„Wir wollen, dass man uns sieht“

Bewusstseinsbildung

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Talkrunde zum Thema „Inklusion“: Moderatorin Maria Grunwald (Mitte) spricht mit Carolin Reulecke und Tan Caglar.

LAMSPRINGE Neujahrsempfang der Lammetal GmbH: In einer Talkrunde, die von der Berliner TV-Journalistin Maria Grunwald moderiert wird, geben Carolin Reulecke sowie Tan Caglar, der als Botschafter für Inklusion unterwegs ist, einen Einblick, wie inklusiv Deutschland eigentlich ist.

Für Caglar ist der Begriff „Inklusion“, den er eigentlich ebenso wie Reulecke nicht sehr mag, als erfundener Begriff ein Synonym für Menschlichkeit : „Inklusion ist dann erreicht, wenn man das Wort selbst nicht mehr braucht.“ Er bringt den von ihm geprägten Begriff „Inklusiasten“ ein – eine Wortschöpfung aus Inklusion und Enthusiasten) und denkt dabei an Menschen „die weniger denken und mehr handeln“. „Dafür“, so Reulecke, „braucht es eine Bewusstseinsbildung, Behinderungen als nichts besonderes wahrzunehmen. Das Land Niedersachsen hat mit seinem Aktionsplan Inklusion einen hervorragenden Grundstein gelegt. Solange es aber die Berührungsängste in der Bevölkerung gibt, kann nichts verändert werden.“ Bei Tan Caglar, schon immer ein begeisterter Basketballer, war es der Sport, der ihm geholfen hat, die depressive Phase zu überwinden, nachdem klar war, dass er wegen einer Rückenmarkserkrankung künftig im Rollstuhl sitzen wird. Jetzt ist er Basketballprofi und zudem als Model und Stand-up-Comedian erfolgreich deutschlandweit unterwegs. „Man muss die Situation annehmen, und jeder muss seinen individuellen Weg und das Werkzeug finden, wieder selbstbewusst seinen Weg weiterzugehen.“ Reulecke bestätigt: „Sport ist dabei eine ganz wichtige Plattform, Selbstbewusstsein zu schaffen.“ Auf die Nachfrage der Moderatorin, wo die Situation für Menschen mit Behinderungen besser sei, sind sich beide einig: in Großbritannien und den USA gibt es einen ganz anderen Zugang zu Menschen mit Behinderungen. Den hat sich das Lammetal-Team auch auf die Fahnen geschrieben. Im Sinne eines anderen Zugangs zwischen Menschen mit und ohne Behinderung darf auch mal provoziert werden. Und so fasst die Lammetalchefin im Namen der 450 von ihr vertretenen Menschen mit Behinderungen und der 250 Angestellten zusammen: „Wir wollen, dass man uns sieht.“

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