Erfahrungen der Apotheken mit der FFP2-Masken-Verteilung

Dreifache Kundenzahl 

Übergabe FFP2-Masken in Apotheke
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Viele Risikopatienten machen von ihrem Anspruch auf die Aushändigung von FFP2-Masken Gebrauch, die in vielen Apotheken ausreichend vorgehalten werden.

Landkreis Northeim – Personen, die zur Risikogruppe einer Covid-19-Erkrankung gehören, erhalten seit Mitte Dezember in den Apotheken FFP2-Masken, die einen besseren Schutz vor einer Ansteckung bieten als selbstgenähte Stoffmasken. Anfangs konnten Risikopatienten jeweils drei Gratismasken abholen, jetzt im neuen Jahr läuft es etwas anders.

Die Krankenkassen stellen ihren berechtigten Kunden zwei fälschungssichere Coupons zu, mit denen sie bei einem Eigenanteil von zwei Euro je sechs Masken in den Apotheken erhalten können. Dabei soll einer bis zum 28. Februar eingelöst werden, der andere in dem Zeitraum vom 16. Februar bis zum 15. April. Die übrigen Kosten für die Masken werden aus der Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds getragen, später sollen dafür Bundesmittel verwendet werden. Mit dieser Regelung können sich auch die einzelnen Apotheken besser auf die Ausgabe der Masken vorbereiten – anders als noch im Dezember, wie eine Nachfrage von HALLO bei Apotheken in der Region ergab. Dr. Hans-Malta Niederstadt, Leiter der Rosen-Apotheke in Nörten-Hardenberg, nennt vor allem die Kurzfristigkeit der Aktion im Dezember als Herausforderung für ihn und seine Mitarbeiter. „Wir haben es sehr spät und auch nur aus der Presse erfahren“, erklärt er. Erst auf eigene Nachfrage habe er in Erfahrung gebracht, dass die Masken nicht einfach zugeschickt, sondern bestellt werden sollten. Dennoch hätten rechtzeitig ausreichend Masken zur Verfügung gestanden. „Im Prinzip finde ich es gut, dass die Gesundheitsministerin uns ins Boot geholt hat“, sagt er, doch hätte unter Berücksichtigung der Kontaktbeschränkung auch ein direkter Versand von den Krankenkassen an die Patienten erfolgen können. Stattdessen habe sein Team für die Maskenverteilung eine separate Anlaufstelle im Hausflur geschaffen, um die Abholer von den anderen Kunden zu trennen. „95 Prozent waren Fremde“, sei es in den ersten Tagen zu einem regelrechten Andrang gekommen, denn: „Viele Apotheken hatten auch gar keine Masken. Es flachte aber nach fünf Tagen ab.“ Dann konnte auch die Ausgabe der Masken in die Apotheke verlegt und nebenbei erledigt werden. Mit den Coupons ist Niederstadt zufolge eine gute Lösung gefunden worden. „Das wird sich deutlich entzerren. Und wir haben wirklich ausreichend Masken da“, versichert er, dass sich niemand mit dem Einlösen seiner Coupons beeilen müsse.

Warteschlangen

„Es war ziemlich konfus“, bestätigt Wolfram Schmidt, Inhaber unter anderem der Mühlen-Apotheke in Northeim, die anfängliche Situation. „Wir hatten Warteschlangen vor dem Haus, aber wir konnten das komplett bedienen“, sagt er. In seinen drei Apotheken gebe es jeweils zwei Eingänge, so dass an einer Tür eine reine Abgabestelle für Masken eingerichtet werden konnte. Innerhalb von drei Tagen seien FFP2-Masken in fünfstelliger Zahl an Patienten ausgegeben worden, die Kundenzahl habe sich in dieser Zeit verdreifacht. Etwa ein Drittel der  Bevölkerung ist nach der aktuellen Regelung anspruchsberechtigt. „Das ist schon eine Hausnummer“, findet Schmidt. Doch seine Apotheken seien „absolut liefer­fähig“, und da bisher noch nicht alle Coupons ausgestellt wurden, sei die Lage derzeit auch vergleichsweise ruhig. Auch Tobias Wagner, Leiter der Grafenhof-Apotheke im Northeimer City-Center, berichtet von einer bis zu dreifachen Kundenzahl während der ersten Verteilaktion vor Weihnachten. „Es gab nicht in allen Apotheken genügend Masken, um in den ersten Tagen alle Risikopatienten versorgen zu können“, erklärt er, warum Berechtigte auch in anderen als ihrer Stamm­apotheke nach Masken fragten. Die Folge: Das Personal sei unerwartet vielen Kontakten und damit einem entsprechenden Risiko ausgesetzt gewesen. Daher hat Wagner für seine Apotheken in Northeim und Göttingen einen Online-Service unter www.tablettentiger.de eingerichtet. Dort können die Masken vorbestellt und kontaktfrei nach Hause zugestellt werden. „Wenn der Coupon der Krankenkasse vorliegt, stellt unser Bote die Lieferung, nach vorheriger Absprache des Termins, in einer Tüte vor die Tür und klingelt“, erklärt Wagner. Der Patient könne dann die Masken entnehmen und seinen Coupon sowie seine Beteiligung von zwei Euro in die Tüte legen.

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