Große Nachfrage nach Bauland in Burgstemmen

Problem für Investor: Fläche gilt als belastet

Burgstemmen – „Auf einen Schlag könnte ich acht Grundstücke verkaufen“, beschreibt Rüdiger Wolther die große Nachfrage nach Bauland in Burgstemmen. Er hat vor drei Jahren eine rund 8 000 Quadratmeter große Fläche im Ort erworben, will diese mit zwei weiteren Mitstreitern in ein Baugebiet mit zwölf Grundstücken verwandeln. Das Problem: Die Fläche gilt als belastet. Der ehemalige Kalksteinbruch wurde als Mülldeponie genutzt.

„Dort wurde nichts gefunden“

„Das war Hausmüll – also Papier und Pappe. Das ist alles bereits verrottet“, erläutert Rüdiger Wolther, der sich stets gegen den Vorwurf wehren müsse, die Fläche „Am Paradies“ sei belastet. Zwar seien dort Fahrzeugkarosserien entsorgt worden, wie er einräumt, wohl aber sei der Boden keineswegs etwa mit Öl belastet. Vor drei Jahren hat der Burg-stemmer Unternehmer ein erstes geologisches Gutachten in Auftrag gegeben. „Dort wurde nichts gefunden.“ Zum Baustart aber kam es nicht. 

Zwölf Grundstücke sollen auf dem Gelände „Am Paradies“ entstehen – sofern Investor Rüdiger Wolther Landkreis und Gemeinde von der Unbedenklichkeit der Fläche überzeugen kann.

Kreisverwaltung sieht Klärungsbedarf

Ein weiteres, ausführlicheres Gutachten hält er seit rund einem Jahr in den Händen – vom selben Unternehmen: 14 Kleinrammbohrungen und 14 schwere Rammsondierungen sind vor- genommen worden. Laut des Auftraggebers sei man knapp elf Meter tief in der Erde gewesen. „Es gibt keine Einwände“, nennt er das Ergebnis. Trotzdem hat der Landkreis Hildesheim Vorbehalte: Zwar könne aus „bodenschutzrechtlicher Sicht unter Berücksichtigung der durchgeführten Untersuchungen und deren Ergebnissen sowie der Empfehlung des Gutachters zum Verzicht auf eine Unterkellerung keine rechtlich durchgreifenden Bedenken gegen eine Bebauung erhoben werden“, wohl aber wolle er auch keine Empfehlung für „eine Bebauung des mit der Altablagerung belasteten Areals“ aussprechen. Klärungsbedarf sehe der Landkreis vor allem „bezüglich eines etwaigen Nutzpflanzenanbaus in Wohngärten“, heißt es auf Nachfrage bei der Kreisverwaltung. 

„Ein gesundes Leben und Wohnen ist möglich“

Wie der beauftragte Sachverständiger erläutert, sind die obersten 30 Zentimeter Boden untersucht worden. „Es ist alles unbedenklich“, betont Diplom-Geologe Markus Herrmann, der das Gutachten im Auftrag von Rüdiger Wolther erstellt hat. Er sei zuversichtlich, auch die letzten Bedenken ausräumen zu können. Hierfür müssten allerdings weitere Untersuchungen erfolgen. Für die Bewirtschaftung von Nutzgärten sei es erforderlich, den Boden in einer Tiefe von 60 Zentimetern zu analysieren. Selbst wenn es dort Belastungen gebe, stehe immer noch die Option offen, 30 Zentimeter neuen Boden aufzubringen, so der Diplom-Geologe. „Ein gesundes Leben und Wohnen ist möglich“, betont der Gutachter, der allerdings auch zu dem Ergebnis kommt, dass ohne Keller gebaut werden sollte. 

Anfang des Jahres hat Rüdiger Wolther einen erneuten Bauantrag für sein Vorhaben gestellt. Im Rahmen der kommenden Bauausschusssitzung im November soll er Gelegenheit erhalten, die Ratsmitglieder zu informieren. Zwölf Grundstücke sollen auf der Fläche realisiert werden. „Ich habe bereits jede Menge Anfragen“, sagt er und mahnt: „Burgstemmen schrumpft.“ Eine Weiterentwicklung im Ort sei nämlich nicht möglich. Dabei gebe es „einen unheimlichen Bedarf“, ärgert sich der Burgstemmer, hier förmlich ausgebremst zu werden.  - jk

Rubriklistenbild: © Jennifer Klein

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