Nachwuchs auf der Straußenfarm in Gillersheim

Kleine tanzende Strauße

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Alexander Friedrich mit einem kleinen Straußenküken.

Es ist viel los auf der Straußenfarm von Nadine und Alexander Friedrich in Gillersheim. Hugo, Hanni und Sophie sind fleißig am Ausbrüten von neu gelegten Eiern, zehn einjährige Strauße stehen neugierig am Zaun, während die 15 Küken im Wechsel trinken, fressen und alles wieder ausscheiden.

Zwischendrin bleibt ihnen Zeit für ein kurzes straußentypisches Tänzchen. Vor sechs Jahren haben Friedrichs im Nebenerwerb mit ihrer Straußenzucht begonnen und inzwischen viel über die Tiere gelernt. „Sie sind einfach strukturiert, ihr Gehirn ist kleiner als das Auge“, berichten die Züchter mit einem Lächeln, aber dennoch mache es unheimlich Freude, sie auf dem Hof zu haben. In Gillersheim haben die Vögel richtig viel Auslauf. Die kleinen Küken nutzen diesen Auslauf, in dem sie eilig hin und her flitzen. Sie wachsen bis zu einem Zentimeter am Tag, berichten die Züchter, das heißt, dass sie auch entsprechend viel Nahrung und vor allem Wasser brauchen. Zurzeit bekommen die Kleinen 80 Liter pro Tag, die Großen sind da deutlich genügsamer, außerdem gibt es Gras und spezielles Straußenfutter, das altersgerecht angepasst wird. Da Strauße einen Muskelmagen haben, brauchen sie Steine, um die Speisen im Magen zu zermahlen. Deshalb ist es wichtig, ihnen Kies zu geben. „Die Steine sollten halb so groß wie die Zehe sein“, erklärt Nadine Friedrich, dass es auch hier auf das richtige Angebot ankommt. Vier bis sechs Tonnen Kies im Jahr braucht man für die Zuchttiere zum Fressen und für die Laufwege, damit sich die Krallen abnutzen, weil hier die Böden nicht so trocken sind wie in ihrer eigentlichen Heimat Afrika. Die Küken, die zurzeit auf der Farm aufgezogen werden, mussten hinzugekauft werden, da Zuchthahn Hugo etwas seine Pflicht vernachlässigt hatte. Doch inzwischen hat er sich wieder besonnen und nun werden aktuell zwölf bis dreizehn Eier von ihm und den Hennen bebrütet. Um den 15. August wird das Schlüpfen des neuen Nachwuchses erwartet. Sorge macht nur ein Waschbär, der gelegentlich versucht ein Ei zu stehen, dann aber merkt, dass er mit dem Gewicht von etwa 1,4 Kilogramm überfordert ist und es einfach abseits vom Nest liegen lässt. Circa 42 Tage brüten die Strauße, der Hahn sitzt nachts auf den Eiern, während sich die Hennen tagsüber den Job teilen. Die Tiere wachsen hier natürlich auf, frei von Medikamenten, haben nie Enge oder Futterneid erlebt. Friedrichs sind Gründungsmitglied im Regionalverband Südniedersachsen. Wenn die Tiere nach etwa einem Jahr Schlachtreife haben, werden sie in einer zertifizierten Schlachterei zu Straußensteaks, aber auch verschiedenen Wurstsorten verarbeitet. „Eigentlich hat der Strauß ja nur Fleisch aus der Keule, da muss man schon sehr genau wissen, wie man das Tier zerlegt, damit hinterher ein gutes Stück Fleisch auf den Teller kommt“, erklärt Alexander Friedrich. Vermarktet werden die Straußenspezialitäten, die besonders fettarm sind, direkt an den Endverbraucher. Zu den Kunden gehören unter anderem Wolfsburger in Hardegsen, aber auch Hotels, wie das Landgasthaus Rohde in Nesselröden, sowie zahlreiche Einzelkunden. Die Nachfrage ist groß, aber mehr kann man im Nebenerwerb nicht schaffen, erklären Friedrichs. Denn der Aufwand für eine Straußenfarm ist groß. Allein bei den Küken muss jeden Tag mindestens einmal der Kot aufgesammelt werden, die Ställe müssen regelmäßig gesäubert und die Tiere gefüttert werden. Urlaub ist deswegen auch höchstens mal eine Woche möglich, berichten die leidenschaftlichen Straußenzüchter aus Gillersheim. (rgy)

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