El Puente mit Umsatzrekord / Geschäftsführer Stefan Bockemühl: „Wir hätten uns Costa Rica als Weltmeister gewünscht“

Fairer Handel als Jugendbewegung

Liegt jetzt ganz groß im Trend: Nicht nur während der Fußball-Weltmeisterschaft ist die Costa-Rica-Cola mit fair gehandeltem Rohrzucker ein Erfolgsschlager. El-Puente-Geschäftsführer Stefan Bockemühl (rechts) und Kousic Bhattacharjee, Vertriebspartner aus Indien, wissen um den Erfolg nachhaltig produzierter Lebensmittel bei jungen Menschen. Foto: Vogelbein

NORDSTEMMEN Sie war sicherlich die Überraschungsmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien. Die Elf aus dem südamerikanischen Costa Rica hat es bis ins Viertelfinale geschafft und scheiterte erst im Elfmeterschießen knapp am späteren WM-Dritten Niederlande. „Das haben wir natürlich wohlwollend verfolgt. Wir hätten uns Costa Rica als Weltmeister gewünscht“, gibt Stefan Bockemühl, Geschäftsführer des Nordstemmer Fair-Trade-Unternehmens El Puente, zu. Zum Trost gibt es Costa-Rica-Cola. Dabei ist der Markt rund um fair gehandelte Produkte so stark wie nie zuvor.

Für den Marktführer aus Nordstemmen heißt das rund 9,5 Millionen Euro Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr. Das sind gut fünf Prozent Steigerung im Vergleich zum Vorjahr. Der Markt selbst ist gar um ganze 20 Prozent gewachsen. „Seit einigen Jahren ist der faire Handel in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, sieht Bockemühl den Zuwachs im Kaufverhalten der Kunden begründet. Zahlreiche Lebensmittelskandale hätten die Verbraucher dazu gebracht, bewusster einzukaufen und auf nachvollziehbare und moralisch einwandfreie Produkte Acht zu geben – und landen so neben Bio auch beim Thema fairer Handel. Beliefert wird der Großhandel von Bauern und Produzenten aus Südamerika, die zum einen biologisch unbedenklich mit den Erzeugnissen umgehen, gleichzeitig aber auch einwandfreie Arbeitsbedingungen garantieren. El Puente selbst beliefert ausschließlich so genannte Eine-Welt-Läden. Neben dem Werkverkauf befindet sich der nächste in Hildesheim. Diese werden zum Teil mit viel Idealismus noch im Ehrenamt gegründet und geführt. Das Thema ist zwar in den Köpfen der gesellschaftlichen Mitte, aber noch lange nicht im Alltag angekommen. „Unter 60 000 Einwohnern lohnt sich die Eröffnung noch nicht“, erklärt Bockemühl. Deshalb bleibt El Puente auch langfristig Lieferant statt Direktverkäufer.

50 feste Mitarbeiter arbeiten derzeit in vier Lagerhallen. Zeitnah soll eine weitere dazukommen, um den Bedarf erfüllen zu können – für Energie sorgt übrigens die nahe Biogasanlage. Erst vor einem halben Jahr hat das Unternehmen eine neue Unterkunft für die Mitarbeiter mit Büroräumen und einer eigenen Kantine gebaut.

Trotzdem finden auch große Handelsketten inzwischen mehr und mehr Gefallen an den Produkten. „Wir verschließen uns vor keinem Geschäft. Wir werden allerdings selbst nicht aktiv“, erklärt Bockemühl, dass das eine oder andere Produkt seinen Weg auch in den Supermarkt findet. Es wächst also nicht nur der Weltmarkt, auch El Puente selbst expandiert fleißig.

Das könnte auch in Zukunft so weitergehen. Denn insbesondere junge Menschen entdecken fair gehandelte und moralisch einwandfreie Produkte für sich. „Unsere Zielgruppe wird jünger. Sie achtet auf das, was sie konsumiert“, hat Geschäftsführer Bockemühl erkannt. Auch deshalb finden sich immer mehr Produkte im Sortiment, die auch junge Leute ansprechen. So zum Beispiel die Costa-Rica-Cola, gebraut von einer kleinen Getränkebrauerei und hergestellt aus fair gehandeltem costa-ricanischem Rohrzucker. „Der Erfolg gibt uns recht“, sagt Bockemühl deshalb stolz.

Doch Betriebswirtschaft sei nicht alles. „Wir machen auch weiterhin Politik“, betont der Geschäftsführer. So steht es auch in den Gesellschafterverträgen. Fairer Handel geht vor Gewinnausschüttung. Doch wer auf dem politischen Feld unterwegs ist, muss sich den gleichen Problemen stellen: Handelsembargos machen es derzeit unmöglich, eine Saftmaschine in Kuba zu reparieren: „Deshalb bleiben die Orangensaftflaschen erstmal leer.“

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