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„Schandfleck“ am Ortseingang im Blick

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Agravis-Bereichsleiter Jürgen Wortmann (rechts) führt die Mitglieder des Ortsrates sowie einige Anwohner durch das Agravis-Gebäude am Bahnhof in Barnten. Fotos: Kuhlemann
Agravis-Bereichsleiter Jürgen Wortmann (rechts) führt die Mitglieder des Ortsrates sowie einige Anwohner durch das Agravis-Gebäude am Bahnhof in Barnten. Fotos: Kuhlemann

BARNTEN Bei einem Ortstermin auf dem Teil des Bahnhofsgeländes in Barnten, das die Agravis Raiffeisen AG gekauft hat, haben sich die Mitglieder des heimischen Ortsrates unter der Leitung von Ortsbürgermeister Manfred Hänsch jetzt einmal ausgiebig umgeschaut. Dort, wo einst Waren im genossenschaftlichen Handel vertrieben wurden, steht jetzt die Absackung und Lagerung von landwirtschaftlichen Betriebsstoffen auf der Tagesordnung, wie Agravis-Mitarbeiter der kleinen Runde erläuterten.

Hintergrund: Vor einigen Wochen hatten Anlieger aus Barnten sich an einem Tag über Geruchsbelästigungen beschwert, die angeblich vom Bahnhofsgelände ausgegangen seien sollen. Daraufhin hatte Manfred Hänsch um einen Lokaltermin mit der Agravis gebeten, der ihm dann auch erfüllt wurde: Bereichsleiter Jürgen Wortmann hatte Andreas Höweling (langjähriger Betriebsstättenleiter in Barnten und jetzt Teamleiter in Hildesheim), Dennis Schapers und Martin Schulze-Mönking mitgebracht, um dem Ortsrat und anderen, interessierten Barntenern, einen Blick hinter die Kulissen zu gewähren. Sie wollten verdeutlichen, dass es auszuschließen sei, dass die einmalige Geruchsbelästigung von den neuen Anlagen stammen könne.

Bei der Begrüßung ging Wortmann auf allgemeine Informationen zur Agravis Raiffeisen AG ein, die über rund 300 eigene Standorte im Arbeitsgebiet verfügt, das von Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg bis nach Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern reicht. Wortmann nannte Pflanzen (Saatgut, Düngemittel), Tiere (Mischfutter und Futtermittel-Spezialstoffe) und Technik (Schlepper, Erntegeräte und Stalleinrichtungen) als die drei Hauptstandbeine des Unternehmens, das 2013 einen Umsatz von 7,5 Milliarden zu verzeichnen hatte. Dazu kommen Bauservice (Baustoffhandel, Agrarbautechnik), Märkte (mehr als 1000 Raiffeisen-Märkte) und Energie (Brenn- und Kraftstoffe mit 60 eigenen und mehr als 240 Tankstellen im genossenschaftlichen Verbund).

Den Standort Barnten habe die Agravis Raiffeisen AG für die Aufbereitung von Eisenhydroxid gewählt – einem bei der Produktion von Biogas eingesetzten Hilfsstoff. Biogasanlagen nutzen das braune Pulver, um schädliche Schwefelwasserstoffe als Abfallprodukte zu binden und den Produktionsprozess letztendlich zu optimieren.

Die Produkte, die nicht wassergefährdend und hinsichtlich ihrer chemischen Eigenschaften nicht gefährlich seien, werden über die Agravis-Gesellschaften und Raiffeisen-Genossenschaften in der Region vertrieben. „Das ist günstiger Dünger, den man vor Ort beziehen kann“, bestätigte Ortsratsmitglied und Landwirt Friedrich-Wilhelm Wandmacher.

Auf die Frage des Anliegers Lothar Kurt, ob denn das Gebäude, das er als „Schandfleck am Ortseingang“ bezeichnete, in naher Zukunft saniert werden würde, antwortete Wortmann: „Die Agravis-Gebäude werden schon in Schuss gehalten, allerdings kann ich das in diesem Fall noch nicht für 2014 versprechen, erst einmal müssen wir genug Geld verdienen“, so der Bereichsleiter. Bei der Besichtigung führte Wortmann die Barntener in die verschiedenen Hallen, um ihnen die Lagerung und die Abfüllanlage zu zeigen. So sind die Abfüllanlagen extra mit Glasschutzwänden versehen, damit kein Staub aus dem Gebäude heraus in die Umgebung ziehen kann. Das Eisenhydroxid wird in 20-Kilo-Säcke verpackt, die in den Biogasanlagen mit verwertet werden.

„Der Termin war gut für uns, jetzt wissen wir wenigstens, was hier gemacht wird und können mögliche Fragen der Bürger beantworten. Uns ist wichtig, dass die nahe liegende Grundschule nicht gefährdet ist“, resümierte Ortsbürgermeister Manfred Hänsch, der selbst wissen wollte, wie die Verkehrsbelastung durch die neue Anlage aussehe. „Das sind hochgerechnet etwa 400 Lastwagen im Jahr“, antwortete Wortmann. Und Andreas Höweling, der jahrelang für die Agravis in Barnten tätig war, ergänzte: „Als wir hier Getreide angenommen haben, waren das deutlich mehr.“

Beim abschließenden Kaffeetrinken appellierte Jürgen Wortmann noch einmal an die Ortsratsmitglieder, sich auf jeden Fall zu melden, falls etwas nicht in Ordnung sei.

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