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„Der schönste Friedhof der Welt“

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Maija Soma (2.v.l.) übersetzt für die Gäste aus Lettland die Berichte, Anekdoten und Witze von Pastor Hallwaß. Auch einige Nordstemmer hören interessiert zu. Fotos: Hüsing
Maija Soma (2.v.l.) übersetzt für die Gäste aus Lettland die Berichte, Anekdoten und Witze von Pastor Hallwaß. Auch einige Nordstemmer hören interessiert zu. Fotos: Hüsing

NORDSTEMMEN „Eine sehr, sehr schöne, alte Kirche“, staunen Guna Mikasenoka und Irisa Grinberga, als sie zum Turm der St. Johannis-Kirche aufschauen. Die beiden sind gemeinsam mir vier weiteren Frauen aus Lettland angereist. „Wir haben seit über 20 Jahren eine Partnerschaft mit Aizkraukle in Lettland“, freut sich Pas-tor Manfred Hallwaß, die Gäste in Nordstemmen herumführen zu können.

Guna Mikasenoka und Maija Soma sprechen Deutsch und übersetzen für ihre Landsleute ins Lettische. Doch englische Zwischenfragen zeigen, dass die Gäste aus Osteuropa mehrsprachig unterwegs sind. „Der Pastor ist sehr herzlich und erzählt mit Humor“, ist Guna Mikasenoka froh, dabei zu sein. In Lettland ist sie als Journalistin tätig und schreibt bei den vielen Erklärungen auch gerne mit.

„Wir haben hier einen ganz besonderen Friedhof, den schönsten der Welt“, übertreibt Manfred Hallwaß bei seinen Beschreibungen absichtlich – und sein Humor kommt bei den Gästen gut an. „Ich stimme ihm zu“, fällt Maija Soma in das Loblied mit ein. Sie ist bereits zum zweiten Mal zu Gast in Nordstemmen. „Ich habe die Anfänge mitgemacht und war 1992 schon einmal hier“, sagt die 69-Jährige.

Ilse Engere, Irisa Grinberga, Laima Marcinkiana und Maija Reinsone hingegen sind zum ersten Mal in Deutschland und lassen die vielen Eindrücke auf sich wirken. Sie singen in ihrer Heimat im Kirchenchor, sind im Kirchenvorstand oder fühlen sich der evangelisch-lutherischen Gemeinde durch andere Punkte zugetan. „Unsere Kirche ist erst 15 Jahre alt und durch deutsche Spenden erbaut“, ist es Laima Marcinkiana wichtig, ihren Dank auszudrücken.

Durch das Pastorenehepaar Stumm wurden Kontakte geknüpft, auch zum Lutherbund, so dass durch Nordstemmer Gelder das Gemeindezentrum in Aizkraukle errichtet werden konnte.

Auf der Tour über den Friedhof der St. Johannis-Gemeinde spricht Pastor Manfred Hallwaß Kunstwerke an, geht auf die Bäume für Personen der Kirchengeschichte ein und erläutert verschiedene Bestattungsformen. „Ich erfahre auch viel, von dem ich noch nichts wusste“, ist Rosemarie Burose von dem Rundgang ebenfalls angetan. Zusammen mit ihrem Mann Cord-Jürgen beherbergt sie drei der Frauen aus Lettland, die anderen drei sind bei Familie Hallwaß untergekommen.

Besonderen Anklang bei den Gästen aus Lettland findet die zweite „Kirche“ auf dem Gelände am Kirchbrink. Die Friedenskapelle wurde erst vor 13 Jahren erweitert, weil nicht genügend Sitzplätze zur Verfügung standen. „Wir nutzen die Kapelle aber nicht nur für Beerdigungen. Hier werden auch Kinder getauft, Paare feiern ihre Jubelhochzeit und Gottesdienste werden hier ebenfalls abgehalten“, berichtet Manfred Hallwaß vom ganz unterschiedlichen Nutzen des Kirchraumes. In Aizkraukle im Herzen Lettlands wird jeden Sonntag Gottesdienst gefeiert. „Mit Abendmahl und alle zwei Wochen ist Familiengottesdienst in Kraft Christi“, erzählt Maija Soma.

Seit rund 20 Jahren besuchen sich die Deutschen und Letten abwechselnd. Während im vergangenen Jahr fünf Nordstemmer einen Bus dorthin überführt haben, haben die sechs Frauen für die St. Johannis-Gemeinde ebenfalls etwas ganz Besonderes dabei. Das Geheimnis wird aber erst am Montag beim Gemeindeabend im Johannis-Saal gelüftet.

Bis dahin werden sich die Gäste noch auf den Weg nach Eisleben machen, um auf Luthers Pfaden zu wandeln, die Marienburg anschauen und viel erleben.

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