Wildgatter Hildesheim weiht neuen Mikroskopiertisch ein / Drei Jahre Arbeit zahlen sich aus

„Weiterer Schritt in richtige Richtung“

Die ersten Versuche: Tim Igelmann testet die Funktion des neuen Mikroskopiertisches, der es ermöglicht, viele Insekten genauer zu betrachten. Foto: Zimmer

HILDESHEIM Bereits seit 1968 liegt inmitten des Waldes auf dem Steinberg im Ortsteil Ochtersum das Hildesheimer Wildgatter. Angefangen als kleines Tiergehege, leben mittlerweile über 300 Tiere auf dem etwa 60 000 Quadratmeter großen Gelände.

Inzwischen finden zahlreiche Huf- und Nagetiere, Greifvögel und verschiedene Wildtiere, die in unseren Wäldern beheimatet sind, im Wildgatter ihr Zuhause, das für Besucher das ganze Jahr über kostenfrei geöffnet ist. Um die Finanzierung dennoch zu gewährleisten, wurde 2009 der Förderverein für das Wildgatter gegründet. Er umfasst 174 Mitglieder und sieht seine Aufgaben unter anderem darin, das Wildgatter unmittelbar zu fördern und das Interesse an Tier- und Naturkunde in der Bevölkerung zu verbreiten. Das nötige Kleingeld erhält er ausschließlich durch Spenden und Mitgliederbeiträge. Für Interessierte gibt es auch die Möglichkeit, Tierpatenschaften zu übernehmen. Hierfür wird ein festgelegter Betrag jährlich an den Förderverein überwiesen, um entweder ein bestimmtes Tier oder aber eine gewünschte Tiergruppe finanziell zu unterstützen.

Neben den Tieren bietet das Wildgatter noch einige weitere Attraktionen. So wurde für die Kinder ein Spielplatz errichtet, und zwischen den verschiedenen Baumarten befindet sich das Restaurant „Kupferschmiede“, in dem man vor oder nach dem Besuch gemütlich einkehren kann. Der besondere Augenstern der Vereinsmitglieder ist jedoch das kleine Museum „Sternbergium“, das in den Jahren 2010 und 2011 vollständig entkernt und im Mai 2011 für die Besucher wieder geöffnet wurde. Das Museum enthält zwei Dioramen, in denen einige typische Pflanzen und Tiere naturgetreu ausgestellt sind.

Vergangenen Freitag wurde dazu eine ganz besondere Neuerung des Museums eingeweiht: Es verfügt nun über einen Mikroskopiertisch. Dabei handelt es sich um einen runden Tisch mit Glasplatte in geringer Höhe, damit auch Kinder sich seiner erfreuen können. Unter dieser Glasplatte befinden sich reichlich Insekten, darunter Schmetterlinge, Heuschrecken, Fliegen und Käfer in allen Größen und Farben, jeweils mit ihrer genauen Bezeichnung. Darüber befinden sich zwei Stereolupen, die beliebig über das Glas hinweg bewegt werden können, so dass jedes Tier eingehend betrachtet werden kann. Die Idee für den Mikroskopiertisch stammt von Waldemar Bülow, zweiter Vorsitzender des Fördervereins, als er vor einigen Jahren so einen Tisch sah. „So ein Ding will ich auch für das Wildgatter“, dachte er sich zu dem Zeitpunkt, wie er in seiner Eröffnungsrede preisgab. Um die Idee jedoch realisieren zu können, brauchte es noch drei Jahre, da ein großes technisches Problem darin bestand, dass es den Mikroskopiertisch, wie er in Bülows Vorstellung aussah, so nicht zu kaufen gibt und er dazu noch schwer selbst zu bauen ist.

Dennoch wurde nach einigen Überlegungen die Firma OttoOtto kontaktiert, woraufhin sich Tim Igelmann, der in Dresden Maschinenbau studiert und als gebürtiger Hildesheimer zurzeit sein 20-wöchiges Praxissemester bei OttoOtto absolviert, der Sache annahm. „Er hat sich um die Zeichnung, die Mikroskopführung und die gesamte Konzeption gekümmert. Im Grunde hat er alles selbst gebaut“, beschreibt Vorsitzender Hans-Uwe Bringmann Igelmanns Aufgabe begeistert.

Neben dem Glas, der Farbe und den Lupen wurden natürlich noch Insekten benötigt, was sich laut Bülow dank neuer Bestimmungen ausgesprochen schwer gestaltete. Da nach einer Spende von einheimischen Schmetterlingen noch immer andere Tiere fehlten, stellte Vereinsbeisitzer Karl-Heinz Krupp den Kontakt zu Regina Barth, Biologielehrerin der Michelsenschule Hildesheim, her, die die alte Insektensammlung der Schule hervorholte. „Die Sammlung ist so groß, dass wir sie selbst gar nicht komplett ausstellen können“, erklärte sie am Tag der Eröffnung.

Da nun diese große Sammlung zur Verügung stehe, sei es in Zukunft sogar möglich, die Exponate zwischendurch auszutauschen, informiert Bringmann. Als Grund für die etwa 12 000 bis 15 000 Euro schwere Anschaffung, für die sich einige Unterstützer gefunden haben, verdeutlicht er: „In unserer Satzung heißt es, dass den Bürgern die Natur nähergebracht werden soll, und der Mikroskopiertisch ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung.“

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