Betty Ludwig päppelt kleine Fellnasen auf

Ein Herz für Katzenkinder

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Mit geübtem Griff: Betty Ludwig beim Füttern des erst drei Wochen alten Findelkindes.

Hohnstedt – Die Küche von Betty Ludwig in Hohnstedt ist in diesen Tagen eine Kinderstube. Die erst drei Wochen alten Katzenbabys Carlo, Cara und Carla laufen tapsig über den Fußboden, entdecken neugierig die Welt, beschweren sich, wenn sie nicht schnell genug Milch bekommen.

Nach der Fütterung schlafen sie dicht aneinander gekuschelt an einem flauschigen Körnerkissen ein. Dass es ihnen so gut geht, haben die Findelkinder Ludwig zu verdanken. Alle drei Stunden füttert sie die Kleinen mit warmer spezieller Katzenmilch, massiert ihre Bäuchlein, um die Verdauung anzuregen und hat auch sonst ständig das Wohlergehen ihrer Schützlinge im Blick. „Die Drei brauchen viel Nestwärme“, berichtet Ludwig, sie wurden ohne Mutter in einer Scheune in Hullersen gefunden. Zwei weitere Geschwister sind bei einer anderen Pflegestelle untergekommen. Denn bei Ludwig war kein Platz mehr. Sie hat damit auch alle Hände voll zu tun und freut sich, dass Nele, eine Schülerin aus dem Ort, sie fleißig bei der Pflege unterstützt. Ihre drei eigenen Katzen, Gandhi, Fräulein Smilla und Jeanie, sind sich indes nicht ganz sicher, was sie von dem Gewusel in der Küche halten sollen. Jeanie findet die Kitten komisch, Gandhi ist sich noch nicht sicher, ob sie ein interessantes Spielzeug sind und Fräulein Smilla hält sich vornehm zurück. Neben den drei nur 300 Gramm schweren Fellnasen, kümmert sich Ludwig um vier weitere Kitten, die im April auf die Welt gekommen sind. Diese Katzenkinder hat sie in einer eigens eingerichteten Katzenstube untergebracht. Die Mutterkatze war sehr scheu und unnahbar. Sie ist kurz nach der Geburt ihrer Kinder verstorben, berichtet Ludwig traurig. „Ich habe schon jede Katze umgedreht bekommen, wenn sie scheu war, aber diese leider nicht und dann lassen sie sich nicht mehr helfen“, schildert die Tierliebhaberin. Oft übernehmen auch die Kitten das Verhalten der Mütter, so dass es dann auch in der nächsten Generation Probleme mit der Gewöhnung der Katzen an die Menschen gibt. Nicht so bei den Kleinen in Ludwigs Obhut. Sie werden gehegt, gepflegt und auch medizinisch versorgt. Das tägliche Wiegen gehört hier ebenso dazu, wie das Kuscheln und Spielen mit den lebhaften Samtpfoten. Zwei weitere Katzenkinder stammen aus Moringen. Sie hatten sich dort in einem Netz verfangen und konnten zum Glück gerettet werden. Oben im Katzenbaum thront die einjährige Lola und betrachtet aus angemessenem Abstand, die tobenden Kleinen. „Es ist wichtig, dass die Katzenkinder auch eine ältere Katze haben, an der sie sich orientieren können“, erklärt Ludwig. Lola nimmt das Gewusel zu ihren Pfoten gelassen hin. Lola stammt aus Teneriffa, ebenso wie Pepa, die im Nachbarzimmer untergebracht ist. Ludwig unterstützt hier eine Initiative, die sich um verwahrloste Katzen kümmert. Ansonsten arbeitet sie aber seit 2011 eng mit dem Katzenteam Einbeck zusammen. Zurzeit leben neu die Kitten Nummer 79 bis 81 bei ihr, das heißt, dass sie nunmehr rund 80 Katzenkindern einen guten Start ins Leben bereitet hat. Die Arbeit übernimmt sie nicht nur mit viel Herzblut, sondern auch finanziell, bringt sie einiges mit ein. Die Tierarztkosten für Medikamente und Impfungen übernimmt aber das Katzenteam, berichtet sie. Dennoch ärgert es sie, wenn potenzielle Interessenten an den Katzen noch versuchen zu feilschen. 30 Euro kosten die Kitten, wenn sie in die Vermittlung gehen, je nach Impfung kommen dann noch anteilig zehn Euro dazu. Aktuell brauchen die Kleinen aber noch ein bisschen, bis sie wechseln können. Erst Anfang bis Mitte Juli sind sie soweit umzuziehen. „Dann werden sie über die Homepage des Katzenteams in Einbeck angeboten, außerdem inseriere ich sie noch bei Ebay“, erklärt Ludwig, die aber ein genaues Auge darauf hat, wer ihre Schützlinge bekommt, denn sie möchte sie in ein gutes Katzenleben entlassen. „Es wird dann auch über das Katzenteam ein Tierschutzvertrag abgeschlossen“, schildert sie, „und ich fahre gern hinterher nochmal hin und gucke, wie es den Katzenkindern geht.“ Es fällt Ludwig nicht immer leicht, sich von den Päppelkatzen zu trennen. „Aber ich kann nicht alle behalten, dann wäre ja kein Platz mehr für neue“, erklärt sie ganz pragmatisch. Sie setzt sich zudem sehr für eine Kastrationspflicht ein, um weiteres Katzenelend zu verhindern. „Katzen sind inzwischen so domestiziert, dass sie ohne den Menschen krank werden und leiden. Sind sie einmal wild, ist es ganz schwer, ihnen noch zu helfen, da sie unnahbar werden“, erklärt Ludwig und hofft, dass die Kastrationspflicht auch bald in Northeim eingeführt wird. (rgy)

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