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Mit Mimik und Gestik

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Tanja Herbst zeigt Buchstaben des Alphabets der Gebärdensprache: „HALLO“ wird auf diese Weise buchstabiert. © Foto: Gerhardy

NORTHEIM/NÖRTEN-HARDENBERG (rgy) – Gebärdensprache ist die Form der Kommunikation für Gehörlose, aber auch für Menschen, die zum Beispiel nach einem Schlaganfall nicht mehr sprechen können, oder für Menschen, die extrem stottern, kann sie den Alltag erleichtern. Ebenso ist die Gebärdensprache für mehrfach behinderte Menschen, die aus organischen Gründen nicht sprechen können, eine sehr gute Möglichkeit, mit ihrem Umfeld zu kommunizieren. Tanja Herbst hofft deshalb, dass viele Menschen diese Form der Kommunikation erlernen.

„Gehörlose können nicht hören lernen, aber die Gebärdensprache kann jeder lernen“, berichtet Herbst, die selbst aufgrund einer Erkrankung im Alter von zwei Jahren ihr Gehör verlor. Gebärdensprache ist für sie nach und nach zum entscheidenden Kommunikationsmittel geworden. „Der Wortschatz ist keineswegs klein, ich kann alles damit ausdrücken“, erklärt die 42-Jährige aus Nörten-Hardenberg. Mimik und Körpersprache ergänzen die Gebärden, so dass auch Gefühle und Stimmungen wiedergegeben werden. Nur die Grammatik sei etwas anders als in der Lautsprache, erklärt sie. Fragt man dort „Wie heißt du?“, wird in der Gebärdensprache „DU WER?“ oder „DEIN NAME WAS?“ gebärdet, um ein Beispiel zu nennen. Und wer denkt, die Gebärden seien international einheitlich, der täuscht, es gibt sogar sehr viele regionale Dialekte.

Seit 2012 gibt Herbst Kurse in Gebärdensprache an der Volkshochschule Göttingen, auch in Northeim hat sie schon einen angeboten und durchgeführt und hofft, dass sich in Zukunft noch mehr Menschen für die Gebärdensprache interessieren und diese erlernen. „Es ist schon einfacher, wenn ich im Laden eine Bedienung treffe, die mit mir kommunizieren kann“, berichtet sie. So gebe es zum Beispiel in Northeim bei einer Fastfood-Kette einen Mitarbeiter, der Gebärdensprache kann, dann würde sie sich gern von ihm bedienen lassen.

Im Kursus vermittelt sie einfache Vokabeln, die aber einen ersten kurzen Dialog ermöglichen. Eine Herausforderung sei für die Teilnehmer, Hände, Mimik und Körperhaltung zu koordinieren. Ein bisschen sei das wie Autofahren, wo viele Aktionen gleichzeitig laufen. Wünschenswert wäre aus ihrer Sicht, wenn Grundlagen der Gebärdensprache bereits in den Schulen vermittelt würden.

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