Seltene Hunderasse in Klein Escherde: Tamaskane der Familie Hempel sorgen dank eines Facebook-Posts für Panik

„Schoßwölfe“ gibt es wirklich

Ähnlichkeit besteht natürlich schon, das ist schließlich das Ziel. Aber würden Wölfe tatsächlich so entspannt neben Menschen sitzen, wie Ima und Socke neben ihren Besitzern Annette und Carsten Hempel? Foto: Zimmer

KLEIN ESCHERDE „Passt auf Eure Pferde auf“ hieß es vor einiger Zeit in einem Beitrag, der in einer Facebook-Gruppe für Reiter in und um Hildesheim gepostet wurde. Grund dafür waren Wölfe, die in der Nähe der Mühle bei Groß Escherde gesichtet worden sein sollen und so innerhalb kürzester Zeit für Verunsicherung unter den Pferdemenschen sorgten.

Angefangen hat der für viele Reiter unheimliche und beängstigende Verdacht mit einem undeutlichen Foto durch eine verregnete Windschutzscheibe, auf dem zwei Tiere zu sehen waren, die Wölfen durchaus ähnlich sahen. Genau hätte es aufgrund des Bildes aber niemand sagen können.

Die Reaktionen der Leser auf diesen Beitrag waren ganz unterschiedlicher Natur. Sie reichten von Freude, wieder Wölfe in der Gegend zu haben, über Skepsis, ob das denn wirklich Wölfe auf der Straße sein könnten, bis hin zu Panik, was alles passieren könnte, wenn sie etwa auf eine Pferdewiese laufen würden. Nach etlichen Spekulationen folgte aber auch ein erlösender Kommentar: Keine Sorge, das sind bloß Hunde aus Klein Escherde, die Wölfen ähnlich sehen.

Ima und Socke

Dass genau das das Ziel ist, wäre vermutlich auch nicht so schnell vermutet worden. Denn bei den Tieren, die sich nur kurz in der Nähe der Mühle aufhielten, handelte es sich um die Hunde Ima und Socke, die zu Annette und Carsten Hempel aus Klein Escherde gehören. Das Ehepaar hat neben nur sieben weiteren deutschen Züchtern die Hunderasse Tamaskan für sich entdeckt, von der es weniger als 100 Tiere in Deutschland gibt. Die Hunderasse ist von der FCI nicht anerkannt, hat aber ein ganz klar definiertes Zuchtziel: Dem Wolf so ähnlich wie möglich sehen, dabei aber über die positiven Eigenschaften eines Haushundes verfügen. „Schoßwölfe“ nennt Annette Hempel ihre Hunde liebevoll. Auch wenn Socke mit seinen 75 Zentimetern Schulterhöhe nicht mehr ganz „schoßpassend“ ist.

„Wir wollten einen Hund, der mit uns im Haus lebt und Teil der Familie ist“, beschreibt Annette Hempel, wie alles angefangen hat. Trotzdem blieb da immer noch die Leidenschaft für Wölfe, und bei einem Schlittenhundrennen stießen sie auf die noch unbekannte Rasse. „Ein Interessent wartet im Durchschnitt drei Jahre“, macht Carsten Hempel darauf aufmerksam, dass bei den Züchtern großer Wert auf Sicherheit gelegt wird. Denn die Hündinnen werden zumindest bei ihnen nur dann gedeckt, wenn es bereits im Vorfeld mindestens sechs Interessenten gibt. Dazu kommt, dass kein einziger Tamaskan im Tierheim landen soll. „Das unterschreibt uns auch jeder“, versichert er.

Um mehr über die Rasse aufzuklären, sind Annette und Carsten Hempel häufig mit Ima und Socke auf Messen zu finden, was die Hunde absolut gelassen mitmachen würden. „Wir gehen auch gerne in Kindergärten oder Schulen“, bietet Annette Hempel an. Denn ausreichende Information sei der beste Weg, Situationen wie die auf Facebook in Zukunft zu vermeiden. „Dieser Beitrag bei Facebook zeugt von Unwissen“, findet auch Carsten Hempel, der sagt: „Wir wissen, dass wir eine nicht alltägliche Hunderasse haben. Nichtsdestotrotz bleiben es Hunde. Das, was wir bei Facebook erlebt haben, ist die maximale Grenze des Ertragbaren.“ Auch seine Frau hält den Hype, den der Facebook-Post losgetreten hat, für übertrieben: „Es ist nicht nötig, immer sofort aus so einer Geschichte einen Wolf zu machen“ – im wahrsten Sinne des Wortes.

Zaun kontrolliert

Denn ihre Hunde seien auch mit Pferden verträglich, schließlich habe das Ehepaar selbst welche. Zur Mühle gelangten Ima und Socke, als ihre Besitzer den Zaun ihrer an das Erdbeerfeld zwischen Groß und Klein Escherde grenzenden Pferdewiese kontrollierten und die Hunde mitgenommen hatten. Dort hielten sie sich nur wenige Minuten auf, bis sie auf Zuruf direkt wieder zur Wiese zurückgelaufen seien.

Um Interessierten Informationen über die Rasse zu liefern und einen tieferen Einblick in ihr Leben mit Ima und Socke, die seit kurzem mit dem 16 Wochen alten Bulwai (Mischling aus Altdeutschem Schäferhund und Marxdorfer Wolfhund) ein kleines Rudel bilden, zu gewähren, haben Annette und Carsten Hempel bei Facebook eine eigene Seite eingerichtet. Sie ist dort unter ihrem Zuchtnamen, „Tamaskan vom Nordlicht“, zu finden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare