Doris Schröder-Köpf zu Gast im Northeimer Café Dialog

"Jeder kommt von irgendwo"

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Doris Schröder-Köpf (4. v. l.) informiert sich über Integrationsprojekte im Landkreis Northeim: Elfriede Gebhard-Pahmeier (von links) und Moringens Bürgermeisterin Heike Müller-Otte berichten MdL Frauke Heiligenstadt und der Landesbeauftragten vom Moringer Bürger­theater.

Northeim – Auf Einladung der MdL Frauke Heiligenstadt besuchte Doris Schröder-Köpf, MdL und niedersächsische Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe, Northeim. Im Café Dialog stand sie der Bevölkerung für Fragen und Anregungen im Rahmen des Themas „Gut in Vielfalt leben!?“ zur Verfügung.

Noch vor der Podiumsdiskussion nutzte Schröder-Köpf die Gelegenheit, um sich über verschiedene Gruppen aus dem Landkreis zu informieren. Mit dabei waren unter anderem der Internationale Garten Northeim, das Café Dialog der Werk-statt-Schule und das Bürgertheater Moringen, das die Landes­beauftragte mit einigen Zeilen aus ihrem seinem diesjährigen Stück „Romeo und Julia“ begrüßte. Gemeinsam mit Bürgermeister Simon Hartmann und Fachbereichsleiterin Café Dialog Yvonne Mascioni stellte sich Schröder-Köpf unter der Moderation von Heiligenstadt den Fragen der Bürger. Migration und Integration seien wichtige Themen denn „Jeder kommt von irgendwo her“, erklärte Schröder-Köpf. Dabei gehe es nicht nur um die neueste Generation Geflüchteter der vergangenen Jahre. Es sei ein Thema, das spätestens seit dem Ende des zweiten Weltkriegs und über die Hilfs­arbeitermigration der 60er und 70er Jahre große Bedeutung in Deutschland hat. „Alle Seiten können davon profitieren, wenn man es richtig macht“, bekräftigte sie. Auch ehrenamtliche Organisationen, die nicht in erster Linie Integrationshilfe bieten, sind dabei starke Partner und profitieren von Neuankömmlingen. THW und Feuerwehr können das zusätzliche Engagement neuer Bürger brauchen, um ihre Einsatzstärke zu verbessern und zu erhalten. Dass es sich bei Migration und Integration um Themen handelt, die immer wichtig sind, zeige sich an der überwältigenden Resonanz zur Veranstaltung, wie Heiligenstadt erklärt. Über 70 Gäste haben sich im Café Dialog eingefunden. „Das Thema ist immer zeitgemäß und wird auch wieder wichtiger“, pflichtet ihr Hartmann bei. Auch in Northeim sei das Thema nicht neu. Spätestens seit den 70er Jahren, als Conti massiv Arbeitskraft benötigte, seien viele Arbeiter aus dem Ausland in das Quartier um das Café Dialog gezogen. Als besondere Herausforderung in Integrationsfragen für die Zukunft würden häufig Finanzierung und Langzeit­motivation gesehen. „Der lange Atem lässt nach“, berichtete auch Mascioni, dass sich das Ehrenamt verändert habe. Immer häufiger müssten sie sich für ihr Engagement rechtfertigen und rechten Parolen widerstehen. In solchen Fragen müsse das Ehrenamt beständig unterstützt und seine Arbeit wertgeschätzt werden, betonte Schröder-Köpf. Auch Hartmann bemerke immer häufiger Plattitüden, die sich häufig gegen die Schwächsten in der Gesellschaft richteten. „Dafür ist dann Geld da“, höre er häufig, wenn Geld in Schulen, Kindergärten oder den ÖPNV gesteckt werde. Dies sei jedoch gut für alle und helfe besonders denen, die unter dem Schnitt liegen. Erst kürzlich habe er einen Schrottspielplatz besucht, der trotzdem gut frequentiert war. „Die Kinder gehen dort hin, weil sie sonst nichts haben, wo sie hin können. Da müssen wir etwas verbessern“, beurteilte er die Situation. Auch Fehler der Vergangenheit, wie zum Beispiel, dass Frauen, die in Familien zuhause geblieben sind und heute kaum Deutsch können, müssten in Zukunft vermieden werden. Bei den Fragen und An­regungen hob Ellen Deilke von der Flüchtlingshilfe Moringen hervor, dass Briefe an Flüchtlinge katastrophal formuliert seien. Selbst den deutschen Muttersprachlern, die den Geflüchteten in solchen Fällen zur Seite stehen, hätten häufig Schwierigkeiten, diese zu verstehen. Hierbei bestehe immer das Problem, dass amtliche Schreiben rechtssicher formuliert sein müssten und somit auch komplexer verfasst sind, erklärte Heiligenstadt. Eine Übersetzung in einfache Sprache sei zwar möglich, jedoch auch aufwändig. Elfriede Gebhard-Pahmeier, die sich unter anderem im Bürgertheater Moringen engagiert, berichtete vom Fall eines Flüchtlings, in dem die Kontaktversuche mit den Behörden scheiterten. „Man fühlt sich veräppelt“, erklärte sie. „In solchen Fällen können Sie sich an mich wenden“, bot Schröder-Köpf an. Gemeinsam mit ihrem Team be­arbeite sie schwierige Fälle in denen unter anderem Abschiebung drohe. „Wir können nicht zaubern“, betonte sie, jedoch seien ihnen die richtigen Mittel und Wege bekannt. Gleichzeitig wünschte sie sich mehr Spielraum in solchen Fällen. Die Landes­beauftragte und ihr Team sind unter 0551/1674300 oder per E-Mail an info@schroeder-koepf.de zu erreichen. Weitere Informationen gibt es auch unter www.schroeder-koepf.de. (sth)

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