Landkreis beabsichtigt Notarztdienst zu rekommunalisieren

Eigene Ärzte im Einsatz

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Machen sich für ein landkreiseigenes Versorgungskonzept stark (von links): Matthias Walbrecht (Leiter Rechtsangelegenheiten), Landrätin Astrid Klinkert-Kittel, Dr. Bodo Lenkewitz (Ärztlicher Leiter Rettungsdienst im Landkreis Northeim) und Erster Kreisrat Jörg Richert.

Der Landkreis Northeim plant, in der notärztlichen Versorgung neue Wege zu beschreiten und als erste Kommune in ganz Niedersachsen umzusetzen. Bislang übernehmen die Krankenhäuser in Bad Gandersheim, Northeim und Einbeck die notärztliche Versorgung im Kreisgebiet.

Zudem betreibt der Landkreis seit 2012 in Uslar-Bollensen seinen Notarzt-Standort. Da die Übertragung an die externen Kliniken zum 31. Dezember endet und eine europaweite Ausschreibung zur Folge hätte, hat sich der Landkreis nun entschieden, dem Kreistag am 22. März ein eigenes Konzept zur Beschlussfassung vorzulegen. Es sieht vor, den Notarztdienst zu rekommunalisieren. Damit wäre der Landkreis Northeim Vorreiter in Niedersachsen, bislang gibt es nur im Landkreis Goslar einen notärztlichen Dienst in kommunaler Hand. Etwa 4.500 Notarzteinsätze werden jährlich im Landkreis Northeim gefahren, erklärt der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes Dr. Bodo Lenkewitz. Doch der Ärztemangel hätte sich auch bis in den Landkreis Northeim durchgesetzt. Immer mehr wären Dienstpläne nur schwer zu besetzen. Teilweise stehe erst kurz vor Dienstbeginn die Besetzung fest. „Krankenhäuser greifen dann neben festangestelltem Personal auf Honorarärzte oder auf eine Notarztbörse zurück, die kurzfristig Notärzte vermittelt“, erklärt Lenkewitz, dennoch sei beispielsweise am 3. Februar der Rettungsdienst in Northeim nicht besetzt gewesen, da es zu einer kurzfristigen Absage kam. Es gab während des Dienstes 13 Anforderungen, die dann von anderen Standorten bedient werden mussten, führt Lenkewitz aus. Auch wenn es keine Nachteile für die Patienten gegeben hätte, hält er eine solche Unsicherheit im Dienstplan für inakzeptabel. Derzeit werden 80 Notärzte, darunter auch Honorarärzte eingesetzt. „Das ist nicht immer einfach, da auch die Qualität zu gewährleisten“, erklärt er, zumal die fachlichen Anforderungen an die Notärzte in den vergangenen Jahren massiv gestiegen seien. Das neue Konzept, das auch bei den Krankenkassen, die die Kosten tragen, auf offene Türen gestoßen sei, orientiere sich an den guten Erfahrungen, die man in Uslar gemacht habe. Das heißt, ab dem 1. Januar wäre der Landkreis eigenständig für die Erstellung der Dienstpläne und das Vorhalten von Notarztkapazitäten zuständig. Dazu sollten bis zu acht Ärzte festangestellt und weitere zehn Stellen aus einem handverlesenen Pool an Honorarärzten besetzt werden. Landrätin Astrid Klinkert-Kittel und Lenkewitz sind sich einig, dass mit der besonderen Personalauswahl die Qualität der Patientenversorgung auf hohem Niveau gewährleistet werden kann. „Ich sehe keine Probleme diese Stellen mit sehr guten Ärzten zu besetzen“, betont Lenkewitz. Vor allem der direkte Kontakt zum dann überschaubaren Team, wäre von Vorteil, um beispielweise Defizite schnell aufzudecken und Informationen stets auf kurzem Dienstweg zu vermitteln. Auch zukünftig sollten die Standorte der Notärzte in den Krankenhäusern erhalten bleiben, dazu sollten die bisher genutzten Räume von den Kliniken vom Landkreis angemietet werden. Perspektivisch sei aber angedacht, in Northeim und Einbeck den notärztlichen Dienst bei der Rettungswache unterzubringen. Wenn der Kreistag dem Beschluss zustimmt, dann sollte auch das Stellenausschreibungsverfahren schon beginnen, damit Anfang des Jahres der Rettungsdienst durchstarten könne, erklärt der Erste Kreisrat Jörg Richert. (rgy)

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