Adelheid Berker stellt drei Sagen vor, die mit Nordstemmen in Verbindung stehen

Zwerge, Ochsen und Hufeisen

Adelheid Berker, Ortsheimatpflegerin in Nordstemmen, kennt einige Erzählungen rund um Nordstemmen.
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Adelheid Berker, Ortsheimatpflegerin in Nordstemmen, kennt einige Erzählungen rund um Nordstemmen.

Nordstemmen – Gleich drei Sagen erzählt Adelheid Berker, Ortsheimatpflegerin in Nordstemmen, im Gespräch mit der LDZ. Eine Sache stellt sie jedoch direkt von Beginn an klar: Die Marienburg gehört eigentlich mehr zu Pattensen denn zu Nordstemmen.

„Wir Nordstemmer haben uns die Marienburg so gesehen nur angeeignet“, berichtet die Ortsheimatpflegerin. „Die Marienburg war die Sommerresidenz des Königs von Hannover und seiner Ehefrau, Königin Marie. Um von Hannover aus zu der Burg zu kommen, ist der König über die Bahnstrecke gereist und in Nordstemmen angekommen.“ Da er von hier aus durch das Nordstemmer Gehölz zur Marienburg reiste, haben die Nordstemmer die Burg für sich vereinnahmt.
Die Sage „Die Zwerge im Marienberge“ kenne Berker aus Wilhelm Barners „Hoike“ – eine Sammlung der Sagen des Leineberglands. „Diese Erzählung lässt sich anteilig Nordstemmen als auch Elze zuordnen“, erklärt Berker. „Der Musikant stammt aus Elze, ist aber zu Gast bei einer Hochzeit in Jeinsen und trifft auf dem Heimweg die Zwerge im Marienberg.“

Berker war vor ihrer Rente Lehrerin, zunächst in Esbeck und Eime. „Meine Eltern hatten ein Geschäft in Nordstemmen, deswegen wollte ich zuerst nicht hier unterrichten“, erzählt die Heimatpflegerin. „Nicht, dass mir noch jemand unterstellt hätte, dass die Kinder von Kunden meiner Eltern bessere Noten bekommen hätten.“ Nachdem ihre Eltern das Geschäft geschlossen hatten, war sie fast 30 Jahre Schulleiterin der Grundschule in Nordstemmen. „Mit meinen Schülerinnen und Schülern habe ich gerne Ausflüge auf den Marienberg gemacht“, erinnert sich die ehemalige Schulleiterin. „An der Marienburg haben wir oft eine Brotzeit gemacht und ich habe den Kindern dann erzählt, dass ich gestern bereits hier gewesen sei und dabei den Zwergenkönig getroffen hätte.“ Dieser habe ihr Geschenke für die Kinder in die Tasche gesteckt, doch – wie es die Sage erzählt – dürfe sie diese natürlich erst nach der Wanderung aus ihrer Tasche holen: „Ich hatte dann immer Schokolade oder andere Süßigkeiten für die Kinder in der Tasche.“

Die Sage der Zwerge im Marienberge: Ein Elzer Musiker spielte bei einer Hochzeit in Jeinsen zum Tanze auf. Natürlich wurde dort auch viel getrunken und mitten in der Nacht wankte der Musikant mit einem ordentlichen Schwips nach Hause. Am Fuße des Marienbergs wurde er jedoch von der Müdigkeit überrannt, fiel ins Gebüsch und schlief ein.  Plötzlich wurde er von einem unheimlichen Krach geweckt und ging diesem nach. So kam er in die Höhle der Zwerge, wo diese ein großes Fest feierten. Die Zwerge sahen den Musikanten mit seiner Geige unter dem Arm und baten ihn, für sie ein Tänzchen zu spielen. Dabei gab der Musikant auch den „Wippentanz“ – heute bekannt als „Ententanz“ – zum Besten. Auch in der Zwergenhöhle leerte er wieder so manches Glas. Zum Dank steckte ihm der Zwergenkönig ein Geschenk in die Tasche, mit den Worten: „Fasse nicht eher in die Tasche, als dass Du zu Hause angekommen bist. Dann bist du in reicher Mann.“ Der Musikant machte sich auf den Heimweg und bemerkte, dass die Tasche immer schwerer wurde. Er überwand jedoch seine Neugier und schaute nicht in seine Tasche. Als er das Elzer Stadttor erreichte, war dies noch verschlossen und der Wächter eingeschlafen. Von dem Klopfen des Musikanten wachte er auf, und fragte diesen, was denn so ein „alter sShluckspecht“ hier wolle. Dies wollte sich der Musikant nicht gefallen lassen und erwiderte: „Von wegen ‚alter Schluckspecht‘. Wenn ich wollte, könnte ich ganz Elze kaufen!“ Das glaubte ihm der Wächter natürlich nicht, so dass der Musikant in seine Tasche griff, um den vermeintlichen Goldschatz zu zeigen. Als er die Hand aus der Tasche zog, hatte er darin jedoch nur ein paar Pferdeäpfel.

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