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Vielfalt in die Futterauswahl bringen

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Rotkehlchen finden sich im Winter gern an Futterplätzen ein.
Rotkehlchen finden sich im Winter gern an Futterplätzen ein. © Oldiefan / Pixabay

Region – Heimischen Wildvögel durch das Anbieten von Nahrung durch die kalte Jahreszeit zu helfen, ist vielen Menschen wichtig. Wer dabei ein paar einfache Details beachtet, kann die Tiere optimal unterstützen. In unserem direkten Umfeld leben einige Arten, die als Gartenvögel bezeichnet werden. Zu ihnen gehören unter anderem die Amsel, der Haussperling, das Rotkehlchen sowie die Blau- und die Kohlmeise. Sie finden sich besonders häufig an von Menschen eingerichteten Futterplätzen ein. Im Siedlungsraum kommen vielerorts etliche weitere Vogelarten vor, für die das klassische Futterhäuschen mit der Streufuttermischung aus dem Supermarkt jedoch nicht attraktiv ist. Ihnen an ihre Bedürfnisse angepasste Nahrung anzubieten, ist generell aber nicht sonderlich kompliziert.

Zunächst einmal gilt es, mehr Vielfalt in die Futterauswahl zu bringen. Streufutter besteht meist aus ganzen oder gequetschten Körnern und Fett. Diese Saaten sind in der Regel recht groß und deshalb für Vögel mit kleinem Schnabel nicht optimal. Kleine ölhaltige Sämereien wie Mohn oder Rübsen sowie feiner Nussbruch wird etwa von Erlen- und Birkenzeisigen sowie Stieglitzen (auch Distelfinken genannt) sehr geschätzt. Etwas größer dürfen die Sämereien und Nüsse gern für Eichelhäher, Elstern und Kernbeißer sein. Von Haselnüssen über Walnüsse bis hin zu Erdnüssen wird alles gern genommen. „Wichtig ist dabei aber, dass alle Nüsse und Sämereien frisch und auf keinen Fall verschimmelt sind“, erklärt Thomas Spieker von den Naturscouts Leinetal. „Niemals sollten den Vögeln gesalzene Nüsse gereicht werden. Geröstete Nüsse sind zwar nicht gesundheitsschädlich für die Tiere, doch generell ist unverarbeitete frische Nahrung immer vorzuziehen.“

Viele Vögel mögen Sonnenblumenkerne ausgesprochen gern. „Im Fachhandel werden für die Vogelfütterung geschälte Sonnenblumenkerne angeboten. Sie haben den Vorteil, das Umfeld des Fütterungsplatzes weniger zu verschmutzen als ungeschälte Sonnenblumenkerne“, so Spieker. „Vor allem, wer auf einem Balkon die Vögel füttert, weiß dies sicher zu schätzen.“ Ungeschwefelte Rosinen werden von Amseln und einigen weiteren Vogelarten gern gefressen. Außerdem können Äpfel ausgelegt werden, was der natürlichen Ernährung der Vögel sehr nahekommt – Stichwort „Fallobst“. Maßgeblich ist, dass die Früchte nicht verschimmelt sein dürfen.

Fettfutter bevorzugt

Um ihre Körpertemperatur aufrecht zu erhalten, benötigen Vögel eine gewisse Menge Energie, die sie aus der Nahrung beziehen. Je kälter es draußen ist, desto entscheidender ist es für die Tiere, sich möglichst gehaltvoll zu ernähren. Deshalb ist Fettfutter für sie im Winter eine sehr gute Wahl. „Der Klassiker dürften wohl die tausendfach im Handel angebotenen Meisenknödel im Kunststoffnetz sein“, weiß Thomas Spieker. Weil solche Netze manchmal von größeren Vögeln samt Inhalt verschleppt werden und in der Natur landen, sind sie nicht optimal. Das Plastik ist sehr beständig, und in den auf dem Boden liegenden Netzen können sich überdies kleine Tiere verfangen – durchaus mit tödlichen Folgen. „Besser wäre es, auf plastikfreie Meisenknödel aus dem Fachhandel umzusteigen und sie den Vögeln in speziellen Metallhaltern anzubieten“, so der Naturkenner. Oder das Fettfutter wird gleich selbst zubereitet. Im Internet finden sich an zahlreichen Stellen Rezepte, die nur wenige Zutaten erfordern, darunter Haferflocken, Nüsse, Sonnenblumenkerne und Fett. Zu Kugeln geformt, werden aus der im Handumdrehen zubereiteten Rohmasse ganz leicht DIY-Meisenknödel. Spieker empfiehlt darüber hinaus, die noch warme Fettfuttermasse an Baumstämmen und Ästen aufzutragen, wo sie Vögel wie Spechten und Gartenbaumläufern zugute kommen kann.

Häuschen, Silo und Co.

Neben klassischen Futterhäuschen gibt es weiteres Fütterungszubehör, mit dem sich etliche Vogelarten ansprechen lassen, die typische Häuschen nicht gern oder gar nicht aufsuchen. Hängesilos mit kleinen seitlichen Öffnungen sind bestens geeignet, um darin Sämereien und Nüsse anzubieten. Daneben gibt es spezielle Fettfutterhalter für Futterblöcke und Meisenknödel. Große Futtertische ohne Dach wirken anziehend auf stattliche Futterplatzbesucher wie etwa Krähen oder Ringeltauben. Kleine Vögel mögen sie ebenfalls, weil sie dort zu mehreren fressen können. Fällt etwa ein ganzer Spatzentrupp gleichzeitig ein, wird es am Futterhäuschen oft eng, wohingegen große Futtertische den Tieren genügend Raum bieten. Einen Nachteil bringen die Futtertische mit sich: Weil ihnen ein Dach fehlt, wird das Futter bei Regen nass. Hierdurch verdirbt es rasch und verschimmelt unter Umständen nach kurzer Zeit. Falls die Möglichkeit dafür besteht, sollten Futtertische am besten auf einer überdachten Terrasse aufgestellt werden. Dadurch sind sie zumeist recht gut vor Regen und Schnee geschützt.

