Aus FFH-Gebieten werden sechs neue Naturschutzgebiete

Wertvoll und schützenswert

Wälder im südlichen Solling mit Exmoorponys
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Wälder im südlichen Solling sind jetzt Naturschutzgebiet. Hier pflegen den Wald noch Exmoorponys.

Landkreis Northeim – Der Northeimer Kreistag hat sechs neue Naturschutzgebiete ausgewiesen, indem er die Verordnungen beschlossen hat. Es handelt sich um Bereiche mit mehr als 4.000 Hektar Waldfläche. 

Die bisherigen FFH-Gebiete (Fauna-Flora-Habitat) „Wald am Großen Streitrodt bei Delliehausen“, „Wälder am Schäferstein und am Hohen Rott bei Verliehausen“, „Moore und Wälder im Hochsolling“, „Wälder im östlichen Solling“, „Wälder im Solling bei Lauenberg“ und „Wälder im südlichen Solling“ sind nun Naturschutzgebiete. Dank der Ausweisung der Flächen kommt der Kreistag der Verpflichtung zur hoheitlichen Sicherung von Natura 2000-Gebieten nach dem Bundesnaturschutzgesetz nach. Die in den Verordnungen enthaltenen Ver- und Gebote und die jeweils noch zu erstellenden Bewirtschaftungs- und Managementpläne sollen dazu beitragen, dass neben dem Schutz prioritärer Lebensraumtypen und Arten auch den europarechtlichen Anforderungen entsprochen wird. In den Naturschutzgebieten sind alle Veränderungen und Störungen, die zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Gebietes in seinen maßgeblichen Bestandteilen führen können, unzulässig. Die Träger öffentlicher Belange, die Naturschutzverbände und die allgemeine Öffentlichkeit wurden vor der Verabschiedung ordnungsgemäß beteiligt.

Warum sind die Gebiete wertvoll und schützenswert?

