Neuer Vorstand des Kneipp-Vereins Nordstemmen möchte Strukturen verändern: Vorsitzende Birgit Rudolf im Gespräch

„Überzeugung weitertragen“

„Ich habe den Wunsch, etwas Neues zu etablieren“: Kneipp-Vereinsvorsitzende Birgit Rudolf aus Celle. Foto: Hüsing

NORDSTEMMEN Er stand schon kurz vor der Auflösung, aber jetzt macht er wieder auf sich aufmerksam: Der Kneipp-Verein Nordstemmen versucht, unter neuer Führung die eingefahrenen Strukturen aufzubrechen, um ein aktives Vereinsleben zu schaffen. Einen wichtigen Anteil hieran hat Birgit Rudolf, die zwar in Celle wohnt, aber dennoch den Vorsitz übernommen hat.

„Mir ist es wichtig, meine Überzeugung weiterzutragen und den Verein in Nordstemmen am Leben zu erhalten“, nennt Birgit Rudolf ihre Beweggründe, trotz der räumlichen Entfernung den Ortsverein in Nordstemmen zu führen. Wohnhaft in Celle ist sie seit 2008 Vereinsberaterin des Kneip-Landesverbandes Niedersachsen-Bremen. „Durch diese Arbeit habe ich die Philosophie der Kneippianer erst kennengelernt“, gibt die 51-Jährige offen zu, sich 30 Jahre ganz anders ernährt und um ihren Körper gekümmert zu haben als heute.

Vorstandswechsel

„Durch meine Arbeit beim Landesverband wusste ich, dass der Verein in Nordstemmen kurz vor der Auflösung stand. Zunächst haben wir eine Koalition mit dem Verein in Elze angeregt, dies war von Seiten der Nordstemmer aber nicht so recht gewollt“, erzählt Birgit Rudolf, wie sie die Situation in Nordstemmen von außen wahrgenommen hat. Zum Hintergrund: Die beiden bisherigen Vorsitzenden Roland Stumpf und Horst Brüsehoff haben ihre Ämter aus Gesundheits- und Altersgründen abgegeben, ein neuer Vorstand hat sich allerdings nicht gefunden, so dass Horst Brüsehoff eine Auflösungsversammlung vorbereitet hat. „Für die Vereinsauflösung hätten wir eine Dreiviertel-Mehrheit der rund 120 Mitglieder benötigt, die Mehrheit hat sich aber für einen Fortbestand des Vereins ausgesprochen“, lässt der ehemalige zweite Vorsitzende die für ihn anstrengenden Monate noch einmal Revue passieren (die LDZ berichtete).

„Ich habe dann gedacht, bevor der Verein stirbt, übernehme ich den Vorsitz, wenn ich ein Team auf meiner Seite weiß“, sagt Birgit Rudolf, die nicht nur den Vorsitz inne hat, sondern auch das Amt der Schriftführerin ausfüllt. Als Kassenwartin steht ihr Heike Fiedler zur Seite, Karin Westphely übernimmt den stellvertretenden Vorsitz und Horst Brüsehoff konnte als Pressewart gewonnen werden. „So kombinieren wir auch im Vorstand alt und neu“, geht Rudolf darauf ein, dass Horst Brüsehoff bereits in mehreren Bereichen des Kneipp-Vereins Erfahrungen gesammelt hat, wobei Heike Fiedler erst seit zwei Monaten Mitglied ist. „Ich bin über meine Klangarbeit an die Kneippianer herangekommen“, erzählt sie. Nach einem Vortrag, den sie 2011 gehalten hat, hat sie einige neue Klienten gewonnen. „Als ich von der bevorstehenden Auflösung gehört habe, dachte ich, dass der Verein etwas Besonderes ist und weiterbestehen muss“, sagt Heike Fiedler. Kurzerhand hat sie sich dann als Kassenwartin zur Verfügung gestellt. Und auch Horst Brüsehoff ist gar kein Vertreter der offiziellen Lehre und Philosophie des Pfarrers Sebastian Kneipp aus dem 19. Jahrhundert. „Ich bin über die Radwandergruppe 2001 zum Verein dazugestoßen“, so der Rentner. Auch der Laienschauspielgruppe gehört er an und hat schon den einen oder anderen in seiner Rolle als Landarzt zum Lachen gebracht. „Der Verein hat einiges zu bieten. Die Radwander- und die Wandergruppe sind nach wie vor aktiv, wenn zum Teil auch führungslos. Es wird gekegelt, Damen- und Herrengymnastik steht auf dem Programm und auch eine Kartenspiel-Gruppe besteht“, nennt Brüsehoff einige der Gruppen. Doch die meisten der 120 Mitglieder fühlen sich inzwischen zu alt für die vielen Aktivitäten, so dass das Gros als passive Mitglieder fungiert.

„Ich habe den Wunsch, etwas Neues zu etablieren und ein Konzept für die Zukunft zu entwickeln“, nennt Birgit Rudolf einige ihrer Ziele. Doch dass die Umsetzung Zeit brauchen wird, ist allen beteiligten klar. „Ich habe viele Ideen, aber welche sich davon tatsächlich umsetzen lassen und von unseren Mitgliedern gewollt sind, muss sich erst noch herausstellen“, ergänzt Heike Fiedler.

„Viele Ortsvereine haben die strukturellen Veränderungen verschlafen. Das müssen wir wieder in den Fluss bringen“, so Rudolf. Ein erster Schritt könnten offene Gespräche in gemütlicher Runde sein, auch ein bunter Nachmittag, an dem sich die einzelnen Gruppen des Ortsvereins präsentieren, wäre denkbar.

„Ich möchte die Menschen wieder mehr für die Gesundheitsthemen sensibilisieren. Mit einfachen Mitteln kann man von Zuhause aus viel für seine Gesundheit tun“, sagt die Vorsitzende. Ihr Wunsch ist es, „eine Frau, deren Kinder groß sind und die sich nach neuen Aufgaben oder Beschäftigungsmöglichkeiten sehnt, sowie die Männer im Vorruhestand, die sich einbringen möchten“, für das Vereinsleben zu gewinnen. Hilfreich für diese schwierige Aufgabe wäre es ihrer Ansicht nach, einen festen Raum für die Treffen der Kneippianer zu haben, um einen Anlaufpunkt zu schaffen. Doch finanzielle Mittel, um Miete zu zahlen, stehen dem 120 Mitglieder zählenden Verein kaum zur Verfügung.

Stand beim Jahrmarkt

Beim Jahrmarkt am kommenden Sonntag, 31. August, wird auch der Kneipp- Verein vertreten sein: „Wir präsentieren uns mit einem Stand an der Haupstraße und werden für Fragen zur Verfügung stehen“, so die Vorsitzende. Für Sonnabend, 11. Oktober, kündigt Birgit Rudolf schon einmal den Besuch von Regina Hartmann in Nordstemmen an. Die Kneipp-Gesundheitserzieherin könnte das Thema Gesundheit von verschiedenen Seiten beleuchten. Außerdem ist für dieses Jahr noch eine Adventsfeier geplant. Der Vorstand sowie die Gruppenleiter haben dieses Wochenende zum ersten Mal zusammengesessen, um ebenfalls Ideen auszutauschen und einander kennenzulernen.

„Ich hoffe, dass die Neuerung klappt und die engagierte Vorstandsarbeit uns einen Aufschwung beschert“, wünscht Horst Brüsehoff den neuen Vorhaben nur das Beste.

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