Positives Ergebnis der Rübenkampagne / Aber: Verhandlungen über den Rübenpreis sind noch nicht abgeschlossen

Landwirte fühlen sich unfair behandelt

Der Einladung des Zuckerrübenanbauerverbands zur Winterversammlung sind zahlreiche Landwirte gefolgt: Auf die Mitteilung des Rübenpreises warten sie aber vergebens. Fotos: Vogelbein

Nordstemmen Im Rahmen der Winterversammlung des Niedersächsischen Zuckerrübenverbandes in Nordstemmen zogen die Verantwortlichen beider Seiten – Verband und Nordzucker – Bilanz zur Kampagne. Trotz schwieriger Wetterlage fällt das Ergebnis versöhnlich positiv aus. Wäre da nicht das „liebe Geld“ – oder besser dessen Abwesenheit.

Es drohte, ein Rekordjahr zu werden. Im negativen Sinne. Die Aussaat der Rüben erfolgte ungewöhnlich spät, erklärte Franz Hesse, Leiter des Rübenbüros der Nordstemmer Zuckerfabrik. Schuld war das Wetter, war das Hochwasser und der sehr kurze (aber zum Teil intensive) Sommer. Kurz vor dem Start der Kampagne im November konnte „die Ernte aber noch einmal richtig durchstarten“, freute sich Hesse, und war gleichzeitig mit der Leistung der Fabrik zufrieden. „Das die Rübe bis zum Ende der Kampagne sehr gut zu verarbeiten war, lag an der außergewöhnlichen Qualität.“ Grund war die gute Arbeit der Landwirte und stetige Kontrollen innerhalb der Zuckerfabrik von Seiten des Verbandes, wie dessen Geschäftsführer Dr. Clemens Becker erklärte. So wurden zahlreiche Überprüfungen in den Laboren vorgenommen, um die ausgehandelten Standards zu überprüfen. Eigentlich könnten sich somit alle Seiten freuen, wäre da nicht die Ungewissheit über das Grundsätzliche. Denn traditionell präsentieren die Verantwortlichen zur Winterversammlung auch konkrete Zahlen über die Rübenpreise. Entsprechende Präsentationsfolien blieben diesmal allerdings leer. Die Verhandlungen stocken und sind noch nicht abgeschlossen. „Wir finden, dass das uns gegenüber nicht fair ist“, beklagten einige der anwesenden Zuckerrübenbauer. Die Nordzucker AG wiederum schreibe durchweg positive Zahlen und gebe wiederholt Rekordergebnisse bekannt. „Davon profitiert im Augenblick nur einer“, so die Feststellung der Anwesenden. Warum die Preisverhandlungen noch nicht abgeschlossen sind, sei für die Bauer nicht nachvollziehbar.

Auch der nützliche Tipp zum Rübenanbau für die kommende Saison von der Anbauberatung der Nordzucker AG um Friethjof Pape, den Kaliumwert der Böden zu beachten, sorgten nicht für eine Aufhellung der Stimmung. Einen Hoffnungsschimmer verbreitete da schon eher Volker Bückmann. Der Leiter der Rohstoffbeschaffung wagte einen Blick in die Zukunft: Ab 2017 fällt die Quotenregelung für Rüben- und Zuckerpreise weg. Anstelle der bis dahin existierenden Preisgarantien müssen Lieferverträge dann direkt zwischen Verband und Unternehmen verhandelt werden. „Wir treten dabei für Regelungen ein, die einen erfolgreichen Rübenanbau und eine wettbewerbsfähige Zuckerproduktion in unserem Gebiet sichert“, so Bückmann. Er sehe gleichzeitig Chancen, den sinkenden Preisen in Zukunft durch mehr Wettbewerb und mehr Flexibilität entgegenzuwirken. Entgegen der Konkurrenz aus Brasilien ist er sich sicher: „Ich glaube an die Zuckerrübe in Norddeutschland.“ Stimmt dann auch der Preis, und wird er rechtzeitig mitgeteilt, werden ihm wohl auch die Zuckerrübenbauer in diesem Glauben folgen.

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