen halten die Barntenerinnen jedoch fest, auch wenn sich ihre Gruppe und auch die der Männer durch Todesfälle mittlerweile etwas reduziert hat. „Die Frauen von verstorbenen Männern gehören selbstverständlich weiter zu unserer Gruppe“, machen sie deutlich. „Die sind bei jedem Treffen dabei und müssen nicht alleine zu Hause rumsitzen.“

Fotoalbum

Bei so einem Treffen können Alice Oldenburg, Marianne Evers, Erna Wandmacher, Ilse Weber, Elisabeth Voges, Inge Lehmann, Brigitte Zellmer, Margot Otto, Gisela Belkot und Christiane Hänsch dann auch schon mal vor lauter Spaß und Lachen vollkommen die Zeit aus den Augen verlieren, erzählt Marianne Evers, die sich daran erinnert, dass sie auch schon mal von mittags 12 Uhr bis Mitternacht zusammengesessen haben. Nicht selten sind auch die Männer hinterhergekommen, weil ihre Frauen komplett die Zeit vergessen hatten. „Auch wenn wir heute nicht mehr ganz so agil sind wie noch vor Jahren, sagen wir nicht, es war toll, sondern es ist toll“, stellen die Frauen einmütig fest, die die letzten Seiten im Fotoalbum einfach mit Bildern von ihren gemütlichen wie lebhaften und lustigen Treffen bei einem guten Essen mit anschließendem Kaffeetrinken füllen werden.

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