156 Lastwagen und Busse überprüft / HALLO begleitet Aktion

Kontrolle auf der A7

Die Polizisten Gerd-Christian Kreip und Ralf Lorenz (links) lassen sich die Papiere von Fahrer Alexander Loschakow zeigen

REGION (rgy) – Der Parkplatz Leineholz an der A7 war am Donnerstag beidseitig gesperrt. Grund: eine großangelegte Lkw-Kontrollaktion der Polizeidirektion Göttingen. 96 Einsatzkräfte, davon 78 Polizisten aus Niedersachsen, Thüringen und Hessen sowie Mitarbeiter des Zolls, des Veterinäramtes und des Bundesamtes für Güterverkehr, checkten Laster und Fahrer auf deren Fahrtauglichkeit. Dabei wurde nicht nur ein Laster mit nicht sachgerecht transportierten Dönerspießen aus dem Verkehr gezogen, sondern auch abgenutzte Reifen und Bremsen sowie Fahrzeitüberschreitungen von den Einsatzkräften festgestellt.

Hintergrund der Aktion war die A7-Konferenz am 15. Juli, zu der der Göttinger Landrat Bernhard Reuter eingeladen hatte. Die schweren Lkw-Unfälle führen immer wieder auch zu langen Staus auf den Umleitungsstrecken. „Als eine der Maßnahmen wurden bei der Konferenz verstärkt Kontrollen vereinbart“, erklärt Reuter, der hofft, dass sich in der Folge weniger schwere Unfälle ereignen. Polizeipräsident Uwe Lührig betont, dass nicht nur kontrolliert wird, sondern auch ein Präventivteam dabei ist, das den Brummifahrern mit Fotos verdeutlicht, welche Folgen zum Beispiel leichtfertig verstaute Ware oder abgefahrene Reifen haben können. Insgesamt wurden 147 Lastwagen und neun Omnibusse kontrolliert.

Kontrollen auf der Autobahn 7

Die Beanstandungsquote lag bei 60 Prozent. Zusammen mit Geschwindigkeitsüberschreitungen leiteten die Einsatzkräfte in 235 Fällen Ordnungswidrigkeitenverfahren ein und sprachen 188 Verwarngelder aus. 13 Lkw-Fahrern wurde die Weiterfahrt untersagt. In einem Fall waren die technischen Mängel so gravierend, dass sie kurzfristig nicht behoben werden konnten. Außerdem wurde ein Flüchtling aus Eritrea, der sich auf der Toilette in einem Fernreisebus versteckt hatte, entdeckt. Er wurde in die Aufnahmestelle nach Friedland gebracht.

Lkw-Großkontrolle der Polizei auf der Autobahn 7 am Donnerstag: Einsatzleiter Peter Osburg von der Polizeidirektion Göttingen erklärt, dass die steigenden Unfallquoten Anlass für diese Aktion seien. Mit Ralf Lorenz und Gerd-Christian Kreip von der Polizeiinspektion Wolfsburg darf HALLO-Redakteurin Rosemarie Gerhardy die Kontrollmaßnahmen begleiten. Im Bulli geht es vom Parkplatz Leineholz über Feuerwehrzufahrten an den Straßenrand der A7.

Hier hat man den Autobahnverkehr gut im Blick, auch einige Polizeikollegen mit Motorrädern stehen in gleicher Mission daneben. Die beiden Polizisten lassen auch das Fenster runter, um auf Geräusche zu achten, denn manchmal kann man schon hören, dass etwas mit einem Fahrzeug nicht stimmt, erklären sie. Einige Lastwagen und Busse lassen sie vorüberziehen, dann machen sie einen Laster aus, der eine Delle an der Ladeklappe hat.

Schnell scheren sie in den fließenden Verkehr ein, setzen zum Überholen an, um rechtzeitig vor der Parkplatzauffahrt vor dem Laster zu sein, damit sie ihn herauswinken können. Am Parkplatz bitten sie Fahrer Alexander Loschakow zunächst um die Papiere, außerdem wird mit einem Stick der Fahrtenschreiber ausgelesen. Da der Laster laut Unterlagen Lebensmittel und Gefahrgut an Bord hat, wird der Veterinär benachrichtigt, damit er die Ladung genauer in Augenschein nimmt.

