Führerschein mit 17 bei Jugendlichen enorm beliebt / Fahrschullehrer sieht Vorteile

Die „geniale Idee“ kommt an

Fahrschullehrer Kay Vorwerk befürwortet den Führerschein mit 17, der sich auch bei Jugendlichen in Nordstemmen und Hildesheim großer Beliebtheit erfreut. Fotos: Appel

NORDSTEMMEN  Als es damals los ging mit dem Führerschein mit 17 Jahren, da habe er zu den Zweiflern gezählt, gibt Kay Vorwerk, Fahrschullehrer aus Nordstemmen, offen zu. Heute, Jahre später, sagt der einstige Skeptiker zum Führerschein mit 17: „Das war die genialste Idee.“ Wie er denken viele. Nicht nur Fahrschullehrer, sondern vor allem auch die angehenden Autofahrer in Niedersachsen.

Niedersachsen war vor zehn Jahren Vorreiter für das Modell, bei dem 17-Jährige in Begleitung eines erfahrenen Autofahrers am Steuer sitzen dürfen. Seit Anfang 2011 gibt es diese Möglichkeit bundesweit. Jetzt, drei Jahre später, ist der Führerschein mit 17 nach TÜV-Angaben ein Renner. „Niedersachsen liegt bundesweit mit einer Quote von 53 Prozent aller Fahrschüler mit an der Spitze“, so Hartmut Abeln vom TÜV-Nord. Nur Bayern hatte im vergangenen Jahr mit 59 Prozent eine höhere Quote an unter 18-jährigen Autofahrern. Kay Vorwerk, der seit 2002 in Nordstemmen sowie seit 2003 in Hildesheim Fahrschulen betreibt, schätzt die Nachfrage nach den Führerschein mit 17, zumindest in seinen Schulen, noch höher ein. Bei etwa zwei Dritteln der Fahrschüler handele es sich um Teenager, die vor der Volljährigkeit hinter das Steuer wollen. Der erfahrene Fahrschullehrer erkennt Vorteile an dem System des Führerscheins mit 17, das nach dem Führerscheinerwerb vorsieht, dass die Jugendlichen hinter das Lenkrad dürfen, sofern sie eine mindestens 30 Jahre alte Person, die den Führerschein seit mindestens fünf Jahren und im Flensburger Strafregister maximal einen Punkt hat, begleitet. „Mama oder Papa achten darauf, dass der Nachwuchs auch tatsächlich nicht schneller als erlaubt fährt“, berichtet Vorwerk aus Erfahrung. Anders als bei volljährigen Fahranfängern sei im diesem ersten Jahr im Straßenverkehr eine maßregelnde Instanz mit dabei. „Das prägt die jungen Autofahrer. Nach einem Jahr Erfahrung behalten die das korrekte Fahren bei“, so Vorwerk.

Unterstützt wird er in der Einschätzung durch Zahlen der Bundesanstalt für Straßenwesen. Diese verweist auf eine Studie vor der Einführung des Führerscheins mit 17 Jahren. Demnach wurde nachgewiesen, dass diese jungen Fahrer im Gegensatz zu älteren statistisch gesehen in 22 Prozent weniger Unfälle verwickelt und an etwa 20 Prozent weniger Verkehrsverstößen beteiligt waren. Der Experte des TÜVs will bei den 17-jährigen Fahrern gar eine etwa zehn Prozent geringere Durchfallquote bei der Führerscheinprüfung ausgemacht haben.

Ganz so groß sieht Vorwerk, zumindest in Sachen Prüfung, die Kluft nicht. Sowohl die Ausbildung in der Fahrschule als auch die Prüfungen seien gleich. Das eine Jahr Altersunterschied sei nichtg ausschlaggebend in Sachen Lernen. „Das ist sowieso individuell. Bei dem einen geht es schneller, bei dem anderen dauert es eben etwas mit dem Führerschein“, so Vorwerk. Lediglich einen Vorteil macht er für die jüngeren Fahrschüler dann doch aus: Sie sind meist nicht parallel mit dem Abitur beschäftigt.

Sollte man also angesichts des Erfolgs des Führerscheins mit 17 das Alter noch weiter runterschrauben? Von der Idee hält Vorwerk nicht allzu viel. Gestählt durch die langjährige Erfahrung mit 15- oder 16-jährigen Fahrschülern, die unter seiner Anleitung den Mofa- oder Moped-Führerschein machen, schätze er diese Alterklasse der Teenager dann doch nicht reif genug für das Autofahren ein.

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