Probenstart bei den Gandersheimer Domfestspielen

Ensemble im Probenzentrum begrüßt

Intendant Achim Lenz begrüßt das Ensemble im großen Saal des neuen Probenzentrums in Bad Gandersheim.
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Intendant Achim Lenz begrüßt das Ensemble im großen Saal des neuen Probenzentrums in Bad Gandersheim.

Bad Gandersheim – „Morgen ist jetzt – erst recht“: Das motivierende Motto der 62. Spielzeit gibt den Takt vor für den Theatersommer 2021 in Bad Gandersheim, der am Montag, 17. Mai, mit dem Probenstart inoffiziell begonnen hat. Im neuen Probenzentrum der Gandersheimer Domfestspiele hat sich das diesjährige Ensemble von Niedersachsens größtem professionellen Freilichttheater im großen Saal erstmals getroffen – dort können alle Hygiene-Auflagen eingehalten werden. Erste Absprachen zwischen den Menschen auf, vor und hinter der Bühne standen auf der Disposition des ersten Tages, in dieser Woche beginnen dann für alle vier Hauptstücke die Proben – zunächst in den großzügigen Räumen des neuen Probenzentrums, später dann Schritt für Schritt auch auf der Festspielbühne auf der Stiftsfreiheit unter freiem Himmel. Dort bereitet derweil seit Tagen die Technik-Crew nach dem Tribünenaufbau die vielen Details vor, die zu berücksichtigen sind, damit zu den ersten Premieren alles bereit ist.

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Gandersheimer Domfestspiele gGmbH, Uwe Schwarz MdL, begrüßte die Mitglieder des Ensembles – die Darsteller ebenso wie Kostümbildnerinnen, Regisseure oder Tontechniker. Endlich sei Leben im neuen Probenzentrum, freute sich Intendant Achim Lenz in seiner Begrüßung. Alle Beteiligten gehen davon aus, dass sich die Pandemie-Lage durch die Einhaltung der Hygiene-Vorschriften, durchs Impfen und durch Testangebote sowie den achtsamen Umgang untereinander in den nächsten Wochen entspannen und im Sommer dann Theater unter freiem Himmel möglich sein wird. Für die Probenzeit haben die Gandersheimer Domfestspiele ein detailliertes Hygienekonzept erarbeitet und mit den Gesundheitsdiensten des Landkreises Northeim abgestimmt. Dr. Peter Ruhnau aus Greene steht in diesem Jahr als Festspielarzt zur Verfügung und hat das Ensemble mit diesem Hygienekonzept vertraut gemacht. Das für die Zeit der Vorstellungen geltende weitere Hygienekonzept befindet sich noch in der Abstimmung mit dem Landkreis Northeim.

Auf dem Spielplan 2021 stehen die Stücke, die schon im vergangenen Sommer vor dem Dom zu sehen sein sollten: • der Klassiker Goethes „Faust“ (Premiere: 2. Juli), inszeniert von Intendant Achim Lenz; • die musikalische Komödie „Die Drei von der Tankstelle“ (Premiere: 25. Juni) nach dem gleichnamigen Ufa-Tonfilm (Regie: Sandra Wissmann); • das Tanz-Musical „Flashdance“ mit den Hits der 80-er Jahre (Premiere: 9. Juli), inszeniert und choreografiert von Marc Bollmeyer; • das Kinder- und Familienstück „Das Dschungelbuch“ (Premiere: 20. Juni) in einer eigenen Fassung von Sarah Speiser und Jennifer Traum. • Hinzu kommt „Al dente – Ich bin hier le chef“ (Wiederaufnahme ab 10. August) mit Fehmi Göklü im großen Saal des neuen Probenzentrums.

Wer spielt was? Die Besetzungen der Hauptrollen hat sich zu den Planungen fürs vergangene Jahr nicht verändert: Alexander Wipprecht wird der Faust vor dem Domportal in Bad Gandersheim sein. „Er verkörpert für mich die junge Generation von Schauspielern, die mit Goethes Sprache präzise und kunstvoll, aber nicht altbacken und starr umgehen, sondern solche Texte wieder mit Leben füllen und authentische Figuren auf die Bühne bringen“, sagt Regisseur Achim Lenz. „Mit Alexander kehrt außerdem ein Schauspieler auf die Bühne vor der Stiftskirche zurück, der inzwischen Fernsehkarriere gemacht hat und einem Millionenpublikum durch die ZDF-Heute-Show mit Oliver Welke bekannt ist.“ Felicitas Heyerick ist in zwei völlig verschiedenen Rollen zu sehen. Die bekannte Darstellerin aus der Schweiz spielt die umschwärmte Lilian in „Die Drei von der Tankstelle“ und den Mephisto in „Faust“. Mephisto müsse nicht zwingend von einem Mann gespielt werden, meintt Intendant Achim Lenz, der Goethes Klassiker selbst inszeniert. Die Rolle des gefallenenen Engels bei Goethe sei geschlechtsneutral. Achim Lenz: „Felicitas Heyerick besitzt eine breite Pallette an Spielmöglichkeiten, ob männlich, androgyn oder weiblich, sie spielt bewusst mit diesen Klischees der Geschlechterzuordnung und weiß die jeweiligen Register zu ziehen.“

Sven Olaf Denkinger, Johannes Kiesler und Guido Kleineidam sind die „Drei von der Tankstelle“. Das Trio wird zweifellos einen der ins Ohr gehenden Evergreens des Theatersommers vor der Stiftskirche singen: „Ein Freund, ein guter Freund“. Regisseurin des auf dem Ufa-Film mit Heinz Rühmann basierenden Musicals ist Sandra Wissmann, die auch die Marlene-Dietrich-Edith-Piaf-Reminiszenz „Spatz und Engel“ inszeniert hat. Ferdinand von Seebach ist der musikalische Leiter des Stückes und wird die unvergesslichen Musiknummern wie „Ein Freund, ein guter Freund“, „Liebling, mein Herz lässt dich grüßen“ oder „Hoppla! Jetzt komm ich!“ neu arrangieren und diese ebenso wie viele andere Lieder mit Musikern live auf der Bühne spielen. Auch das Traumpaar für das Musical „Flashdance“ in Bad Gandersheim bleibt, wie es für 2020 bereits geplant war: Sarah Kornfeld und Tim Müller werden mit ihren Kolleginnen und Kollegen auf der Bühne „What a feeling“ oder „Maniac“ erklingen und die 80-er Jahre wieder aufleben lassen. Die junge Österreicherin ist zum ersten Mal bei den Gandersheimer Domfestspiele dabei. „Es ist mir die größte Freude und Ehre, die Rolle der Alex Owens spielen zu dürfen“, sagt Sarah Kornfeld. „Es geht nicht nur ein kleiner, sondern ganz großer Traum für mich Erfüllung.“ Tim Müller kehrt als Nick in „Flashdance“ auf die Bühne der Gandersheimer Domfestspiele zurück, nachdem er als „Berger“ im Musical „Hair“ vor der Stiftskirche Erfolge feiern konnte.

Stephan Luethy spielt die Hauptrolle des Mogli im Kinder- und Familienstück „Das Dschungelbuch“. Der sympatische Schweizer hat bereits in den vergangenen Jahren als Löwe in „Der Zauberer von Oz“ oder als „Peter Pan“ bei den Gandersheimer Domfestspielen das Publikum begeistert. Jan Kämmerer, ebenfalls eine feste Größe im Festspielensemble, wird den Balu spielen.

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