Informationsveranstaltung der Gruppe Freie Wählergemeinschaft und Michael Tschernich

Windräder am Sonnenberg?

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So könnte es demnächst zwischen Berka und Katlenburg aussehen: Ein weiteres fünftes Windrad ist zudem in Planung.

KATLENBURG-LINDAU (rgy) – Die Niedersächsische Landesregierung hat am 5. Mai den Entwurf für den Windenergieerlass freigegeben. Er sieht einen starken Ausbau der Energiegewinnung mittels Windenergieanlagen vor, fordert Städte und Gemeinden auf, Windvorrangflächen auszuweisen, um somit einer „Verspargelung“ der Landschaft vorzubeugen. In Berka informierte am Donnerstag die Gruppe Freie Wählergemeinschaft und Michael Tschernich über die Vor- und Nachteile der Windenergieanlagen.

Zurzeit haben bereits Mitarbeiter von zwei Firmen, die Windräder betreiben, versucht, bei Landwirten in der Gemeinde Ländereien zu akquirieren. „So laufen bereits erste Planungen von Windrädern bei Berka und in Gillersheim, bisher seien die Grundstückseigentümer jedoch lediglich angefragt worden“, berichtet Michael Tschernich den rund 50 Zuhörern der Informationsveranstaltung. Da Windenergie bei der Bevölkerung sehr umstritten ist, sie aber ein wichtiges Standbein der Energiewende darstellt, müsse umfassend über das Für und Wider gesprochen werden. So gab Dr. Klaus Scherer zunächst einen Überblick über die verschiedenen Energieformen, deren Speicher- und Transportmöglichkeiten. Anschließend berichtete Diplom-Ingenieur Jörg Klapproth, Geschäftsführer der Windkraft Diemarden GmbH & Co. KG, die schon seit 1993 Windräder betreibt und der inzwischen 356 Gesellschafter angehören, über das Erfolgskonzept. Von 2013 bis 2015 haben acht Windkraftanlagen circa 60 Millionen Kilowattstunden erzeugt, dieser Strom reicht für circa 7.500 Haushalte. Zudem warb er dafür, die Stromerzeugung zu „demokratisieren“, also in Bürgerhand zu nehmen. Dem pflichtet in der anschließenden Diskussion Wilhelm Sonntag aus Schwiegershausen bei, der von den positiven Erfahrungen mit den Windkraftanlagen in seinem Heimatort berichtete. Er warnte jedoch vor zu hohen Pachtversprechungen, die es zum Teil seitens fremder Projektierer gäbe. Kritisch setzte sich Dr. Gerd Busse, vom „Bürgernetzwerk Energiewende“ in seinem Referat mit den Windkraftanlagen auseinander. Er warnte vor Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen beispielsweise wegen des Infraschalls und der optischen Bedrängung wie das Blinken der Leuchtfeuer. Zudem würde die Vogelwelt bedroht. Den jetzt im Erlass vorgesehenen Abstand von 400 Metern zur nächsten Bebauung hält er für völlig unzureichend und fordert mindestens die 10-fache Anlagenhöhe. Windkraft sei zudem zu schwankend, so dass es nicht möglich sei, konventionelle Kraftwerke abzuschalten und mit Energie aus Windkraft zu ersetzen. Stadtplaner Dirk Puche warnte im Anschluss vor einer Polarisierung der Gesellschaft. Wenn keine Windvorrangflächen im Flächennutzungsplan ausgewiesen sind, dann seien laut Baugesetzbuch die Windkraftanlagen recht niedrigschwellig angelegt. Sinnvoll wäre es aus seiner Sicht, wenn der Landkreis diese Planung übernehmen würde. Evelin Martynkewicz von den Freien Wählergemeinschaft empfahl, ein bis zwei Flächen auszuweisen, die für die Bewohner erträglich sind, auch wenn dies Geld kostet. Auf den Landkreis habe man lange genug gewartet.

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