Jugendliche drehen Film über Artenvielfalt im Naturschutzgebiet Weper

„Green Cut“ in Moringen

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Alina und Martin drehen unter Anleitung von Herbert Dohlen im Naturschutzgebiet Weper: Der Fokus liegt auf dem Mikrokosmus.

MORINGEN (rgy) – Mit Kamera, Fotoapparat und Bestimmungsbuch in der Hand machten sich in der letzten Schulwoche vor den Ferien Schüler der siebten und achten Klasse der KGS Moringen auf, um das Naturschutzgebiet Weper zu erkunden. Was hier so kreucht und fleucht galt es unter Anleitung von Filmemacher Herbert Dohlen vor die Linse zu bekommen. Ziel ist, einen 15-minütigen Film zu produzieren, der über die Artenvielfalt dieses besonderen Biotops informiert.

„Wir gehen auf filmische Jagd“, beschreibt Dohlen die Arbeit. Es gilt nicht, die großen Tiere vor die Kamera zu bekommen, sondern den Blick für den Mikrokosmos zu schärfen. Kamille erkennen fast alle Schüler noch, auch Heuschrecken, doch bei den Orchideen und den zahlreichen Schmetterlingen hört das Wissen der Schüler auf. Da müssen mit dem Bestimmungsbuch die Arten zugeordnet werden. „Die Schmetterlinge fühlen sich hier wohl, weil es viele Blüten gibt und es warm ist“, berichtet Kevin. Und Martin weiß, dass der Klimawandel ein Problem für das Naturschutzgebiet Weper darstellen kann. Ruhig nähern sich die Schüler den Insekten, um sie in ihrem Lebensraum zu filmen und zu fotografieren. Genau werden auch die hier wachsenden Orchideen betrachtet und filmisch festgehalten. Dazu heißt es dann auch in die Knie zu gehen, um die richtige Perspektive zu bekommen. Nur die Bremsen, die des Öfteren die Schüler stechen, sind lästig bei der Arbeit. „Aber das geht wieder weg“, nimmt es Florian gelassen. Die Arbeit im Naturschutzgebiet ist Recherche für einen Film, der dann im neuen Schuljahr von Schülern der Oberstufe fertig ausgearbeitet wird. Er ist der erste von 15 weiteren Filmen, die bundesweit im Rahmen des Projektes „Green Cut – Jugend filmt biologische Vielfalt“ von der Göttinger Gesellschaft für Solidarität und Partnerschaft (Gespa), deren Vorsitzender Dohlen ist, produziert werden. Ziel der Filme ist es, einer breiten Öffentlichkeit die Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen und ihre nachhaltige Sicherung zu vermitteln sowie jungen Menschen die Natur näher zu bringen. Geplant ist, die Filme in Kinos und im Internet zu zeigen. Der NDR hat ebenfalls in Moringen die Schüler bei den Filmarbeiten begleitet und wird einen Beitrag darüber bringen, berichtet Dohlen, der das Projekt vom Bundesumweltministerium und der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung finanziert bekommt. Das hügelige Gelände, das sich zwischen Fredelsloh und Hardegsen erstreckt, ist eines der größten und artenreichsten Halbtrockenrasengebiete Niedersachsens. Die Trockenrasen, die an den zum Teil sehr steilen Hängen der Weper liegen sind im 19. Jahrhundert aus Abholzung und Beweidung entstanden. Sie sind nährstoff- und wasserarm, in Bodennähe können im Sommer bis zu 60 Grad erreicht werden. Der ideale Lebensraum für seltene Orchideen oder wärmeabhängige Tiere wie Insekten, Spinnen und Reptilien. Viele Spezies der „Roten Liste der gefährdeten Arten“ finden an der Weper ihr Rückzugsgebiet. Doch noch ein weiterer Aspekt macht das Naturschutzgebiet bei Fredelsloh zu einem besonderen Lebensraum. Denn es besteht wie ein Mosaik aus offenen Flächen und verwaldeten oder verbuschten Zonen, erklärt Dohlen.

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