Nur 25 Prozent der Termine im Impfzentrum Northeim an Bewohner des Landkreises vergeben

Chaos bei Terminvergabe

Vorbereitung Corona-Impfung
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Mit den Impfungen der über 80-Jährigen kann in Kürze begonnen werden. Dass die meisten Termine aber nicht für die Bürger des Landkreises reserviert wurde, kritisiert die Landrätin.

Landkreis Northeim – Über 80-jährige Bürger können seit Donnerstag unter 0800/9988665 oder unter www.impfportal-niedersachsen.de theoretisch einen Impftermin reservieren. Jedoch waren sowohl die Hotline als auch das Internetportal bereits direkt nach der Freischaltung heillos überlastet. Die wenigen Online-Termine waren bereits nach wenigen Minuten vergeben, bei der Hotline war kaum ein Durchkommen möglich.

„Wir hatten alleine während der ersten Stunde schon 700.000 Anrufe“, berichtet Anne Hage, Pressesprecherin des Niedersächsischen Sozialministeriums. 5,9 Millionen Zugriffe gab es während der ersten  90 Minuten auf das Internetportal. Bezüglich der Online-Terminvergabe empfiehlt sie, es immer wieder zu versuchen, da immer wieder neue Termine freigegeben werden. Auch beim Versand der SMS, die für die Terminbuchung im Onlineportal notwendig sind, entstand innerhalb kürzester Zeit ein Rückstau. So wurden bis 8.20 Uhr zwar schon 25.000 SMS versandt, mehr als 70.000 gingen jedoch erst verspätet ein, so dass der  Online-Buchungsvorgang erneut gestartet werden musste. Viele der 50 Impfzentren im Land können zudem derzeit noch keine Termine zur Verfügung stellen, weil ihnen dazu der Impfstoff fehlt oder sie die vorhandene Menge benötigen, um alle Bewohner in den Alten- und Pflegeheimen in ihrem Einzugsgebiet zu impfen. Wer über die Hotline aber einen Wartelistenplatz für eines der Impfzentren erhalten konnte, bekommt automatisch einen Termin zugewiesen, sobald vor Ort Impfstoff zur Verfügung steht. Alle, die einen Platz auf der Warteliste haben, werden regelmäßig darüber informiert und müssen von sich aus keine weiteren Anläufe unternehmen, um einen Termin zu erhalten. Kommende Woche soll auch auf dem Onlineportal eine Warteliste angeboten werden. Nach dem aktuell bekannten Stand der Stadt Northeim wird es im Februar zunächst nur etwa 60 bis 100 Impftermine pro Woche geben. Ein Grund: Es wird nicht genügend Impfstoff nach Deutschland und damit auch nach Niedersachsen geliefert. Dennoch können die ersten Impftermine im Landkreis voraussichtlich ab dem 8. Februar möglich sein. 

Für das Impfzentrum in Northeim waren im Vorfeld 180 Terminangebote in das System des Landes eingegeben worden. Der Schwerpunkt der Impfbemühungen liegt im Landkreis Northeim allerdings auch weiterhin in den Alten- und Pflegeheimen. Laut Angaben des Landkreises Northeim sind von den 180 Terminen im Impfzentrum allerdings nur 45 (25 Prozent) an Personen aus dem Landkreis Northeim gegangen sind. So werden ab dem 8. Februar auch Impfberechtigte aus den Landkreisen Hildesheim, Göttingen, Hameln-Pyrmont, Holzminden, Salzgitter, Hannover und Goslar in Northeim geimpft. Dies hängt damit zusammen, dass man bei der Terminvereinbarung – je nach Terminverfügbarkeit – grundsätzlich wählen kann, wo man geimpft werden möchte. Die 50 Impfzentren in Niedersachsen sind somit als Netzwerk zu sehen, welches den Impfwilligen zur Verfügung steht. „Den sich daraus ergebenden Impftourismus sehe ich, gerade auch in Pandemiezeiten, äußerst kritisch“, meint Landrätin Astrid Klinkert-Kittel. Eine weitere Folge sei auch, dass der Landkreis vollkommen die Übersicht über die Impfquote der Kreiseinwohner verliere. „Wir erfahren nämlich nicht, welche Personen aus dem Landkreis Northeim in einem anderen Landkreis geimpft wurden“, so die Landrätin weiter. Leider reisen immer wieder auch Personen direkt zum Impfzentrum in Northeim an, um dort einen Termin zu buchen oder sich direkt impfen zu lassen. Beides ist aber so nicht möglich. Die Terminvergabe oder Terminreservierung sind ausschließlich über das Land möglich: entweder über die Telefonnummer 0800/9988665 oder per Internet.

