Uta Petricks Wohnzimmer wird am 23. und 24. August zum offenen Atelier / „Das gehört zu mir“

Große Kunst im blauen Haus

Uta Petrick freut sich auf viele Besucher zu den „Tagen der offenen Ateliers“ in Barnten. Foto: Vogelbein

BARNTEN Mutter, Vater, Opa – alle haben gemalt, gezeichnet und waren künstlerisch aktiv. Nur Uta Petrick selbst wollte damit eigentlich nie etwas zu tun haben. „Ich habe das nie richtig verstanden und nachvollzogen“, verrät die Barntenerin. Geklappt hat es mit dem Verzicht aber nicht so richtig, denn inzwischen schmücken fast 50 selbst gemachte Bilder die Wände ihres Hauses. Dieses ist übrigens blau. Und aus Holz. An den „Tagen der offenen Ateliers“ am 23. und 24. August lädt sie Besucher ein, sich im Inneren in eines der vielen Bilder zu verlieben.

Uta Petrick beschreibt sich selbst als Bauchmensch. Ob sie ein Bild malt oder nicht und was am Ende darauf zu sehen ist, ist immer von ihren Gefühlen abhängig. „Ich brauche ein ganz bestimmtes Licht und ein ganz bestimmtes Wetter“, beschreibt sie das Warten vor dem weißen Blatt Papier. Wie groß dieses ist, ist ihr im Übrigen egal. Sie hat sich bereits auf fast jeder Größe verewigt. Angefangen habe alles mit kleinen Zetteln, nicht viel größer als eine Postkarte. „Da habe ich drauf rumgekritzelt. Meine Freunde haben mich sofort darauf angesprochen“, berichtet Petrick von den Anfängen. „Ich hatte nie das Bedürfnis und wollte auch nie etwas mit dem Kunstschaffen zu tun haben“, sagt sie heute – und kann es immer noch nicht fassen, dass sie malt. Zu Beginn sei es wie ein Wasserfall gewesen: die Bilder wollten einfach aus ihr heraus – sie seien quasi „aus Versehen“ entstanden. Heute ist das Tempo sehr viel niedriger. „Es hat den Leuten gefallen. Das hat mich motiviert. Heute gehört es einfach zu mir dazu“, hat Uta Petrick sich inzwischen damit abgefunden, dem Drang zum Kunstschaffen nicht entfliehen zu können. Wie einen längst vergessenen Schatz buddelt sie nach und nach etwas von sich frei und bannt es auf der Leinwand. „Am liebsten male ich abstrakt. Oft weiß ich zu Beginn nicht, was am Ende rauskommt“, lässt die Barntener Künstlerin einen Blick in ihren kreativen Schaffensprozess zu.

Beim „Tag der offenen Ateliers“ ist sie schon zum zweiten Mal dabei. „Eigentlich weiß man ja, was auf einen zukommt. Aber was, wenn es anders wird? Die Aufregung bleibt“, berichtet sie von den letzten Vorbereitungen. Beim ersten Mal sei es schon ein komisches Gefühl gewesen, fremde Menschen ins Haus zu lassen. „Man weiß ja nie, wer da kommt“, so ihre Befürchtung. Und wie viele: Am Ende des Tages waren es weit über 100 Menschen, die durch das blaue Haus von Familie Petrick auf Kunstreise wandelten. Auch diesmal können es wieder so viele werden, erhofft sich die Künstlerin. Denn diesmal war es gar nicht so einfach, als Aussteller mit dabei zu sein. „Es gab ein Bewerbungsverfahren.“ Der Kulturverband Hildesheim als Veranstalter sah sich einer großen Menge Anmeldungen gegenüber und musste reagieren. Gut für Ute Petrick: Sie ist dabei und freut sich vor allem auf neue Ideen und Impulse. „Die erste Ausstellung vor drei Jahren hat mir bereits einen wahnsinnigen Schub verliehen. Vorher habe ich einfach so drauf los gemalt. Inzwischen denke ich viel mehr nach und versuche, zu planen. Das hat mich erst erschreckt, inzwischen hat es mich aber weitergebracht“, zeigt sich die Künstlerin optimistisch. Denn gerade die Gespräche mit den Gästen seien für die Aussteller der offenen Ateliers der ganz große Lohn. Dann spricht sie über die Wahl der Farben, die Überraschung, die jedes Bild auch für sie selbst innehält und das besondere Gefühl, das ursprünglich ihr zu eigen nun auf der Leinwand für jeden sichtbar zu einem Meer von Farben und Formen geworden ist. „Das bin ich, das gehört zu mir“, sagt die 64-Jährige. Und jeder kann es sehen.

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