Technische Prüfung

Lorenz prüft aber erst die technischen Aspekte. Mit Rollbrett und Taschenlampe geht es unter den Auflieger, dort werden Bremsen und Reifen genau untersucht. Währenddessen benachrichtigt der Fahrer seine Spedition, dass er nicht pünktlich am Supermarkt in Bad Gandersheim die Ware ausliefern kann.

Dann kommt ein Mitarbeiter des Zolls, befragt Loschakow mit Hilfe eines Fragebogens zu seinen Arbeitszeiten und -bedingungen. Der Fragebogen wird später ausgewertet. Als nächstes spricht Verkehrssicherheitsberater Hans-Joachim Kliem den Fahrer an. In einer Mappe hat er Fotos, die nach Verkehrsunfällen mit Lkw, die beispielsweise die Ladung nicht richtig gesichert hatten, entstanden sind. Nichts für schwache Nerven, auch Loschakow ist sichtlich bewegt. Die Kontrolle seiner Ladefläche zeigt aber, dass alles vorbildlich gesichert ist.

Doch Lorenz hat einen Mangel an einem Reifen gefunden. Vor den Augen des Fahrers misst er die Profiltiefe nach. Sie entspricht nicht mehr den vorgeschriebenen 1,6 Millimetern. „Dafür bekommt er einen Mängelbericht, und der Reifen muss bis nächste Woche gewechselt werden“, erklärt Lorenz. Inzwischen ist auch der Veterinär, der zuvor noch einen Laster mit unsachgemäß transportierten Dönerspießen aus dem Verkehr gezogen hat, eingetroffen. Denn noch immer ist die Frage mit dem Gefahrgut in Kombination mit Lebensmitteln nicht geklärt. Der Fahrer vermutet, dass es sich um Deodorant oder Haarspray handeln könnte. Veterinär Fischer zieht sich einen weißen Kittel und Einmalschuhe über, klettert dann über die Ladefläche und die vordere Ladung, um sich einen Eindruck von der Verpackung zu machen. „Es gibt genaue Vorschriften, wie Lebensmittel transportiert werden müssen“, erklärt er, vor allem, wenn auch Gefahrgut mit dabei ist. Doch schon schnell klärt sich die Gefahrgutfrage auf, es handelt sich um Sprühsahne, die so deklariert wird, weil sie unter Druck steht. Also alles in Ordnung auf dem Laster.

In der Zwischenzeit hat Kreip die Daten des Fahrtenschreibers ausgelesen. „Es werden die Daten von heute und 28 Tage zurück kontrolliert“, erklärt Kollegin Maren Conradt. Dabei sind die Regeln sehr fest, wann und wie lange die Pausen eingelegt werden müssen. Doch die moderne Technik verrate den Fahrern sogar, ob sie den nächsten Zielort noch in der erlaubten Fahrzeit schaffen würden oder nicht. Nach viereinhalb Stunden Fahrzeit müsse auf jeden Fall eine 45-minütige Pause erfolgen. Allerdings gebe es auch Möglichkeiten, die Pause aufzusplitten.

Die Lenkzeitauswertung ergab dann für den Fahrer doch noch ein nicht so erfreuliches Ende der Inspektion. Vor genau 28 Tagen hatte er die Lenkzeit um eine Stunde und 42 Minuten überschritten, das kostet jetzt ein Bußgeld von 120 Euro. Rund eine Stunde dauerte die Kontrolle des Lastwagens. „Das ging noch recht schnell“, erklären Kreip und Lorenz, manchmal müsse zum Beispiel alles abgeladen werden, dann dauere es viel länger. Eine weitere große Kontrollaktion der Polizei ­– voraussichtlich wieder am Leineholz – ist für den Oktober vorgesehen, verrät Einsatzleiter Osburg beim Abschied.

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