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Die Rübenberge wachsen wieder

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Die ersten Lastwagen laden ihre Fracht an der Zuckerfabrik in Nordstemmen ab und sorgen so bereits zu Beginn der diesjährigen Kampagne für einen beeindruckenden Zuckerrübenberg. Fotos: Appel
Die ersten Lastwagen laden ihre Fracht an der Zuckerfabrik in Nordstemmen ab und sorgen so bereits zu Beginn der diesjährigen Kampagne für einen beeindruckenden Zuckerrübenberg. Fotos: Appel

NORDSTEMMEN Die Dampfwolken über dem Nordzuckerwerk in Nordstemmen zeigen es bereits von weitem an: Die Zuckerrübenkampagne 2014/2015 ist angelaufen. „Seit gestern 0 Uhr läuft die Kampagne. Die ersten Rüben sind bereits da und wir freuen uns auf eine tolle Kampagne“, sagt Rudolf Podolsky, Leiter des Nordstemmer Werks.

Die Freude scheint berechtigt. Erste Proben hätten einen Zuckergehalt von bis zu 17 Prozent bei den energiereichen Rüben ergeben. „Für Anfang September ein sehr guter Wert“, ordnet der Zuckerproduzent ein.

Dirk Wollenweber, Geschäftsführer des Zuckerrübenanbauerverbands, ergänzt die positive Einschätzung: „Wir erwarten eine gute Ernte.“ Vor allem, weil die Rüben in diesem Jahr früh gesät wurden und das Wetter mitspielte. „Die kühlen und feuchten Bedingungen waren für die Rübe förderlich. Zudem hatten wir dennoch ausreichend Licht, so dass sie sich gut entwickeln konnte“, berichtet er von den Ergebnissen der Proberodungen. Jetzt fehle nur noch ein sonnenreicher Herbst, um die Zuckergehalte zu steigern.

Frank Hesse, Leiter des Rübenbüros in Nordstemmen, spricht von einer gewaltigen Steigerung des Ertrags im Vergleich zum Vorjahr. Lag 2013 der Ertrag bei 68 Tonnen pro Hektar, so rechne man in diesem Jahr mit 82 Tonnen.

Entsprechend kalkuliert Podolsky mit zwei bis zweieinhalb Millionen Tonnen Zuckerrüben, die im Zuge der Kampagne in Nordstemmen bis Januar verarbeitet werden. Eine Menge, deren Bewältigung kein Problem sei. „Wir sind gut vorbereitet“, zeigt er sich angesichts von Investitionen in Höhe von 3,5 Millionen Euro zuversichtlich. Geflossen ist das Geld zum einen in die Instandhaltung und zum anderen in Erneuerungen. So wurde im Werk das Leitsystem ausgetauscht. „Das alte war aus dem Jahr 1986.“ Zudem investierte Nordzucker in eine neue Siebmaschine, „um besser kundengerechter liefern zu können“, so Podolsky.

Um aus den Rüben das Beste herauszuholen, ohne die unmittelbaren Anwohner durch Geräusch- oder Geruchsentwicklung zu belästigen, hat die Zuckerfabrik laut Podolsky „einiges getan“: „Wir haben ein enormes Schallschutzprogramm aufgelegt“, sagt der Werksleiter. So seien unter anderem das Rübenwaschgebäude, die Siebmaschine und die Durchfahrten in Sachen Lärmschutz verbessert worden. Rund 200 000 Euro hätten diese Maßnahmen verschlungen. Auch sei ein neuer Teich fertig gestellt worden. „Wir haben so die Kapazität, um die Rübenerde trockener auszufahren und so weniger Emission zu haben“, so Podolsky. Apropos „schlechte Luft“: Es sei ein Geruchsprogramm in Auftrag gegeben worden, in dem über den Zeitraum eines Jahres gemessen werde, „ob es riecht oder nicht“.

Bleibt der oftmals kritisierte Anlieferverkehrs. „Dass die Lastwagen zu schnell fahren, ist zum Teil nur eine subjektrive Wahrnehmung“, sieht Hesse zum einen. Zum anderen nehme man die Kritik ernst: „In der Fahrerschulung, die wir begleiten, wird um lärmschonende Fahrweise gebeten“, nennt Podolsky ein Beispiel. So etwa, dass die Lastwagen nachts nicht am erlaubten Tempolimit fahren. Des Weiteren sei im vergangenen Jahr vereinbart worden, dass das Werk nur für eine Fracht bis 40 Tonnen aufkomme, damit einer Überladung vorgebeugt werde.

Ob beim Thema Geruch oder der Anlieferung, Podolsky sagt: „Wir nehmen berechtigte Beschwerden ernst und tun, was wir können.“ So seien in den vergangenen Jahren beispielsweise die Beschwerden aus der Bevölkerung aufgrund von Geruchsbelästigungen stark zurück gegangen.

Nichtsdestotrotz werden die kommenden Monate Lastwagen jede Menge Zuckerrüben nach Nordstemmen transportieren. Täglich sind dies 17 000 bis 18 000 Tonnen. So werden die jetzt schon beachtliche Berge auf dem Gelände der Fabrik noch deutlich anwachsen.

Mitte November sei die Ernte etwa abgeschlossen, erläutert Wollenweber. Im Anschluss daran bleibt ein Teil der Rüben bis zum Abtransport frostgeschützt an den Äckern liegen. So bremst Wollenweber ein wenig die Euphorie des Kampagnenstarts: Für Jubelrufe sei es noch zu früh, denn zwei Erntemonate und 130 Kampagnentage mit vielen möglichen Einflüssen stehen noch bevor. „Die Kampagne wird bis in die zweite Januarhälfte andauern. In dieser Zeit kann das Wetter noch so einige Überraschungen bereithalten.“

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