„Social Beer Game“ lädt zum Biertrinken ein / Jugendliche zur „Selbstschädigung“ animiert

Trend: Trinkspiele im Internet

Anna-Lena Kramp (links) und Gesa Kristin Siemers sind „Bufdis“ im Nordstemmer Jugendzentrum und kennen den Facebook-Trend: Statt diesem allerdings zu folgen, starten sie lieber einen Gegentrend und stoßen mit zwei Gläsern Wasser an. Foto: Vogelbein

NORDSTEMMEN Man stelle sich einmal vor, ein Arbeitgeber erwarte einen jungen Schulabsolventen zu einem Bewerbungsgespräch. Es geht um die Zukunft dieses jungen Menschen, denn es ist seine erste Ausbildung. Als weitblickender Leiter eines mittelständischen Unternehmens nutzt der Personalchef neben den Bewerbungsunterlagen auch die sozialen Netzwerke im Internet, um sich über den zukünftigen Mitarbeiter zu informieren.

Was er dann allerdings auf einem Facebook-Profil finden, lässt ihn zweifeln, bevor der erste Augenkontakt im Büro überhaupt stattgefunden hat. Zehn Jahre wird Facebook dieser Tage alt, und pünktlich zum Geburtstag entwickelt sich ein ungewöhnlicher Trend: Unter dem Begriff „Social Beer Game“ fordern sich Jugendliche, Erwachsene und sogar Würdenträger gegenseitig dazu auf, so schnell wie möglich eine Flasche Bier komplett auszutrinken, ein Video davon aufzunehmen und es auf ihrer Facebook-Seite zu veröffentlichen. Anschließend weisen sie einen „Freund“ darauf hin, dieses „Spiel“ ebenfalls zu wiederholen, um nicht den Respekt der „Internetgemeinde“ zu verlieren.

Gesa Kristin Siemers und Anna-Lena Kramp machen gerade ihr Berufsfreiwilligenjahr im Jugendzentrum in Nordstemmen. Auch sie haben von diesem Trend gehört, der seinen Ursprung in Trinkspielen aus England hat. Dort, berichtet Gese Kristin Siemers, gehe es aber eher darum, wer sich in kürzester Zeit so viel Alkohol wie möglich „in den Körper schütten“ könne. Die aktuelle Variante sei da schon eher harmlos und beschränke sich in der Regel auf einen halben Liter Bier.

Und so trivial es erscheinen mag, so gefährlicher wird es durch das Medium Facebook. Denn dort ist es auch Kindern ungehindert möglich, diese Videos zu sehen oder zu dem Spiel eingeladen zu werden. „Gegen ein Bier ist nichts einzuwenden. Früher haben wir auch Trinkspiele gemacht. Aber sobald Kinder auf die Idee kommen, das nachzumachen, wird es gefährlich“, berichtet Bernd Wäsche, Jugendpfleger im JUZ Nordstemmen. Gerade im Hinblick auf einen künftigen Arbeitgeber sei diese Form der Darstellung „selbstschädigend“.

Problematisch sei insbesondere der unterschwellige Druck, der auf die Facebook-Nutzer ausgeübt werde. Wer nicht mitziehe, gelte schnell als langweilig. Einigen ist der bloße Verzehr des Gerstensafts inzwischen nicht mehr Reiz genug: Oft werden sie bereits mit waghalsigen Manövern kombiniert, etwa auf einem Fahrrad fahrend oder mit dem Skateboard balancierend.

Für Anna-Lena Kramp und Gesa Kristin Siemers ist und bleibt dieser neue Facebook-Trend jedoch „total bescheuert“. Durch die Mitteilungen auf dem Internetportal fühlen sie sich wie viele andere auch gestört und ignorieren sie.

Statt ebenfalls zur Bierflasche zu greifen, entscheiden sie sich kurzerhand, das Ganze mit Humor zu nehmen und stoßen mit zwei Gläsern Mineralwasser an – und nehmen das natürlich nicht auf Video auf, um es anschließend im Internet zu verbreiten. Und damit sind sie nicht alleine: Viele kleine Aktionen, wie der Aufruf zur Spende oder andere gute Taten, folgen als Reaktion auf den fragwürdigen Trend.

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