Beratungsbedarf im Café Dialog / 100 Flüchtlinge und Migranten pro Woche

Alle wollen sich einbringen

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Eines der erfolgreichen Projekte des Café Dialogs: Das Zeitzeugenprojekt setzt sich mit den Erfahrungen bei der Flucht früher und heute auseinander.

LANDKREIS NORTHEIM (rgy) – Sie kommen aus über 50 Ländern: die rund 300 Asylbewerber und weit mehr Migranten, die zurzeit im Landkreis Northeim leben. Unterstützung gibt es für die Neuangekommenen unter anderem von der Landkreisverwaltung. Doch der Beratungs- und Orientierungsbedarf sowie die Unterstützung für den Alltag und in Bezug auf den Spracherwerb sind enorm hoch. So stellen rund 100 Menschen pro Woche Anfragen oder nehmen an Angeboten wie Qualifizierungen und Infoveranstaltungen im Café Dialog teil. Das Café Dialog ist eine Einrichtung der Werk-statt-Schule. Doch die Finanzierung ist vollständig an Projektförderungen gebunden und deshalb von Spenden und Fördermitteln abhängig. Auch für 2015 gibt es bislang noch Finanzierungslücken.

„Wir wünschen uns eine verlässliche Basis für langfristige Integrations- und Flüchtlingsberatung“, betont Yvonne Mascioni vom Café Dialog. Viele der Flüchtlinge seien sehr motiviert, möchten schnell die deutsche Sprache lernen und in den Arbeitsmarkt aufgenommen werden. Doch noch immer gibt es für Asylbewerber keine Sprachkursförderung, bemängelt Mascioni. Im Café Dialog vermitteln Ehrenamtliche Flüchtlingen die deutsche Sprache. Dafür hat das Café Dialog eigens acht Materialkoffer zusammengestellt, die Lehrbücher, Lernspiele und ähnliches enthalten. Die Nachfrage daran sei auch in anderen Städten groß, berichtet Mascioni. „Eigentlich wollen alle die Sprache lernen und Kontakte haben“, betont sie. Während der Sprachvermittlung ergeben sich aber oft auch weiterreichende Fragen, „da geht es nicht nur um Deutschlernen, allein schon bei der Frage nach den Familienmitgliedern kann es sein, dass man gemeinsam in belastende Erinnerungen eintaucht“. Daraus ergibt sich ein Informations- und Beratungsbedarf bei den Ehrenamtlichen. Zurzeit möchten sich viele engagieren, jedoch muss das organisiert und begleitet werden. „Für die Beratung und die Schulung der Ehrenamtlichen benötigen wir dringend Ressourcen“, sagt Mascioni.

Das Café Dialog wurde bislang als alleiniger Ansprechpartner für Flüchtlingsberatung bei Behörden und Institutionen genannt und war damit im Jahr 2014 überlastet. „Wir helfen, wo wir können“, betont Mascioni, „erfreulicherweise konnte man ja vor Weihnachten aus der Presse entnehmen, dass der Landkreis die Einrichtung von Flüchtlingssozialarbeit plant. Das wäre großartig und hilfreich für unsere Arbeit.“ Aktuell arbeiten im Café Dialog fünf hauptamtliche Mitarbeiterinnen, die zwölf Sprachen sprechen, mehrere Honorarkräfte, die als Dolmetscher circa 25 Sprachen sprechen, sowie zunehmend Ehrenamtliche. Auch Flüchtlinge selbst bringen sich ehrenamtlich ein, vermitteln ihr bereits gewonnenes Wissen an neue Flüchtlinge.

Im Rahmen der Jahresabschlussfeier mit über 100 Besuchern zeigte das Team Einblicke in die Arbeit 2014. In einem besonders eindrücklichen Auftritt erzählten Flüchtlinge selbst Fragmente ihrer Flucht und den damit verbundenen Hoffnungen und Ängsten. Diese Art von Lesung soll auch in diesem Jahr an anderen öffentlichen Orten im Landkreis ermöglicht werden. Weitere Informationen gibt es unter http://cafedialognortheim.jimdo.com oder unter 05551/58946920.

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