Verurteilung im Fall der zerstückelten Leiche von Katlenburg

"Sie sind gefährlich"

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Das Landgericht Göttingen verurteilt den Angeklagten zu acht Jahren Freiheitsstrafe und Unterbringung im Maßregelvollzug.

Katlenburg-Lindau – Vor eineinhalb Jahren soll der Angeklagte seinen Nachbar mit einer Schnur erwürgt, die Leiche zerteilt und vergraben haben. Am 12. Juni 2019 fällte das Landgericht Göttingen das Urteil: Acht Jahre und Unterbringung im Maßregelvollzug für Totschlag und Störung der Totenruhe.

„Sie sind kein Monster“, erklärt Tobias Jakubetz, Richter am Landgericht Göttingen, dem Angeklagten und allen Beobachtern der Urteils­verkündung. „Aber Sie sind gefährlich“. Die Verurteilung des mittlerweile 29-jährigen Täters sei etwas besonderes. Ohne sein Geständnis nach einem vereitelten Suizid­versuch im vergangenen Sommer sei es gar nicht erst zu einem Verfahren gekommen. Somit ging es in der Verhandlung auch nicht darum festzustellen, ob er seinen Nachbarn getötet habe, sondern, wie es passierte. Während zunächst wegen eines okkulten Ritualmordes ermittelt wurde, erwies sich dies im Laufe der Ermittlungen als nicht korrekt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass es im Laufe eines alkoholreichen Abends in der Wohnung des späteren Opfers zum Streit kam. Dabei schlug der Angeklagte dem Wohnungsbesitzer zweimal auf das rechte Auge. Als dieser danach nicht aufhörte zu schreien, nahm er eine Schnur und erwürgte ihn damit. Am Tag darauf kehrte er mit einem Ersatzschlüssel in die Wohnung zurück, zerteilte mit Hilfe eines weiteren Mannes die Leiche und vergrub sie größtenteils nahe der Wohnung. Trotz zum Teil widersprüchlicher Aussagen kurz nach dem Suizidversuch und später in der Hauptverhandlung sah es das Gericht als erwiesen an, dass der Angeklagte sein Opfer über einen Zeitraum von mehr als drei Minuten erdrosselt haben muss. Für die spätere Behauptung es sei nur ein kurzes zuziehen gewesen, gäbe es keine Hinweise. Ein „besonderer Verlauf“, bei dem beispielsweise Druckpunkte getroffen werden trete üblicherweise beim Würgen mit den Händen auf. Zusätzlich habe der Angeklagte so stark an der Schnur gezogen, dass sie ihm in die Finger geschnitten habe. Dies schließe die Körperverletzung mit Todesfolge aus. Aber auch ein Mord sei nicht nachzuweisen. Aufgrund der vorherigen Schläge könne nicht von Heimtücke gesprochen werden. Für Habgier gebe es ebenfalls keine Indizien. Die Mitgliedschaft des Täters im okkulten „Deutschen Hüterorden“ und das fehlen von einigen Leichenteilen regten zwar die Fantasie an, jedoch gäbe es keine Hinweise auf einen Ritualmord. Außerdem sei der Orden zum Tatzeitpunkt nicht mehr aktiv gewesen. Spätere Aussagen zeichneten ein deutlicheres Bild, müssten jedoch mit Vorsicht bewertet werden. In einem Chatverlauf bezeichnete der Angeklagte sich selbst als Mörder, der für 15 Jahre in den Knast müsse. Auch wenn das keine juristische Bewertung sei, handele es sich nicht um eine Bewertung eines Mannes, der in einen tödlichen Unfall ver­wickelt sei. Die Information des Mittäters, der half die Leiche zu entsorgen, sei ebenfalls schwierig zu bewerten. Diesem soll der Angeklagte gesagt haben, es sei „ein erhabenes Gefühl gewesen als die Seele aus dem Körper gefahren war. Dabei handele es sich vermutlich um eine spätere Umdeutung der eigent­lichen Geschehnisse. Aufgrund der anzunehmenden Alkoholisierung während der Tat und einer Persönlichkeitsstörung des Täters ging das Gericht von einer verminderten Schuldfähigkeit aus. Auch aufgrund des umfassenden Geständnisses lautete das Urteil acht Jahre mit Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik. „Wenn Sie nicht behandelt werden, passiert so etwas erneut“, erklärte Jakubetz. (sth)

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