Hygiene ist wichtig

Um der Ausbreitung von Krankheiten und dem Anziehen von Ratten vorzubeugen, sollte der Futterplatz täglich gereinigt werden. Futterreste lassen sich mit einem Handfeger und Kehrblech beseitigen. Gegen Vogelkot, der am Futtersilo oder -häuschen haftet, geht man täglich mit Essigwasser vor. Die Böden von Futterhäuschen sowie Futtertischen lassen sich genauso mit Essigwasser reinigen. Metallfutterhalter vertragen heißes Wasser und Spülmittel gut, sollten vor der erneuten Nutzung aber gründlich mit klarem Wasser abgespült werden. Den Boden unter dem Futterplatz sauber zu halten, kann eine Herausforderung sein. Terrassen und Balkone mögen sich putzen lassen, für eine Wiese im Garten gilt dies jedoch nicht. Den Futterplatz alle paar Wochen ein wenig zu versetzen – zum Beispiel ein, zwei Meter nach links oder rechts –, gibt dem Boden Zeit für die natürliche Säuberung durch kleine Organismen. Sie bauen den sich unter Futterplätzen unweigerlich ansammelnden Vogelkot ab. Indem der Futterplatz ganz in der Nähe neu errichtet wird, lässt sich für bessere Hygiene sorgen und die Vögel finden ihn trotzdem noch. Wird den Vögeln eine Tränke oder Badeschale angeboten, ist diese täglich gründlich zu reinigen. Nur allzu leicht können solche kleinen Wasserstellen sonst zu Tummelplätzen für unterschiedliche Krankheitserreger werden.

Vogelfütterung in der Natur

Manche Menschen möchten den Vögeln in freier Natur gern helfen und hängen beispielsweise Meisenknödel auf. Die Netze später wieder einzusammeln, wird leider oftmals vergessen. „Nicht nur in Naturschutzgebieten wie den Leinepoldern zwischen Einbeck und Northeim ist solcher Plastikmüll schädlich“, erklärt Thomas Spieker. „Wer während eines Naturspaziergangs irgendwo ein solches leeres Meisenknödel-Netz entdeckt, tut gut daran, diesen Müll einzusammeln und zu Hause sachgerecht zu entsorgen.“ Insbesondere Kindern bereitet das Füttern von Wasservögeln großes Vergnügen. Den Tieren alte Backwaren zu geben, ist aber keine gute Idee. Für sie sind Brot, Kuchen und ähnliches keine gesunde Nahrung, der Nährstoffgehalt ist zu gering. Untersuchungen haben gezeigt, dass durch diese nicht bedarfsorientierte Fütterung bei manchen heranwachsenden Wasservögeln vermehrt sogenannte Kippflügel entstehen können. Diese Fehlentwicklung eines Teils des Flügels führt dazu, dass dieser verkippt und die betroffenen Vögel zeitlebens flugunfähig bleiben.

Des Weiteren kann das übermäßige Entenfüttern dazu beitragen, stehende Gewässer „umkippen“ zu lassen. Was bedeutet das? Werden an einem Gewässer regelmäßig die Wasservögel gefüttert, finden sich dort meist besonders viele Tiere ein. Durch die ins Wasser geworfene Nahrung und den Kot der Vögel gelangen hohe Nährstoffmengen in das Gewässer. Davon profitieren Algen, die sich massenhaft vermehren und einen Großteil des Sauerstoffs aus dem Wasser aufbrauchen und Wasserpflanzen regelrecht überwuchern. Somit wird durch das Entenfüttern das ökologische Gleichgewicht massiv gestört, andere Lebewesen wie Fische können das Nachsehen haben. „Das Fazit kann an sich nur sein, die Vogelfütterung lieber nur auf die Gartenvögel zu beschränken“, ist Thomas Spieker überzeugt. „In Gebieten wie den Leinepoldern finden die Tiere für gewöhnlich ausreichend Nahrung und brauchen keine zusätzlichen Futtermittel.“ Das Füttern von Greifvögeln mit Resten tierischer Herkunft muss ganz unterbleiben.

Vogelwissen nicht nur über die Fütterung

Wer sich bei der Bestimmung der Vogelarten an seinen Futterplätzen unsicher ist, wird im Internet fündig. Seit kurzem bietet die NABU|naturgucker-Akademie kostenlose Lerninhalte rund um Vögel an. Eine der Lektionen beschäftigt sich mit dem Thema Vogelfütterung. Unter https://artenwissen.online können alle Interessierten in ihrem eigenen Tempo ihr Wissen über Vögel auf- und ausbauen. „Das Erlernte zum Beobachtungsort Gewässer kann dann bei nächster Gelegenheit rund um die Leinepolder ausprobiert werden“, rät Thomas Spieker. Bei Google Play gibt es die Android-Version der kostenlosen Gebietsführer-App „Naturerlebnis Leinepolder“ und im Appstore von Apple die entsprechende Version für iPhones. Informationen darüber, welche Arten in den Leinepoldern bereits beobachtet wurden, liefert https://naturgucker.de, das gemeinnützige Netzwerk für Tier-, Pflanzen- und Pilzbeobachtungen weltweit. Rund 110.000 Aktive sind engagiert, mehr als 13,5 Millionen Beobachtungen und fast 2,5 Millionen Naturbilder wurden bereits veröffentlicht.

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