• „Wald am Großen Streitrodt bei Delliehausen“ (228 Hektar): Das Gebiet umfasst ausgedehnte bodensaure Buchenwälder mit einzelnen Alteichenbeständen. Im Südosten an die Wälder angrenzend befinden sich feuchte Wiesentäler mit Quell- und Auebereichen der Kobbeke, einem kleinen Zufluss der Espolde. Das Gebiet dient insbesondere dem Schutz und der Verbesserung der Repräsentanz des stark gefährdeten Hirschkäfers. Die Wälder dienen als Jagdhabitat für das streng geschützte Große Mausohr und sind Lebensraum für den Schwarzspecht, die Wildkatze und den Luchs. Weitere im Gebiet nachgewiesene, als gefährdet eingestufte Pflanzenarten sind die Igel-Segge, der Sprossende Bärlapp sowie die Schriftflechte.
• „Wälder am Schäferstein und am Hohen Rott bei Verliehausen“ (102 Hektar): Der Wald umfasst bodensaure Buchen- und Eichenwälder sowie Relikte alter Eichenhutewälder. Im Solling befinden sich, neben denen im Harz, die mit Abstand größten und qualitativ bedeutendsten Vorkommen von Hainsimsen-Buchenwäldern des Berglands. Sie dienen als Nahrungs- und Jagdhabitat sowie als Fortpflanzungs- und Ruhestätte für das streng geschützte Große Mausohr und die Bechsteinfledermaus. In seiner heutigen Ausprägung ist das Gebiet auch Lebensraum für zahlreiche seltene oder geschützte Arten, insbesondere von Käferarten wie den Hirschkäfer, den Haarschildigen Halsbock und den Eichen-Werftkäfer, die Wildkatze, den Baummarder und den Iltis sowie den Feuersalamander. Zahlreiche Vogelarten wie der Kolkrabe, der Mittelspecht, Schwarzspecht, Grauspecht und der Grünspecht sind im Gebiet heimisch. Die Tagfalterart Kaisermantel ist ebenfalls nachgewiesen.
• „Moore und Wälder im Hochsolling“ (862 Hektar): Das Gebiet ist gekennzeichnet von alten Bruch- und Sumpfwaldkomplexen in Kombination mit Nieder- und Übergangsmooren sowie großflächigen naturnahen Hainsimsen-Buchenwäldern. Insgesamt handelt es sich um das bedeutendste Vorkommen von Hochmooren und Moorwäldern im Weser-Leine-Bergland und eines der drei größten Gebiete zur Repräsentanz der Hainsimsen-Buchenwälder in Niedersachsen dar. Das Naturschutzgebiet dient dem Großen Mausohr als Jagdhabitat und liegt im Einzugsbereich mehrerer Wochenstubenquartiere. Die Waldgebiete bieten Lebensraum für weitere Fledermausarten, die Wildkatze, den Luchs sowie zahlreichen geschützten und gefährdeten Vogelarten wie Sperlingskauz, Raufußkauz und Schwarzspecht. Es ist potenzieller Lebensraum für Grauspecht, Mittelspecht und Schwarzstorch. Die Wertigkeit wird darüber hinaus unterstrichen von Vorkommen zahlreicher gefährdeter Gefäßpflanzen-, Moos- und Pilzarten.
• „Wälder im östlichen Solling“ (1.479 Hektar): Das Naturschutzgebiet bildet einen Komplex aus großflächigen submontanen bis montanen, naturnahen Hainsimsen-Buchenwäldern auf Buntsandstein, die eine hohe Strukturvielfalt aufweisen. Auf Teilflächen sind Stiel- und Traubeneichenbestände beigemischt. In diesem Gebiet handelt es sich um den größten zusammenhängenden Komplex von Hainsimsen-Buchenwäldern im niedersächsischen Weser- und Leinebergland. Zusätzlich befinden sich mehrere wertvolle Erlen-Eschen-Wälder, mit zahlreichen, teilweise leicht anmoorigen Quellbereichen im Gebiet. Auf kleinen Teilflächen finden sich naturnahe und nährstoffarme Stillgewässer sowie artenreiches Grünland. Die Wälder sind ein wertvoller Lebensraum für waldbewohnende Arten, die auf großflächige und zusammenhängende, naturnahe, alt- und totholzreiche sowie störungsarme Waldgebiete angewiesen sind. Den Vogelarten Schwarzstorch, Schwarzspecht, Grauspecht, Mittelspecht sowie der Waldschnepfe bietet das Gebiet günstige Lebensbedingungen. Auch der Rotmilan findet hier geeignete Brutmöglichkeiten. Sperlingskauz und Raufußkauz kommen ebenfalls im Gebiet vor. Die Lebensbedingungen im Wald dienen auch dem Bestand der Wildkatze und des Luchses. Zusätzlich begünstigen auch natürlich entstandene Lichtungen und strukturreiche Waldränder die Artenvielfalt, insbesondere auch für Fledermausarten wie das Große Mausohr.
• „Wälder im Solling bei Lauenberg“ (322 Hektar): Die Waldgebiete werden vorherrschend von bodensauren Eichenmischwäldern, mit in Teilen buchenreicher Ausprägung, dominiert und von Hainsimsen-Buchenwälder ergänzt. Innerhalb des Gebietes befinden sich sehr strukturreiche Hutewald-Relikte mit über 400 Jahre alten Uralteichen. Das Gebiet ist von besonderer Bedeutung und dient insbesondere dem dauerhaften Schutz und der Verbesserung der Repräsentanz der streng geschützten Totholzkäferarten Eremit und Hirschkäfer. Es liegt im Einzugsbereich mehrerer Wochenstubenquartiere des Großen Mausohrs und eignet sich als Jagdhabitat für diese Art. Die Wälder, insbesondere die Hutewald-Relikte, sind ein wertvoller Lebensraum für waldbewohnende Arten, die auf großflächige und zusammenhängende, naturnahe, lichte, alt- und totholzreiche sowie störungsarme Waldgebiete angewiesen sind. Neben den bereits genannten zwei Totholzkäferarten sind im Gebiet zahlreiche nach der Roten Liste als gefährdet eingestufte Käferarten nachgewiesen. Auch eine erhebliche Anzahl von auf Altholzbestände angewiesene Vogelarten, darunter die mit Abstand höchste Individuenzahl von Mittel-, Klein-, Grau- und Schwarzspecht im Solling, konnten im Gebiet nachgewiesen werden. Der Schwarzstorch brütet seit mehreren Jahren erfolgreich in dem Gebiet, das sich ansonsten auch mit seiner überdurchschnittlich hohen Dichte von Rotmilan- und Bussardhorsten auszeichnet. Darüber hinaus ist das Gebiet auch Lebensraum für Wildkatze, Luchs und Feuersalamander.
• „Wälder im südlichen Solling“ (1.016 Hektar): Das Naturschutzgebiet umfasst zusammenhängende, großflächige Waldkomplexe in unterschiedlichen Höhenlagen und Ausprägungen mit Eichen und Buchenwäldern. Die Eichen-Mischwälder bestehen aus einem hohen Anteil alter Eichenbestände, darunter teilweise über 200 Jahre alten Hutewaldbestände. Die überwiegend mittelalten bis alten Buchenwälder sind niedersachsenweit von besonderer Bedeutung und kommen zum Teil in hangwaldartiger Ausprägung, in südexponierter Lage am Sollinghang oberhalb der Weser vor. Hier befindet sich auch ein ehemaliger Steinbruch mit Sandstein-Felswänden und Steinschutthalden. Eine Besonderheit ist der Hutewald im Reiherbachtal einschließlich der „Neuen Hute“. Hier überwiegen mittelalte, alte und teilweise uralte Eichenwälder die dank Pflege und Bewirtschaftung mit Heckrindern und Exmoorponys offen gehalten werden. Die hier vorkommende Artenvielfalt ist einmalig und über die Landesgrenze hinaus bekannt. Geschützt und verbessert werden sollen die Repräsentanz der Fledermausarten Großes Mausohr und Bechsteinfledermaus sowie der totholzbewohnenden Käferarten Eremit und Hirschkäfer. Aber auch zahlreich seltene und stark gefährdete Rote Liste Arten wie die Geburtshelferkröte, der Mädesüß-Scheckenfalter und die Gestreifte Windelschnecke sind hier heimisch.

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