Gildentag der Kreishandwerkerschaft Northeim-Einbeck mit über 350 Gästen

Qualität hat ihren Preis

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Langjährige Meister: Seit 50, 60 oder 65 Jahren tragen die Handwerker ihren Titel und werden dafür beim Gildentag ausgezeichnet.

NORTHEIM (wat) – Über 350 Gäste konnte Hermann-Josef Hupe, Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Northeim-Einbeck, zum diesjährigen Gildentag in der Stadthalle Northeim begrüßen. Im Rahmen der Veranstaltung wurden Gesellen mit langjähriger Betriebszugehörigkeit sowie die Meisterjubilare geehrt.

Bei seiner Begrüßung wünschte Hupe nicht nur den Gästen ein Jahr voll Harmonie, Vertrauen und Engagement. „Auch die Stadt Northeim hat das nötig“, kommentierte er die momentanen Querelen zwischen dem Rat und der Verwaltung.

Die Problematik, Azubis und Fachkräfte im Handwerk zu finden, betonte die stellvertretende Landrätin Gudrun Borchers in ihrem Grußwort. Dabei gebe es in diesen Berufen hervorragende Möglichkeiten. Zudem „spielen Qualität und Werte eine große Rolle“. Im Handwerk würden mehr als anderswo auch gemeinschaftsorientierte Werte gelebt, weshalb viele Menschen den Handwerksbetrieben vertrauen würden.

Auf seine Talente zu vertrauen, empfahl Dechant Franz Kurth in seinem geist­lichen Wort. „Jeder hat eine besondere Fähigkeit“, ist er überzeugt und appelliert, auch kleine Talente wertzuschätzen. Er selber staune aber immer wieder, welche Talente insbesondere auch junge Menschen haben und beglückwünschte in diesem Zusammenhang die Sieger im Leistungswett­bewerb.

Wie wichtig die Wertschätzung des Talentes ist, betonte auch Hardegsens Bürgermeister Michael Kaiser in seinem Grußwort: „Der Chef trägt gegenüber seinen Mitarbeitern eine soziale Verantwortung.“ Dies sei jedoch nur noch in mittelständischen und kleinen Unternehmen möglich, bei Großkonzernen sei so etwas nicht denkbar.

Nicht zuletzt auch deshalb ist das Handwerk so erfolgreich, meint auch Delfino Roman, Präsident der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen. Ihn freue es besonders, gleichzeitig den Nachwuchs und langjährige Meister ehren zu können. „So, wie der Nachwuchs nun eine solide Basis für seine Zukunft geschaffen hat, so sind die erfahrenen Handwerker für ihre hervorragende Ausbildung verantwortlich“, beglückwünschte er alle Geehrten. Und drückte seine Freude darüber aus, dass das Handwerk den immer weiter steigenden Anforderungen gewachsen ist. Dabei sei es aber auch für die Kunden der Betriebe wichtig, zu wissen, dass Qualität ihren Preis hat.

Als Festredner war der Bundesvorsitzende der FDP, Christian Lindner, zu Gast. Er sprach über die Erneuerung der sozialen Marktwirtschaft. Es sollten seines Erachtens die Regeln, die für das Handwerk Gültigkeit haben, auch für Banken gelten. „Denn wenn ein Handwerker einen Fehler macht, dann haftet er dafür.“ Die Banken würden das Risiko an die Kunden weitergeben, während sie ihre Gewinne privatisieren. „Das ist die Perversion der sozialen Marktwirtschaft“, fand er deutliche Worte. Auch am Bildungssystem ließ er kein gutes Haar: „Der Bildungsföderalismus schwächt uns, Deutschland ist im Bereich Bildung seit Jahren nur Mittelmaß.“ Um zu den Besten zu gehören, dürfe zwischen den Bundesländern kein Wettbewerb in diesem Bereich herrschen. Zudem sei Bildung nicht nur eine öffentliche Aufgabe, auch die Eltern seien in der Pflicht.

Über die Digitalisierung der Zunft sprach schließlich Kreishandwerksmeister Hermann-Josef Hupe. Gerade das Handwerk neige dazu, das Bekannte zu wahren und gegen das Neue zu verteidigen. Doch sei dies der falsche Weg. „Wir müssen uns der Herausforderung der Digitalisierung stellen“, appellierte er an seine Kollegen. Denn sich gegen den Wandel zu wehren, sei verantwortungslos. Zudem sei die Welt in einem steten Wandel. Angst davor, dass der Handwerker von einem Computer beispielsweise abgelöst wird, müsse man aber nicht haben. „Neue Technologien befördern die Produktivität und senken so die Kosten für Güter und Dienstleistungen in einem nie gekannten Ausmaß. Außerdem reduzieren sie dramatisch die Zahl menschlicher Arbeitskräfte, die zur Produktion nötig sind. Sie befördern die, wie es Verdi-Chef Frank Bsirske ausdrückte, technologische Arbeitslosigkeit.“ Doch diese werde ein großer Segen sein, weil sie nichts anderes bedeute, als dass die Menschheit ihr ökonomisches Problem und die Folgen des demografischen Wandels löst, beruhigt Hupe, der aus Sicht des Handwerks dem geplanten Freihandelsabkommen TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership) zwischen der EU und den USA offen gegenüber steht. „Es eröffnet die Chance, dass mit Europa und den USA die zwei größten Handelsräume weltweit Maßstäbe setzen“, betont Hupe. Zudem würden der Verbraucherschutz und die Stabilität der Weltwirtschaft wachsen, wenn es gelänge, das Freihandels­abkommen auch für eine stärkere Regulierung bislang nicht ausreichend regulierter Bereiche der globalisierten Finanzmärkte zu nutzen.

Ausgezeichnete Handwerker

Zahlreiche Ehrungen nahm der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Hans-Joachim Nüsse gemeinsam mit dem Präsidenten der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen Delfino Roman während des Gildentages vor. Ausgezeichnet wurde neben langjährigen Meistern und Handwerkern mit jahrzehntelanger Betriebstreue auch der beste Nachwuchs.

Leistungswettbewerb

• Nico Rosniewski (Einbeck): Kammer- und Landessieger, Ausbildungsberuf Anlagenmechaniker

• Melina Dumschat (Dassel): Kammer- und Landessiegerin, Ausbildungsberuf Augenoptikerin

• Niklas Hörning (Stadt­oldendorf): Kammersieger, Ausbildungsberuf Automobilkaufmann

• Johannes Lampe (Dassel): Kammersieger, Ausbildungsberuf Elektroniker/Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik

• Dennis Bretag (Moringen): Kammersieger und dritter Landessieger, Ausbildungsberuf Fahrzeuglackierer

• Timo Wiegand (Einbeck): Kammersieger, Ausbildungsberuf Maurer

• Mirjam Sobeczko, Kammersiegerin, Ausbildungsberuf Raumausstatterin

• Bastian Uhde (Kalefeld): Kammersieger, Ausbildungsberuf Tischler • Friederike Frei (Friedland): Kammersiegerin, Ausbildungsberuf Zahntechnikerin

25 Jahre im Betrieb

Michael Büstefeld (Einbeck), Olaf Domeier (Willershausen), Rolf Eickemeier, Mario-Jorge Ferreira-Pinto (beide Northeim), Peter Harbig (Bilshausen), Andreas Haubold (Schönhagen), Danny Hille (Bishausen), Jürgen Jakob (Schönhagen), Reimund Keck (Bad Gandersheim), Detlef Kerl (Eimen), Andreas Koch (Dassel), Susanne Langheim (Kreiensen), Burghardt Maibrink (Einbeck), Jürgen Quaas (Hillerse), Bernd Raab (Uslar), Petra Rode (Elvershausen), Carsten Schulz (Einbeck), Sven Siegfried (Gillersheim) und Maik Unger (Echte).

40 Jahre im Betrieb

Tino Lachstädter (Einbeck) und Jürgen Steg (Hollenstedt).

50 Jahre im Betrieb

Giesela Meisel (Uslar).

25 Jahre Meistertitel

Bezirksschornsteinfegermeister Rainer Borchert (Uslar), Fleischermeisterin Sylke Düker-Hühold (Dassel), Friseurmeisterinnen Gisela Hunze (Einbeck), Nelly Wittler (Hardegsen) und Birgit Pella (Northeim), Kfz-Elektrikermeister Ulrich Kümmel (Einbeck), Kfz-Mechanikermeister Heinz-Otto König (Echte), Leander Goldmann (Duderstadt), Klaus-Michael Hartwich (Northeim), Klaus Lehberger, Berthold Lukatsch (beide Einbeck) und Peter Scholz (Duingen), Maler- und Lackierermeister Uwe Striewski, Maurermeister Martin Walter (beide Northeim), Schornsteinfegermeister Bernd Schwarz (Einbeck), Tischlermeister Andreas Deppe (Katlenburg-Lindau), Zahntechnikermeister Hartmut Vach (Moringen), Zentralheizungs- und Lüftungsbauer- sowie Gas- und Wasserinstallateurmeister Bernd Sprenger (Hardegsen) und Zimmermeister Gerhard Wicke (Northeim).

40 Jahre Meistertitel

Dachdeckermeister Manfred Nienstedt (Kreiensen), Elektroinstallateurmeister Gerhard Witschorek (Uslar), Horst Wendt (Northeim) und Wolfgang Johanns (Salzderhelden), Gas- und Wasser­installateurmeister Hans-Günther Müller (Moringen), Kfz-Mechanikermeister Hans-Joachim Raith (Nörten) und Klaus Mundt (Uslar), Maler- und Lackierermeister Jürgen Graß (Einbeck), Maurermeister Wilhelm Ippensen und Wilfried Gebhardt (beide Northeim), Raumausstattermeister Heinrich Kopper (Einbeck), Schlossermeister Manfred Albrecht (Northeim) und Tischlermeister Hans-Jürgen Grund (Volpriehausen).

50 Jahre Meistertitel

Elektroinstallateurmeister Heinz Thiele (Bodenfelde), Fleischermeister Gerhard Langheim (Dassel), Gas- und Wasserinstallateurmeister Karl Berkemann (Hardegsen) und Martin Padur (Northeim), Kfz-Mechanikermeister Friedel Oppermann und Heinrich Rischmann, Maler- und Lackierermeister Heinz Godlinski und Wilfried Beye sowie Tischlermeister Dieter Henniges (alle Einbeck).

60 Jahre Meistertitel

Elektromaschinenbauermeister Horst Schwarzer (Northeim), Landmaschinenmechanikermeister Walter Gülke (Uslar), Maler- und Lackierermeister Gerhard Ludolph (Nörten) und Raumausstattermeister Friedel Friedhoff (Northeim).

65 Jahre Meistertitel

Klempnermeister Günther Francke (Northeim) und Tischlermeister Georg-Albrecht Fischer (Uslar).

Gildentag der Kreishandwerkerschaft Northeim-Einbeck

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