„Ich bin sehr froh, dass jetzt zwei Impfstoffe zur Verfügung stehen und die Impfungen durch die mobilen Teams und auch im Impfzentrum gestartet sind und hoffentlich weiter an Fahrt aufnehmen. Die Impfungen ebnen uns den Weg zurück in unser selbstbestimmtes Leben. Als Stadt Northeim leisten wir einen aktiven Beitrag zur Pandemiebekämpfung, in dem wir die Stadthalle als Impfzentrum zur Verfügung stellen“, erklärt Northeims Bürgermeister Simon Hartmann. Zudem hat die Stadt Northeim ergänzend zum Schreiben des Landes Niedersachsen ein eigenes Schreiben an die über 80-Jährigen versandt, um auf die Vorgehensweise bei der Terminvergabe hinzuweisen. Als weiteres Serviceangebot schaltet die Stadt eine Telefonhotline, die bei Fragen zum Thema Impfungen ergänzend genutzt werden kann. Unter 05551/966418 ist der Service montags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr sowie freitags von 8 bis 13 Uhr erreichbar.  „Das Virus ist gefährlich. Bitte nutzen Sie die Möglichkeit der Impfung, auch wenn für die Terminvergabe und die sukzessive Impfung weiterer Bevölkerungsgruppen ein langer Atem erforderlich ist“,  appelliert Hartmann an alle Bürger. Mit der Terminreservierung erhalten die Menschen der Alterskohorte zwei Termine, die unbedingt beide wahrgenommen werden müssen. Nur wer sich zweimal impfen lässt, bekommt den vollen Impfschutz. Nach der Reservierung des Termins erhält man eine schriftliche Bestätigung und eine Wegbeschreibung. Das Impfzentrum für den Landkreis befindet sich in der Stadthalle Northeim, Medenheimer Straße 4, und ist barrierefrei erreichbar.  Wer gesundheitsbedingt auf einen Einzeltransport angewiesen ist, sollte mit seinem Hausarzt sprechen und sich eine Transportbescheinigung geben lassen. Vorsorglich sollte mit der Krankenkasse geklärt werden, ob eine Kostenübernahme erfolgt. Falls die Krankenkasse die Kosten nicht übernimmt, kann die ärztliche Transportbescheinigung mit der Rechnung für eine Kostenerstattung beim Impfzentrum eingereicht werden. Zum Impftermin mitzubringen sind die Terminbestätigung, der Ausweis und wenn vorhanden der Impfpass. Auch Informationen zu Vorerkrankungen oder ein Medikamentenplan sollten nach Möglichkeit mitgebracht werden.  Im Fall einer Verhinderung ist rechtzeitig die Stelle, bei der die Anmeldung erfolgte, zu informieren. Sollte es Personen nicht mehr möglich sein, ihr Haus zu verlassen, kann eine Impfung zuhause erfolgen – aber erst dann, wenn in Europa ein Impfstoff zugelassen ist, der keine durchgehende Kühlung benötigt und daher auch vom jeweiligen Hausarzt verimpft werden kann. Damit wird spätestens im Frühsommer gerechnet.

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