Bildhauer Ulrich Baentsch lässt das denkmalgeschützte Gebäude entstehen / Aktion des Kultur- und Heimatvereins

Ein Bahnhofsgebäude aus Sand

Bildhauer Ulrich Baentsch (links) lässt auf einem Parkplatz an der Hauptstraße das Bahnhofsgebäude aus einem Haufen Sand entstehen. Hartmut Held, Vorsitzender des Kultur- und Heimatvereins, schaut dem Künstler bei der Arbeit zu. Foto: Hüsing

NORDSTEMMEN Eine gewohnte Silhouette und dann doch ein ungewöhnlicher Blick: Auf einem Parkplatz an der Haupstraße vor einem leerstehenden Gebäude entsteht dieser Tage der neue Nordstemmer Bahnhof – aus Sand. Bildhauer Ulrich Baentsch ist im Auftrag des Kultur- und Heimatvereins Nordstemmen noch bis Sonntag dabei, möglichst viele Details aus dem Sandberg herauszuarbeiten.

Es dauert Tage, um aus einem Haufen Sand etwas Filigranes entstehen zu lassen. Denn Bildhauer Ulrich Baentsch gibt sich nicht mit einem groben Umriss zufrieden, sondern setzt bei seinen Arbeiten auf Details. „Das Bahnhofsgebäude ist schon eine Herausforderung. Ich möchte die Erker, Fenster und Dächer möglichst originalgetreu abbilden“, sagt Ulrich Baentsch. Der Berliner ist erst vor Kurzem von einem Sandburgenbau-Festival aus Japan zurückgekehrt. Jetzt hat er drei Tage Zeit, um den Bahnhof in Nordstemmen nachzubilden.

„Die Anfrage war schon ungewöhnlich. Ich habe mich aber sehr gefreut. Beim Bahnhof handelt es sich um ein sehr schönes Gebäude, aber auch um einen traurigen Anblick“, hat der Künstler die Situation in Nordstemmen schnell erfasst.

Beauftragt wurde er durch den Kultur- und Heimatverein, der das Projekt auch finanziert. „Wir möchten ein Jahr, nachdem die Arbeiten am Bahnhofsgebäude Nordstemmen eingestellt wurden, das Augenmerk der Bevölkerung wieder auf das Problem richten“, sagt Vereinsvorsitzender Hartmut Held. Insbesondere vom Jahrmarkt am Sonntag erhofft er sich viel Publikumsverkehr. „Wir hatten die Aktion schon für das vergangene Jahr überlegt, es war aber alles zu kurzfristig“, freut Held sich, Ulrich Baentsch gewonnen zu haben. Am Freitag wurde ordentlich geschippt, um aus dem stark lehmhaltigen Sand einen Kubus zu Formen. Mit einer Verschalung wurde der Sand, den Ulrich Baentsch fest gestampft hat, in Form gehalten.

„Ich habe mir Zuhause schon Fotos im Internet angesehen und bin natürlich auch zum Bahnhof gefahren, um mir vor Ort noch einen Einblick zu verschaffen. Ich werde mich in erster Linie auf die Vorderseite konzentrieren, diese aber so detailgetreu wie es in der Kürze der Zeit möglich ist, gestalten“, erzählt Baentsch, der Architektur studiert hat. Der 45-Jährige gönnt sich nur eine kurze Mittagspause, bevor er mit seiner Maurerkelle wieder an die Arbeit geht, um am Sonntag beim Jahrmarkt auch schon einiges vorweisen zu können.

„Viele haben mich heute schon gefragt, ob es die Marienburg werden soll. Aber ich denke, jetzt kann man den Umriss schon zuordnen“, so Hartmut Held. Die Sandskulptur ist nur ein Teil des Vorhabens des Kultur- und Heimatvereins, um darauf aufmerksam zu machen, dass die Deutsche Bahn die Auflagen durch die Denkmalschutzbehörde zwar erfüllt hat, indem das Dach neu gedeckt wurde, ansonsten aber auf Zeit spielt. „Wir haben einen Rundumschlag gemacht und die hiesigen Politiker angesprochen, damit sie in ihren Gremien Einfluss nehmen können. Außerdem richten wir eine Petition an den Deutschen Bundestag“, nennt Held weitere Vorhaben.

In der Petition fordert der Kultur- und Heimatverein den Deutschen Bundestag auf, zu „beschließen, dass die Deutsche Bahn AG das Bahnhofsgebäude von Nordstemmen, nach den Erfordernissen des Denkmalschutzes, saniert oder das Eigentum an dem Gebäude an einen Investor überträgt“. „Die Petition kann am Sonntag an unserem Stand unterschrieben werden“, wünscht sich Held am liebsten 50 000 Unterschriften, um das Anliegen der Nordstemmer vor dem Petitionsausschuss des Bundestages vortragen zu können. „Die Spuren unserer Bemühungen sollen nicht ganz im Sand verlaufen“, sieht Held die Sandskulptur auch als Symbol.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare