Unbekannte laden verstorbene Frau von Hans-Joachim Klameth zur Kaffeefahrt ein

Makabrer Brief

Die Ehefrau von Hans-Joachim Klameth wurde eingeladen. Sie ist allerdings bereits vor einiger Zeit verstorben. Foto: Vogelbein

Nordstemmen Dass Hans-Joachim Klameth Post mit vermeintlichen Gewinnversprechen und Busreisen bekommt, ist für den Nordstemmer Rentner nichts Neues mehr. Vor wenigen Tagen jedoch erhielt auch seine Ehefrau einen solchen Brief mit der Bitte, am heutigen Montag in einen Bus einzusteigen und am Ziel ein nagelneues Elektrofahrrad abzuholen. Das Kuriose: Erika Klameth ist vor fast einem halben Jahr verstorben.

Eigentlich kann Klameth über die ganze Geschichte schon wieder lachen. „Ich habe in der Vergangenheit viele dieser Briefe bekommen und werde das wohl auch weiterhin“, sieht der Nordstemmer die Situation gelassen. Dass nun aber auch seine verstorbene Frau eine solche Einladung erhält, findet er makaber. „Ich frage mich, woher die immer die Namen und Adressen nehmen“, wundert sich Klameth. Versprochen werden in dem Brief mehrere Hauptpreise: darunter verschiedene Sachpreise und mehrere Geldgewinne. Mit einer Auszahlung in bar am Veranstaltungsort wird geworben, Essen und Trinken und sogar ein Sektempfang werden versprochen. Zahlreichen Fernsehberichten ist bereits zu entnehmen, was die Mitreisenden dort erwartet: Keine Gewinne, das Essen kostenpflichtig, und meist werden die vor allem älteren Menschen dazu gedrängt, überteuerte „Ramschware“ zu kaufen. Auch in diesem Fall fehlen auf der Mitteilung, aber auch auf dem Briefumschlag, jegliche Informationen zum Absender. Beinahe überflüssig der Absatz, der Absender „bürge“ für die Leistung mit seinem „guten Namen“.

Dennoch sollten Reisende sich stets darüber im Klaren sein, was sie am Ende der Busfahrt erwartet, was in den meisten Fällen auch die Polizei bestätigt. Dass in der Gemeinde aktuell mehr solcher Briefe im Umlauf sind, konnte die Polizei in Sarstedt jedoch nicht sagen. In Nordstemmen fährt der erste Bus übrigens schon heute um 7 Uhr los: An der Bushaltestelle am Rathaus werden die Senioren eingeladen. Dabei wissen viele bereits vorab, was sie erwartet. „Ich bin auch schon mal mitgefahren“, gibt Hans-Joachim Klameth zu. Wohl wissend, dass ihn am Ziel kein Gewinn erwartet. „Ich dachte mir, so kommst du mal raus, siehst etwas anderes“, begründet der Rentner seine Entscheidung. Überraschend: Laut Klameth gibt es viele ältere Menschen, die das ähnlich sehen und die Gelegenheit nutzen, „mal wieder raus zu kommen“ und dem Alltag zu enfliehen: „Wenn man weiß, dass einen dort nicht der große Gewinn erwartet, kann einen eigentlich nicht viel passieren“, so Klameth.

Nur die Menschen, die man dort antrifft und die versuchen, einem etwas zu verkaufen, werden dann sehr ungeduldig und sogar ungehalten. „Dann wird schon Druck ausgeübt, die Leute werden sehr schnell patzig“, weiß der Nordstemmer zu berichten. cv

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