Ein etwas anderer Rückblick: Kirchenkreis-Sozialarbeiter Norbert Hammermeister tritt beim Neujahrsempfang auf

„Den Humor nicht vergessen“

Die Gäste sitzen in der eigens umgestalteten St. Mauritius-Kirche in Heyersum an ihren Tischen und erfreuen sich an den markigen Sprüchen des Kabarettisten. Fotos: Oelkers

HEYERSUM Die Gemeinschaft der Heiligen ist beim Neujahrsempfang der evangelisch-lutherischen Dreikirchengemeinde in der Heyersumer St. Mauritius-Kirche nicht stiften gegangen.

Was aber geschieht, wenn die Gemeinschaft der Heiligen stiften geht, präsentierte der als „Der Kleine Kirchenfreund“ bekannte Kabarettist Norbert Hammermeister den mehr als 100 Gästen in einem bitterbös-heiteren und bisweilen köstlich-albernen Programm. Dabei bewies der gleichermaßen wortgewaltige wie wortwitzige Kirchenkreis-Sozialarbeiter, dass er auch singen kann. Der Frank Sinatra Klassiker „My way“ wurde kurzerhand zu einem Lied für den ebenfalls aus Goslar stammenden Vizekanzler Sigmar Gabriel. Und so hieß es dann, vorgetragen mit einem Hauch spöttischer Melancholie: „Ja, ich wollte Kanzler werden…“. In Person von Barack Obama, „unserem Ex“ Benedikt XVI., Ronald Pofalla, Karl Theodor zu Guttenberg oder dem umstrittenen Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst, dem „Dagobert Duck von Limburg“, widmete sich Norbert Hammermeister echten und falschen Heiligen aus Politik und Kirche. Und in seinem „schrecklichen Traum“ durfte zuletzt auch die Kanzlerin nicht fehlen.

Allerdings erschienen von Madame Merkel nur flache, schwarz-rot-goldene Schuhe, spielte Hammermeister spöttisch auf die übersteigerte Aufmerksamkeit für Angela Merkels in den Nationalfarben gehaltenen TV-Duell-Halsschmuck an.

Unter Verweis auf die Bauzeit des Kölner Doms empfahl der Kabarettist in seinem heiteren Rundumschlag auf eine immer „verrückter“ werdende Welt auch Gelassenheit für den Flughafen Berlin-Brandenburg. Am Kölner Vorbild gemessen, habe man bis zur Fertigstellung noch rund 600 Jahre Zeit.

Außerdem trat Hammermeister den trotz aller kurzweiligen Unterhaltsamkeit nachdenklich stimmenden Beweis an, dass weder der demografische Wandel noch die Erderwärmung mit ansteigendem Meeresspiegel für die Region um Hildesheim und den Harz ein Grund der Sorge zu sein brauchen. Er versprach „blühende Landschaften in nicht allzu ferner Zukunft“, warf das Bild vom Strandleben in Isernhagen-Nord in den Raum und skizzierte mit spitzer Zunge einen Aufschwung im kirchlichen wie im wirtschaftlichen Leben durch die Flüchtlinge aus den tiefergelegenen Regionen Norddeutschlands und Hollands.

Für Stimmung sorgte seine nur an der Oberfläche fröhliche Version von „Uptown Girl“: „Abtau’n, girl“. In das bekannte „Que Sera, Sera (Whatever Will Be, Will Be)“ stimmten etliche Zuhörer schunkelnd mit ein. Mit den blühenden Landschaften habe es schon unter Helmut Kohl nicht so recht geklappt. Doch dieser Gedanke tat dem rundum gelungenen Abend zwischen Heiterkeit und heiligem Ernst keinen Abbruch. Denn wie Pastor Bernd Ulrich Rüter eingangs mit Blick auf eine angesichts der Herausforderungen des täglichen Lebens mit seinen Unsicherheiten und seiner Ratlosigkeit notwendigen Stärkung der „müden Hände“ und „wankenden Knie“ mit einigem Recht betont hatte: „Ganz wichtig ist, den Humor nicht zu vergessen.“ oel

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