„QuintourBrass“ überzeugt Besucher der „kleinen Neujahrsmusik“ / Von Tänzen des 16. Jahrhunderts bis Bach und Mozart

Auch „Blechmusik“ kann begeistern

Markus Ruhmann, Andreas Pfister, Sascha Büttner, Hugo Loosveld, Haesun Lee (v.l.) von „QuintourBrass“ verzaubern das Publikum in der St. Joseph-Kirche. Fotos: Jäger

BURGSTEMMEN Zu einer feinen Tradition hat sich mittlerweile die „Kleine Neujahrsmusik“ auf der Poppenburg entwickelt, die zum nunmehr sechsten Mal in der St. Joseph-Kirche in Burgstemmen stattfand. Nachdem das neue Jahr dort zuletzt mit Holzblasinstrumenten „saxophonisiert“, „fagottisiert“ und auch gesanglich begrüßt wurde, war in diesem Jahr das goldglänzende Blech an der Reihe.

„Messing“, das deutsche Wort für „Brass“, bezeichnet zwar das Material, aus dem besondere Instrumente gefertigt sind. Aber es war beileibe kein „Blech“, was die Besucher in der vollbesetzten St. Joseph-Kirche zu hören bekamen. Sie wurden auf eine musikalische Zeitreise mitgenommen und konnten sich an einem sehr abwechslungsreichen Programm erfreuen – angefangen von ganz alter Musik bis hin zu modernen Stücken.

Die Vorsitzende des Vereins Dorfkultur, Heike Gesemann, begrüßte gemeinsam mit Raoul Ewler das Publikum und freute sich auf das Blechbläserquintett „QuintourBrass“, ein Ensemble aus dem Raum Hannover, das seit Dezember 2013 gemeinsam musiziert. Mit dem gebürtigen Niederländer Hugo Loosveld (Posaune), der Koreanerin Haesun Lee (Trompete) und Markus Ruhmann (Trompete), Sascha Büttner (Tuba) sowie Andreas Pfister (Horn) sind in dem Ensemble Musiker aus drei verschiedenen Nationen vertreten.

Eine sechssätzige Tanz-Suite des Renaissance-Komponisten Tylman Susato mit ihren kleinen syntaktischen Einheiten und den der damaligen Tanzmusik entsprechenden simplen Motiven erhielt Licht und Farbe durch Echoeffekte in den Wiederholungen und eine abwechslungsreiche Behandlung der Register. Bei ausgewogenem Einsatz der einzelnen Instrumente und stilvoller Artikulation bekamen die Tänze aus dem 16. Jahrhundert ihren charakteristischen Ausdruck, sei es bei der eher festlich wirkenden „La Mourisque“, dem in weichem Legato angesetzten „Bransle“ oder beim füllig wie differenziert klingenden „Basse Danse Bergeret“.

Nach Johann Sebastian Bachs „Bourée“ und dem Allegro aus Mozarts „Eine kleine Nachtmusik“ wurde von Loosveld, der informativ und mit holländischem Charme durch das Programm führte, die „Second Suite in F“ des Komponisten Gustav Holst angekündigt, die aus vier auf englischen Folksongs basierenden Sätzen besteht und neben „Die Planeten“ sein bekanntestes Werk ist. Ob mit dem strahlenden Klang der Trompeten, dem warmen Ton des Horns, dem samtenen Teppich der Posaune oder dem soliden Fundament der Tuba – bei diesen Ressourcen konnten alle ausgewählten Werke mit großer stilistischer Bandbreite vorgetragen werden.

Dies spiegelte sich auch besonders in „Gabriella’s Sång“, dem wohl bekanntesten, bewegenden Song aus dem schwedischen Film „Wie im Himmel“, komponiert von Stefan Dan Nilsson und hier in einem Arrangement des Ensemblemitglieds Markus Ruhmann gespielt, bei dem das musikalische Thema zunächst vom Horn vorgestellt und dann von den anderen Instrumenten aufgegriffen und unterstützt wird. Im Programm erklangen auch weitere Werke jüngerer Meister, wie das amüsante verschmitzte Arrangement von John Iveson über das Kinderlied „Frère Jacques“ oder das Schlussstück „Mouse and Friends“, in dem lustige Melodien aus Kinderserien verarbeitet wurden. Und hier kam bei der „Sesamstraße“ dann auch eine Piccolotrompete, gespielt von Haesun Lee, zum Einsatz.

Beim gemütlichen Beisammensein am Lagerfeuer bei Punch, Brezeln und Stockbrot mussten die anwesenden Holzbläser unter den Konzertbesuchern schweren Herzens eingestehen: Auch „Blechmusik“ kann begeistern – jedenfalls wenn sie so leidenschaftlich und professionell dargeboten wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare