„We shape the future“: Schüler gestalten das Hildesheim von morgen

Die Zukunft der Stadt

Im Keller der HAWK-Fakultät Bauwesen entsteht eine Grillhütte für den Hohnsen – zunächst allerdings nur als Modell aus Styropor.

HILDESHEIM In Raum 105 der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) am neuen Campus Weinberg wird heiß diskutiert: Wie sieht denn so eine legale Wand für Sprayer eigentlich aus? Und wo stellt man sie hin? „So sieht doch kein echtes Graffiti aus!“, kommentiert jemand.

Hier oben, im ersten Stock der HAWK, wird auf großen Papierbögen die Zukunft des Hildesheimer Hauptbahnhofs skizziert – inklusive Fahrradstation, Solaranlage, Warteraum für pendelnde Schüler und legaler Sprayerwand. In einem Keller entsteht derweil ein Modell für einen öffentlichen Grillplatz am Hohnsen. Und an der Fakultät für Gestaltung wird über die Erneuerung der Tonkuhle nachgedacht, samt Zugang für Menschen mit Behinderung. Nein, hier grübeln keine Stadtplaner, Politiker oder Manager über die Zukunft Hildesheims, sondern Schüler der 9. und 10. Klassen der Oskar-Schindler-Schule und des Scharnhorst-Gymnasiums.

Sie machen mit beim Projekt „We shape the future of Hildesheim“. Auch die Geschwister-Scholl-Schule war in einer früheren Projektphase mit dabei. Es geht um das Hildesheim von morgen, ökologisch, nachhaltig, lebenswert. Das Projekt der Stadt Hildesheim lässt die jungen Bewohner kreative Ideen entwickeln, um ihren Wohnort besser zu machen. Die Alcoa-Stiftung unterstützt „We shape the future“ mit rund 23 000 Euro. Die Idee hatte Sabine Hartung, Bildungskoordinatorin im Bereich Jugendsozialarbeit der Stadt Hildesheim. 120 Schüler sowie 20 Studierende aus verschiedenen Bereichen der Hochschule sind beteiligt. Aus 150 Vorschlägen, die von „mensch und region“ und der Cluster-Sozialagentur einer ersten Bewertung unterzogen und zum Teil zusammengefasst wurden, haben die Schüler gemeinsam mit ihren Lehrkräften einzelne Maßnahmen herausgearbeitet, an denen jetzt konkret gefeilt wird. „Es ist schön zu sehen, dass sich die Schüler um ökologische Nachhaltigkeit bemühen“, sagt Köpper. „Die Ideen jetzt auch umzusetzen, ist eine große Herausforderung.“ Köpper lobt die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten. „Die Schüler fühlen sich ernst genommen.“ Mit der Förderung der Alcoa-Stiftung könne man Ideen entwickeln, für die sonst das Geld gefehlt hätte. Diese Ideen sollen in Teilen auch umgesetzt und daher am 10. Juni im Stadtentwicklungsausschuss vorgestellt werden. Der konkrete Bezug sei wichtig, sagt Birgit Böhm, die mit ihrem Büro „mensch und region“ nachhaltige Prozess-, Stadt- und Regionalentwicklung unterstützt. „Solche Themen gehören normalerweise nicht in die Lebenswelt der Schüler. Wenn es die Gewissheit gibt, dass die Projekte oder auch nur einzelne Bausteine umgesetzt werden, erhöht das die Bereitschaft ungemein.“ Böhm glaubt, dass dieses Engagement nach positiven Erfahrungen auch im Erwachsenenalter fortgesetzt wird. Die Lehrer haben ihr zurückgemeldet, Schüler würden, angeregt vom Projekt, schon zweimal nachdenken, bevor sie ein fast unbeschriebenes Blatt Papier wegwerfen. Ob die Sprayerwand wirklich auf der Rückseite des Hauptbahnhofs aufgestellt wird? Ob die Tonkuhle in Zukunft attraktiver wird? Die Chancen stehen gar nicht schlecht, glaubt man den Beteiligten. Und wenn nicht, so hat „We shape the future“ den Blick geschärft, die Umwelt kritisch zu betrachten, und stets zu fragen, was man tun könnte, um gemeinsam die Stadt ein bisschen besser zu machen.

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