Tote Winkel, Ladungssicherung und „Fit on Tour“

Sicher im und am Lkw

+
Für den Fahrer unsichtbar: Die fünfte Klasse der Thomas-Mann-Schule Northeim und Polizeikommissarin Simone Köhler (hinten links) befinden sich im toten Winkel.

Northeim – Regelmäßig ver­anstalten der Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen, die Polizei Göttingen und Northeim sowie viele weitere Akteure die Lkw-Sicherheitstage. Seit 2005 finden diese am Northeimer Autohof an der A7 statt.

„Unser Ziel ist es, mit den Lastwagenfahrern ins Gespräch zu kommen“, erklärt Erster Polizeihauptkommissar und Leiter der Autobahnpolizei Göttingen Matthias Rink den Sinn der Lkw-Sicherheitstage. Sie seien eine Präventive Maßnahme, um gemeinsam für mehr Sicherheit im Straßenverkehr zu sorgen. Viele der Brummifahrer, die am Autohof Pause machen, werden von den vielen bunten Ständen der Johanniter-Unfall-Hilfe, der Gesundheitsregion Göttingen/Südniedersachsen und den weiteren Akteuren angelockt, einige werden jedoch auch von den Kradfahrern der Polizei aus dem Verkehr gezogen. „Das machen wir, wenn uns jemand irgendwie auffällt“, erklärt Rink. Die Fahrer hätten dann die Wahl, ob sie eine Ladungsüberprüfung über sich ergehen lassen oder lieber einmal gemütlich die Stationen abklappern. „Die meisten entscheiden sich die Stände zu besuchen“, schmunzelt Rink. Ein besonderes Highlight sei dabei jedes Mal der Überroll-Simulator, mit dem eindrucksvoll vermittelt werden kann, was passiert, wenn es zum Schlimmsten kommt. Auf dem Armaturenbrett sind mehrere Stofftiere abgelegt, die bei einer Rolle seitwärts kreuz und quer durch das Fahrerhäuschen geschleudert werden. Meistens sind es aber keine Teddys, die ungesichert in der Kabine rumliegen, sondern Getränke­flaschen, Kaffeemaschinen, Laptops und Handys. Dabei wollen die Beamten jedoch nicht nur mahnen und Vorschriften machen, sondern auch gemeinsam an Problemen arbeiten. Immer wieder werden sie auf die Gefahren in Baustellen­bereichen an­gesprochen. „Besonders die 30 Kilometer hier bei Northeim erregen immer wieder die Gemüter“, fasst Rink zusammen (siehe Kasten). Auch bei den Fünftklässlern der Thomas-Mann-Schule (TMS) Northeim, die die Lkw-Sicherheitstage besucht haben, hinterließen die Stationen einen bleibenden Eindruck. Selbst angeschnallt schießt der Kopf der Test­personen bei einem Auffahrunfall im Simulator bei nur zehn Stundenkilometern nach vorne. „Ein Gewicht von 70 Kilogramm erzeugt bei zehn km/h eine Aufprallwucht von 270 Kilogramm“, gibt Polizeikommissarin Simone Köhler, Präventionsteam der Polizei Northeim, zu bedenken. Wer da nicht angeschnallt sei, könne sich schnell eine blutige Nase am Armaturenbrett holen. Bei 50 km/h erhöhe sich die Wucht auf 6.700 Kilogramm. Besonders erhellend sei es für die Kinder, einmal selbst auf dem Fahrersitz eines Lastwagen oder Busses zu sitzen und zu sehen, wieso Acht­samkeit an den Haltestellen so wichtig ist. Erstaunlich viele Bereiche sind vom Fahrersitz aus nicht einsehbar, die Kinder bleiben für den Fahrer unsichtbar. „Es selbst gesehen zu haben, ist viel eindrücklicher als jede Theorie“, erklärt Lehrer Simon Koehn von der TMS. Über einen besonderen Erfolg freut sich derweil die Gesundheitsregion Göttingen/Südniedersachsen, die unter anderem Untersuchungen der Blutwerte, des Blutdrucks und der Wirbelsäule ermöglichte. Dabei konnte bei festgestellten Schmerzen, Belastungen oder auch eine Physiotherapeutin vor Ort direkt Übungen zeigen, die dabei helfen können. Des Weiteren standen Ernährungs- und all­gemeine Gesundheitstipps auf dem Programm. „Ein Fahrer von letzten Jahr kam auf uns zu. Er hatte seine Ernährung komplett umgestellt und wollte uns berichten, wie gut es ihm jetzt geht“, freut sich Dr. Corinna Morys-Wortmann über den Langzeiterfolg der Maßnahme. (sth)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare