Kriminalitätsstatistik vorgestellt / Gute Aufklärungsquote

„Wir leben sehr sicher“

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Lutz Exner (links) und Hans Walter Rusteberg warnen vor Abzocke von Senioren am Telefon. Die Täter gehen immer perfider vor, um an das Ersparte heranzukommen.

Polizeidirektor Hans Walter Rusteberg und Erster Kriminalhauptkommissar Lutz Exner haben die polizeiliche Kriminalstatistik 2018 für den Bereich des Landkreises Northeim vorgestellt. Insgesamt gab es einen leichten Anstieg an Taten um 0,3 Prozent von 6.671 (2017) auf 6.692 (2018).

Mit einer Aufklärungsquote von 67,6 Prozent wurde erneut ein Spitzenwert in Niedersachsen erreicht. Rusteberg betont mit Blick auf die Zahlen: „Wir leben sehr sicher hier im Landkreis.“ Ein Rückgang ist bei den Diebstahlsdelikten zu verzeichnen. Insgesamt gab es im vergangenen Jahr 1.790 Taten, das sind 77 weniger als im Vorjahr. 103 Mal wurde versucht in Wohnungen einzudringen, was allerdings nur 53 Mal gelang. „Hier zeigt sich der Erfolg der Präventionsarbeit“, erklärt Rusteberg denn viele Haus- und Wohnungsbesitzer hätten jetzt Einbruchsschutzmaßnahmen ergriffen, von Alarmanlagen über Sicherungen von Türen und Fenstern. Einen Zuwachs gab es bei den Rohheitsdelikten und Straftaten gegen die persönliche Freiheit. 1.244 Taten (+45) gab es im vergangenen Jahr zu verzeichnen, davon 799 Körperverletzungen. 257 Delikte davon fallen unter häusliche Gewalt. Einen Rückgang (-29) gab es bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (87) davon waren acht Taten aus dem Bereich der Kinderpornografie. „Hier müssen wir immer Kollegen finden, die sich die Millionen von Fotos angucken und klassifizieren. Dabei wird auch geschaut, ob die Fotos unter Umständen selbst gemacht wurden“, erklärt Exner den Aufwand, noch gebe es keine Computerprogramme, die diese Arbeit übernehmen könnten. In sieben Tötungsdelikten musste die Polizeiinspektion im vergangenen Jahr ermitteln. Alle seien aufgeklärt, berichtet Exner. „Wir setzen da viel Energie rein“, sagt er und verweist darauf, dass man zum Teil vier Mordkommissionen, die zumindest anfangs mit 15 bis 20 Beamten besetzt seien, gleichzeitig im Einsatz hatte. Seit vergangenem Jahr werden in Niedersachsen auch Delikte, die mit Stichwaffe ausgeführt werden, eigens erfasst. Das Messer sei ein schlimmes Werkzeug, das man überall bekommen kann und das zu schlimmen Verletzungen führt. Die Kollegen seien deshalb inzwischen mit besserer Ausrüstung ausgestattet: sicherere Handschuhe sowie Durchstich- und Durchschusshemden werden getragen. Außerdem würden die Polizisten entsprechend geschult, um sich gegen Angriffe mit Stichwaffen besser zu wehren. Einen unerfreulichen Anstieg gab es bei der Gewalt gegen Polizeibeamte. 2018 wurden erstmals auch gleichgelagerte Straftaten gegen Einsatzkräfte von Rettungsdiensten und Feuerwehren erfasst. In zwei Fällen wurden Retter im Einsatz bedroht und zudem noch vier Mal Opfer einer Körperverletzung. Insgesamt waren 48 Delikte (+11) zu verzeichnen. „Wir dürfen uns das staatliche Gewaltmonopol nicht aus der Hand nehmen lassen“, sagt Rusteberg und betont, dass die Neuerungen im §114 im Strafgesetzbuch, die das Strafmaß für solche Angriffe festlegen, wichtig seien. Perfide seien auch die nach wie vor intensiv betriebenen Maschen, ältere Menschen zu betrügen. Enkel-Trick, vorgetäuschte Gewinnversprechen, Schockanrufe, der Wasser-Glas-Trick und auch falsche Polizeibeamte werden täglich bei der Polizei gemeldet. „die Täter sind sehr gut geschult, selbst jüngere Menschen fallen inzwischen auf die Tricks ein“, erklärt Rusteberg. Zum Glück würden inzwischen viele das falsche Spiel der Betrüger erkennen und sich nicht darauf einlassen, sondern stattdessen die Polizei informieren. „Hinter den falschen Telefonanrufen, die zum Teil sogar eine Polizeinummer auf dem Display anzeigen, stecken richtige Callcenter. Dabei wählen Computer an und wenn jemand abnimmt, dann wird an einen Mitarbeiter durchgestellt“, schildert er die Professionalität, mit der die Täter vorgehen. Abschließend betonen Exner und Rusteberg, dass die Polizei immer auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen sei. Dank eines aufmerksamen Nachbars seien schon einige Einbrüche verhindert worden. (rgy)

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