Situation am Bahnhof: NDR filmt mit

Barnten lacht zuletzt

Die Barntener verabschieden den Zug auf Gleis eins mit Hohn und Spott. Das NDR-Team filmt mit.

Barnten Die unwegsame Situation am Bahnhof in Barnten beschäftigt die Bürger schon seit Jahren: Wer am Gleis eins abfahren will, darf weder auf einen Rollstuhl angewiesen sein noch einen Kinderwagen dabei haben, denn zu erreichen ist die Abfahrt Richtung Norden nur über eine hohe Treppe.

Immer wieder wurden Bürger und Verwaltung von der Bahn vertröstet, jetzt hat sich auch der Norddeutsche Rundfunk mit dem Format „Extra-3“ des Themas angenommen und die Kameras ausgepackt. Für den Dreh brauchte es Statisten, die mit Rollatoren und Gehilfen am Bahnhof auf den Zug warten. Zwei Tage vor Drehtermin verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer im Ort. Am Ende fanden sich rund 100 Barntener am Bahnhof ein, viele mit Rollstuhl, Kinderwagen und Fahrrad. „Mit so vielen hätte ich nicht gerechnet“, sagt auch NDR-Moderatorin Martina Hauschild. Zusammen mit Tontechniker Henning Nieswandt und Kameramann Micha Bogonowski instruierte sie das „Barntener Volksfest“ kurz über die geplanten Szenen. Die Sendung „Extra-3“ ist bekannt als Satire-Magazin, sodass auch der Bericht dementsprechend aufgezogen wird. „Wir wollen die Bahn mal wieder wachrütteln“, erhofft sich Bürgermeister Norbert Pallentin. Tatsächlich spielen die Barntener ihre Rollen gut, winken einem Vorbeifahrenden Güterzug nach und wünschen dem von Gleis eins startenden Zug von Gleis drei aus alles Gute – denn mangels Barrierefreiheit haben sie ihn schließlich nicht erreichen können, so die Idee hinter dem heute Abend auf Sendung gehenden Beitrag.

„Ich fahre aus gesundheitlichen Gründen kein Auto mehr und bin auf den Zug angewiesen“, erzählt Sibille Kraschutzki. Mit ihrer schweren Reisetasche muss sie jedes Mal mühevoll die etwa 15 Meter hohe Treppe überwinden. Im Zug, sagt sie, sei der Bahnhof in Barnten oft ein Thema. Insbesondere für Menschen, die auf Gehilfen oder Rollstühle angewiesen sind, sei das Erreichen des Gleises nahezu unmöglich. Bis 2022 ist eigentlich vorgeschrieben, dass jeder Bahnhof barrierefrei ausgestattet werden muss. Doch in Barnten stellt sich die Deutsche Bahn seit Jahren quer, verweißt wiederholt auf ständig wechselnde Angaben in Statistiken über die Nutzung des Bahnhofs. Zusammen mit dem Norddeutschen Rundfunk und der Satire-Sendung „Extra-3“ wollen sich die Bürger nun auf humorvolle Art und Weise ihrem Ärger Luft machen und gleichzeitig etwas bewegen. „Ich glaube nicht, dass die Bahn das ignorieren wird“, hofft Pallentin.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare