Erste Maßnahmen des „Niedersächsischen Weges“ umgesetzt

Wildnisgebiet „Wälder im östlichen Solling“ ausgewiesen

Entwicklungsfähiger Buchenwald.
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Entwicklungsfähiger Buchenwald.

Region – In der Öffentlichkeit ist vom Ergebnis der Ausweisung eines Wildnisgebietes Solling bisher wenig bekannt. Ab 2021 wird laut des von der Landesregierung beschlossenen „Niedersächsischen Weges“ ein Wildnisgebiet „Wälder im östlichen Solling (FFH-Gebiet 131)“ mit insgesamt 1.020 Hektar entwickelt. Beim Niedersächsischen Weg handelt es sich um eine Vereinbarung von Landesregierung, Landwirten und Naturschutzverbänden und spiegelt das große Interesse der Bevölkerung wider, mehr gegen Artensterben und Naturzerstörung zu tun.

Das Gebiet liegt komplett eingebettet in andere Waldbereiche, so dass es kaum störende Randeffekte gibt. Mindestens die Hälfte der Buchenwälder ist über 150 Jahre alt. Damit ergibt sich ein großer, zusammenhängender Altholzkomplex. Zielarten, die von der Ausweisung profitieren werden, sind zum Beispiel sechs Specht-Arten, Käuze, Schwarzstorch, Wildkatze, Luchs, Fledermäuse sowie zahlreiche Insekten-, Pilz- und Pflanzenarten. Tierökologe Michael Schmitz (Hardegsen) sagt dazu: „Heute zählen die an Alt- und Totholz gebundenen Artengemeinschaften zu den seltensten überhaupt, da der Wald immer mehr an solchen Alters- und Zerfallsphasen verliert und solche Bestände mittlerweile nur noch in einer völlig unzureichenden Ausdehnung und räumlichen Verteilung vorhanden sind, um die daran gebundenen Artengemeinschaften dauerhaft zu erhalten und zu vernetzen.“ Und weiter: „Ich habe daher die dringende Bitte, dass aus dieser Fläche ab sofort keinerlei Laubholz mehr geerntet wird. Nichts wäre schlimmer für ein solches Wildnisgebiet, als wenn die derzeit noch vorhandenen Altholzbestände jetzt noch aufgelichtet und damit das Gebiet oder Teile davon um mehr als 100 Jahre in der Entwicklung zurückgeworfen würden.“

In den letzten 250 Jahren wurde ein großer Teil des Sollings (rund 40.000 Hektar Waldfläche) von naturnahen Laubholz-Wäldern in naturferne Nadelforste umgewandelt. Der Anteil von Wäldern ohne forstliche Nutzung ist im Solling gemäß einer durch Greenpeace erfolgten Buchenwald-Kartierung unterdurchschnittlich gering. Buchenwälder haben eine besondere Bedeutung für die Wildnisentwicklung in Niedersachsen, da es sich um die von Natur aus vorherrschende Waldgesellschaft (potenzielle natürliche Vegetation) handelt. Im Vorschlag der Naturschutz-Verbände waren deshalb von Anfang an zwei Buchenwald-Wildnisgebiete enthalten, die jeweils etwa 1.000 Hektar umfassen sollen. Es handelte sich um Kalkbuchenwälder des Felsengebietes im Süntel, im Wesergebirge um den Hohenstein (Teil des FFH-Gebietes 112) und um einen Teil des FFH-Gebietes 131 „Wälder im östlichen Solling“, dort mit Buchenwäldern auf bodensaurem Buntsandstein-Standort. Alte Waldflächen bieten zum Beispiel mögliche Brutbiotope für den Schwarzstorch. Viele dieser Bestände sind noch gut mit Altholz bestockt. Diese nehmen zurzeit durch Endnutzungen kontinuierlich ab, solange das Gebiet nicht geschützt wird. Der Solling ist das größte Hainsimsen-Buchenwaldgebiet außerhalb des Harzes.

Ein zentrales Ziel der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS), beschlossen durch die Bundesregierung am 7.11.2007, lautet: „Bis zum Jahre 2020 kann sich die Natur auf mindestens zwei Prozent der Landesfläche Deutschlands wieder nach ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten entwickeln.“ Das bedeutet für Niedersachsen einen Flächenanteil von etwa 95.000 Hektar, davon einen Waldflächenanteil von rund 24.000 Hektar und eine Waldfläche der Niedersächsischen Landesforsten (NLF) von rund 6.600 Hektar. Mit der Ausweisung von zweimal 1.000 Hektar Landeswald als Wildnisgebiete erfüllt das Land Niedersachsen diesen Teil seiner Verpflichtungen. Da die Landesforsten für die Unterlassung der Holznutzung im Solling vom Land eine jährliche Entschädigung von 500.000 Euro erhalten, sollte die Öffentlichkeit auch in Zukunft alljährlich über alle Entwicklungsschritte unterrichtet werden.

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