Arbeitsgruppe Bildungsvielfalt lädt zu Podiumsdiskussion zur Zukunft der Schulen / Positives Image für die Marienbergschule

„Schülern eine Heimat bieten“

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Die Lehrer der Marienbergschule sind bei der Podiumsdiskussion in großer Zahl vertreten und fragen auch kritisch nach, wie die Zukunft der Oberschule aussehen könnte.

NORDSTEMMEN „Wir haben eine intakte Schullandschaft, wir müssen ihre Attraktivität nur noch besser nach außen präsentieren“, begrüßte Heike Wälter, Vorsitzende des Schulausschusses, die Gäste der Podiumsdiskussion. Die Arbeitsgruppe Bildungsvielfalt hatte alle Rektoren der örtlichen Grundschulen sowie Landkreis und GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) an einen Tisch gebeten, um gemeinsam mit dem Publikum Fragen und Probleme zu diskutieren.

„Es geht ausdrücklich nicht um die Existenzfrage einer Schule, sondern das Publikum soll im Vordergrund stehen“, betonte Moderator und SPD-Gemeindeverbandsvorsitzender Ralph Wieduwilt.

Die Schulleiter der Grundschulen innerhalb der Gemeinde, Tanja Wedekin, Claudia Maria Wendt und Eckhard Nührig, stellten zunächst den Ist-Zustand ihrer jeweiligen Schulen vor. Auch Friedel Reinecke, Rektor der Marienberg-Oberschule, nutzte die Gelegenheit, einen Einblick in die Veränderungen der vergangenen Jahre zu geben: „Wir haben viele Entwicklungen hinter uns bringen müssen, es ist nicht ganz einfach, alle Felder gleichzeitig zu erfüllen. Wir müssen noch weitere Klippen überwinden.“ Deshalb baue er auch verstärkt auf die gut laufende Zusammenarbeit mit den hiesigen Grundschulen: „Wir möchten den Kindern und Jugendlichen von der Krabbelgruppe bis ins Berufsleben eine Heimat bieten“, nannte er sein Hauptziel.

Immer wieder werde die Marienbergschule von der Öffentlichkeit als „Drogenschule“ wahrgenommen, obwohl dieses Image bei Weitem nicht zutreffe: „Es ist gut, offensiv mit diesen Themen umzugehen, aber es muss auch um Inhalte und Methoden gehen können.“

Stabile Oberschule

Als Träger der Marienberschule war auch der Landkreis bei der Podiumsdiskussion vertreten. Karl Heinz Brinkmann zeichnete ein erstes Bild von den Schwierigkeiten der Zukunft: „Wir sind Träger von acht Oberschulen, die in Nordstemmen ist schon stabiler als andere. Allerdings wird es aufgrund der Schülerzahlen dazu kommen, dass die Marienbergschule durchgängig zweizügig aufgestellt wird.“ Dies sei ausreichend, so dass der Landkreis derzeit keinen Handlungsbedarf sehe. „Wie lange die Außenstelle allerdings Bestand hat, müssen die nächsten Jahre zeigen“, fügte er hinzu. Friedel Reinecke hingegen sorgte sich um die an andere Schulformen abwandernden Jugendlichen. „Wir verlieren 50 Prozent eines Jahrgangs an die Gymnasien und weitere zwölf Prozent sind von den beiden vergangenen Jahrgängen an Gesamtschulen der Region gegangen“, nannte Karl-Heinz Brinkmann konkrete Zahlen. „Wir müssen die Kurve kriegen, um auch zukünftig ein ordentliches Angebot vorhalten zu können“, so Reinecke. Hierzu gehöre die intensive Vorbereitung der Schüler auf das Berufsleben, aber auch die Möglichkeit, nach dem Besuch der Oberschule in einen gymnasialen Zweig zu wechseln. Um die Bindung der Grundschüler der Gemeinde an die weiterführende Schule zu stärken, spielen die Lehrkräfte der Marienbergschule gerade verschiedene Ideen durch. „Wir könnten uns einen Lehreraustausch mit den Grundschulen in Klasse vier und fünf vorstellen“, nannte er ein Beispiel, um „das Wurzelnschlagen innerhalb der Gemeinde fortzusetzen“.

„Was uns fehlt, ist die Bevölkerung“, sprach Gemeindebürgermeister Norbert Pallentin ein Kernproblem an. Die Kommune müsse sich nach außen so attraktiv darstellen, wie sie bereits sei, um junge Familien für das Leben in der Gemeinde zu gewinnen. „Hier sind alle Kinder und Schüler hervorragend aufgehoben. Auch die Marienbergschule hat ein positives Image verdient“, so Pallentin.

Traum von einer IGS

Auch die Vertreterin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Brigitte Zimmermann, fand klare Worte: „Wir müssen in Nordstemmen soviel Vielfalt wie möglich erhalten. Ich träume von einer IGS hier, das muss ich mal so sagen, aber dafür fehlen uns die Schüler.“ Dass nur rund 30 Prozent eines Jahrgangs nach der Grundschulzeit in der Gemeinde an einer weiterführenden Schule verbleiben, sei aber „fatal“.

Brigitte Kusior, Lehrerin an der Grundschule Barnten, wundert sich seit Jahren über die Schülerströme: „Aus Barnten entscheiden sich die Eltern fast alle gegen die Marienbergschule, obwohl auch von ehemaligen Schülern viel Positives berichtet wird.“

Schulbezirke aufheben

Ein Hoffnungssignal käme jetzt vom Landkreis. Bei der vergangenen Kreitagssitzung haben sich die Mitglieder für eine Aufhebung der Schulbezirke bei den Oberschulen entschieden. So könne jedes Kind selbst entscheiden, welche Schulform in welcher Kommune am besten zu ihm passe. Allerdings werden die Fahrtkosten dann nur zur nächstgelegenen Schule vom Landkreis übernommen.

„Unser großes Plus ist, alle Schüler zu kennen“, nennt Mona Friedrich ein wichtiges Argument für die Marienbergschule, an der sie tätig ist. „Ich freue mich über die viele positive Resonanz, die die Marienbergschule heute hier erfahren hat“, dankt insbesondere Friedel Reinecke den Teilnehmern an der Podiumsdiskussion und den interessierten Zuhörern.

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