Landtagspräsidentin Gabriele Andretta besucht KZ-Gedenkstätte Moringen

"Es muss Thema sein!"

Hartmann

MORINGEN Zum Auftakt der Sommerreise der niedersächsischen Landtagspräsidentin Dr. Gabriele Andretta aus Göttingen besuchte sie vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Entwicklung und vermehrten judenfeindlichen Äußerungen am Mittwoch die KZ-Gedenkstätte in Moringen. 

„Der wieder erstarkende Antisemitismus mahnt, die Erinnerung an den Holocaust wach zu halten und neu zu vermitteln. Geschichte darf sich nicht wiederholen. Wer sich an die Orte der NS-Verbrechen begibt, versteht besser, was geschehen kann, wenn Menschen erniedrigt, als minderwertig angesehen und zu Feinden des Volkes erklärt werden“, erklärt Andretta den Anlass ihrer Sommerreise als Landtagspräsidentin. Neben ihrem Zwischenstopp in Moringen stehen unter anderem auch Besuche von den Gedenkstätten in Wolfenbüttel und Bergen-Belsen auf ihrem Reiseplan. „Wir erleben eine Verschiebung der Grenzen des Sagbaren“, stellt Andretta während in Moringen fest. Eines der Symptome sei die Beschimpfung als „Du Jude“ auf Schulhöfen und in der Öffentlichkeit. „Nicht jeder, der einen anderen so nennt, ist direkt ein Antisemit“, stellt die Landtagspräsidentin aber klar. Ähnlich wie Bezeichnungen als „Opfer“ sei es ein Nährboden für Ausgrenzungen. „Ich würde mir wünschen, dass diese Problematik besser thematisiert wird und mehr Menschen Zivilcourage zeigen, wenn so etwas passiert“, appelliert Andretta. Um Jugendliche besser für diese Themen zu sensibilisieren sei der Besuch von KZ-Gedenkstätten so wichtig. Damit einher gehe auch die bestmögliche Unterstützung, um die Funktion der Einrichtungen zu erhalten. Sie geben dabei mehr Raum, etwas über die Geschichte zu erfahren, als es Schul- und Lehrbücher können. „Die Auseinandersetzung mit der Thematik kann über ganz verschiedene Wege erfolgen“, erklärt Dr. Dietmar Sedlaczek, Leiter der KZ-Gedenkstätte Moringen. Dabei werde auch die Frage aufgeworfen, ob die Erinnerung an die Schrecken der NS-Zeit auch Spaß machen darf. „Schüler, die uns besuchen können unter anderem Comics zeichnen. Im vergangenen Jahr wurde auch das Stück ,Swing Heil!’ aufgeführt“, erläutert Sedlaczek. Während noch bis in die 80er Jahre hinein die Beschäftigung mit der NS-Zeit anstößig gewesen sei, gebe es jetzt viele neue Impulse in der Erinnerungskultur. „Nicht jede Gedenkstätte kann alle Bereiche abdecken, deshalb ist es so wichtig, auch hier ein breites Spektrum zu erhalten“, findet Andretta. (sth)

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