Mandolinen- und Lautenvereinigung Hildesheim feiert 100-jähriges Bestehen

„Zupfer“ wollen raus aus der Nische

Ran an die Öffentlichkeit: Die Mandolinen- und Lautenvereinigung Hildesheim unter Karin Goedecke beim Jubiläumskonzert zum 100-jährigen Bestehen des Klangkörpers. Foto: Schirdewahn

HILDESHEIM Mandolinenclubs waren einst in vielen Dörfern verbreitet. Je nach örtlichen Verhältnissen schlossen sich ihnen vielleicht ein Geiger, ein Harmonikaspieler oder ein Schlagzeuger an, mit bescheidenen Mitteln wurde musiziert und der Rahmen für kulturelles Leben geschaffen.

Doch die Zupfmusik hatte schon frühzeitig mit jenen Problemen zu kämpfen, die unter dem Stichwort „demographischer Wandel“ heute den Chören und inzwischen auch manchen Instrumentalgruppen zu schaffen machen. Nachwuchsmangel und Überalterung brachten vielerorts den Spielbetrieb zum Erliegen. „Wir arbeiten in einer Nische“, sagt Karin Goedecke, die seit 38 Jahren Dirigentin der Mandolinen- und Lautenvereinigung Hildesheim ist. Die Mandoline sei wenig bekannt und führe ein Dasein im Schatten anderer Instrumente. Für die Gitarre zeige die Jugend zwar reges Interesse, aber wenig Bereitschaft zu gründlicher Ausbildung nach Noten. Schließlich beklagt sie auch die im Vergleich zu anderen Musikrichtungen mangelnde öffentliche Förderung.

Mangelnde Förderung

Karin Goedecke, Lehrerin an der Elzer Christophorus-Schule und seit 2000 in Brüggen zu Hause, hat von jung an das Mandolinenspiel erlernt und erwarb sich schnell Anerkennung in ihrem Verein. Gerade erwachsen, musste sie innerhalb von drei Tagen die Leitung übernehmen, als der Dirigent plötzlich erkrankte und dann verstarb.

Dirigentin aus Brüggen

Seit 1984 leitet sie außerdem die Mandolinen-Vereinigung Hannover-Linden, deren Vorsitzender ihr Ehemann Dagobert ist. Mittlerweile musizieren die Vereine gemeinsam in beiden Städten und konnten so ihre Spielfähigkeit erhalten. Das 100-jährige Bestehen eines solchen Klangkörpers ist mithin eine bemerkenswerte Leistung und verdient eine Feier im entsprechenden Rahmen. Die Hildesheimer Zupfmusiker erinnerten mit einem Festkonzert in der Aula der Realschule Himmelsthür an ihre Gründung im Jahr 1913. Im ersten Teil traten neben dem Jubiläumsverein auch die befreundeten Zupforchester aus Langenhagen und Empelde auf. Dadurch entstand reiche Abwechslung in den Klangfarben wie auch im Charakter der aufgeführten Werke, von einem Wanderliederpotpourri als Reminiszenz an die Anfänge der Mandolinenbewegung bis hin zu einer Jazz-Pop-Rock-Suite. Im zweiten Teil vereinigten sich alle Mitwirkenden zu einem großen Orchester. Die Brüggenerin hatte zur Verstärkung des Klangs noch Bläser und Schlagzeuger aus unserer Region engagiert, so dass schließlich rund 70 Personen die Bühne bevölkerten. bs

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