Landfrauen in Rössing folgen Trends und gehen mit der Zeit / Zahlreiche Bildungsangebote für alle Altersgruppen

„Die Frauen sind moderner geworden“

Viele Vereine klagen über den steigenden Altersdurchschnitt und fehlendes Engagement: Die Landfrauen in Rössing gehen mit der Zeit und trotzen so dem Trend. Sie lieben ihre Gemeinschaft und können auch den „Nachwuchs“ dafür motivieren. Fotos: Vogelbein

RÖSSING Bundesweit leiden viele Vereine unter dem gleichen Problem: Die Altersschnitte bei DRK, Sport- oder Schützenverein steigen mehr und mehr an. Gleichzeitig erklären sich immer weniger Mitglieder dazu bereit, Ehren- oder sogar Vorstandsaufgaben zu übernehmen. Wie trockener Kuchen ist der Begriff des demografischen Wandels in vieler Munde. Nicht so bei den Landfrauen in Rössing. „Die Frauen sind mit der Zeit moderner geworden. Wir haben unser Angebot dem Wandel angepasst“, verrät die Vorsitzende Christina Hesse.

Auch bei den Landfrauen in Rössing tragen die Damen ihr graues Haar stolz und ungefärbt. Auch hier wärmen Decken die alten und müden Beine. Auch hier gibt es Kaffee und Kuchen, es werden alte Lieder gesungen und Geschichten von früher erzählt. Und trotzdem sinkt der Altersschnitt von Jahr zu Jahr, die Mitgliederzahlen steigen. 149 Landfrauen engagierten sich im Jahr 2013 in Rössing und sind dabei im Durchschnitt 68 Jahre alt. „Man sieht es ganz besonders im Vorstand, der jung und alt besetzt ist“, freut sich die zweite Vorsitzende Silke Schlichting. Doch auch bei den Landfrauen sah es vor kurzem noch anders aus. Zwar waren die Mitglieder immer zahlreich, doch wollte niemand in den Vorstand nachrücken. Das war vor drei Jahren, heute stehen Silke Schlichting und Christina Hesse dem Verein vor. Früher, erklärt Silke Schlichting, waren die Landfrauen ein Verein für Bauersfrauen, die sich weiterbilden und die Welt entdecken wollten – vielleicht auch, um dem Ländlichen ein wenig zu entfliehen. Heute seien die Voraussetzungen andere. Die Frauen sind moderner geworden, alte Rollen wurden obsolet. Der Wunsch, die Welt zu entdecken – ob per Reise oder per Smartphone – ist jedoch geblieben. Entsprechend wurde auch das Programm der Landfrauen mit der Zeit angepasst: Reisen quer durch Deutschland, Kurse für den Umgang mit Computer und dem Internet und wissenswerte Vorträge werden dabei genau so angeboten wie der klassische Kaffee- oder Stricknachmittag – wobei Letzterer inzwischen auch wieder bei jüngeren Generationen im Trend liegt. Zugleich ist das soziale Engagement gewachsen. „Wir freuen uns über jedes neue Mitglied, egal, wie alt“, so Silke Schlichting. Zur Jahreshauptversammlung mussten Stühle dazugestellt werden: Gelockt von selbstgemachtem Kuchen und einem Vortrag von Wolfgang Nieschalk bewies man folgerichtig: Die Landfrauen lieben ihre Gemeinschaft und wollen sie weiter erhalten.

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