Zwischen großer Armut und kulturellem Reichtum

Hilfe für Notleidende weiter unverzichtbar

„Von der Notwendigkeit der Nahrungsmittelunterstützung konnten wir uns auch dieses Jahr wieder überzeugen“, sagt Norbert Halter (rechts), der von Lamspringes Bürgermeister Andreas Humbert begleitet wurde.

LAMSPRINGE - „Wie schlafen zwölf Menschen in nur drei Betten?“ „Wie übersteht man in einem Raum aus Grobspanplatten ohne Isolation den Winter?“ Diese und ähnliche Lebenssituationen erleben Norbert Halter und sein Team bei ihren Hilfetransporten nach Rumänien immer wieder.

Seit 26 Jahren ist die Rumänienhilfe des DRK-Ortsvereins Lamspringe ein verlässlicher Partner für das Rumänische Rote Kreuz. Norbert Halter kümmert sich um Spenden für die Notleidenden im Land. Von dem Spendengeld können Jahr für Jahr rund zehn Tonnen Grundnahrungsmittel in Rumänien gekauft werden. „Hilfe zur Selbsthilfe“, nennt Halter das. Und die hat sich in den vergangenen Jahren in Rumänien bemerkenswert entwickelt. 500 freiwillige rumänische Jugendrotkreuzler sind in den Wintermonaten mit gefüllten Einkaufstüten in den Dörfern des Distriktes unterwegs. In Zusammenarbeit mit 40 Bürgermeisterämtern werden die Ärmsten der Armen versorgt. Insbesondere für kinderreiche Familien, alleinstehende, alte und kranke Menschen ist das echte Überlebenshilfe. Einmal in das Programm aufgenommen, werden sie im Winter monatlich mit Nahrungsmitteln versorgt. Das Rumänische Rote Kreuz (CRR) Salaj hat letztes Jahr etwa 1 200 Familien mit Nahrungsmitteln unterstützt. 2018 wollen die Rotkreuzler 2 000 Familien beliefern. „Aber um das zu erreichen ist Hilfe von außerhalb nötig und gern gesehen“, sagt Halter. Deshalb wird er nicht müde, sich Jahr für Jahr wieder persönlich auf den Weg zu machen. Dabei zeigt er gerne seinen deutschen Mitbürgern, wo die Hilfe ankommt. In diesem Jahr hat ihn der Bürgermeister der Gemeinde Lamspringe, Andreas Humbert, begleitet. „Von der Notwendigkeit der Nahrungsmittelunterstützung konnten wir uns auch dieses Jahr wieder überzeugen“, so Halter. Bei der Verteilaktion des Rumänischen Roten Kreuzes in Simleu Silvaniei (dt. Schomlenmarkt) haben Halter, Humbert gemeinsam mit den rumänischen Helfern zehn Häuser von notleidenden Menschen aufgesucht. „In dem ersten Haus konnte man die Freude bei einem 99-jährigen Mann vom Gesicht ablesen“, berichtet Halter. „Der Mann lebt allein, kann kaum noch sehen und hören.“ Weiter ging es in ein Haus, das nur aus zwei Kammern besteht. Hier leben zehn Kinder und eine Frau mit ihrem an Depression erkrankten Mann. Nächste Station war ein an einen Stall angebauter Raum aus Grobspanplatten (OSB) ohne Isolation. Darin lebt eine junge Familie mit ihrem Kleinkind, das an einem Nabelbruch leidet. Für Bürgermeister Andreas Humbert war es die erste Reise in ein osteuropäisches Land. „Die Freundlichkeit der Menschen in Rumänien ist mir besonders aufgefallen“, so Humbert. „Und die großen Kontraste zwischen un- glaublicher Armut und sichtbarem Reichtum, wie manche prunkvollen Häuser und Neubauten von Klöstern und Kirchen regen zum Nachdenken an.“ Die Rumänienhilfe des DRK Lamspringe unter der Leitung von Norbert Halter hat mittlerweile auch bei den offiziellen Ämtern der Region Aufmerksamkeit erregt. So wurden er und Andreas Humbert von den Bürgermeistern der Städte Simleu Silvaniei und Zalau empfangen. Auch der Präfekt des Kreises Salaj nahm sich viel Zeit für die Besucher aus Deutschland. Allen drei war wichtig, sich persönlich für die Hilfe zu bedanken, hat Halter beobachtet. Stolz hätten die Bürgermeister aber auch auf die touristischen Attraktionen der Region hingewiesen: Eine bis 2020 im Bau befindliche Autobahn quer durch den Kreis Salaj lässt Rumänien näher an Westeuropa heranrücken und eröffnet neue Möglichkeiten für Tourismus. „Es gibt so viel zu sehen“, sagt Halter, „zum Beispiel historische Stätten, wie die Römerstadt „Porolissum“, die Klosteranlage „Bic“ und Naturschönheiten wie die Sandsteinformation „Drachen-Garten“.“ Diese Gegensätze von unfassbarer Armut und prunkvollen Klöstern und Kirchen hält Norbert Halter auch immer wieder für seine Bildpräsentationen fest. Ihm ist es wichtig, über Land und Leute aber auch die Hilfsaktionen zu berichten. Seine Präsentationen will er im nächsten Jahr fortsetzen. Kontakt: norbert-halter@online.de oder Telefon 05382/907665.

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