Coppengrave: Schulz tritt als Gemeindedirektor zurück

Vertrauensbasis nicht mehr gegeben

Der Saal der Siegfriedsklause in Coppengrave war besser gefüllt als bei einer Hochzeit. Etwa 130 Einwohner aus Coppengrave – einige wenige auch aus Duingen und Marienhagen – interessierten sich für die Gründe von Samtgemeindebürgermeister Wolfgang Schulz, warum er sein Amt als Gemeindedirektor der Gemeinde Coppengrave zum Ende des Monats niederlegt.

Schulz erklärte, dass die Chemie zwischen dem Coppengraver Bürgermeister Harry Brinkmann (SPD) und ihm einfach nicht mehr passt: „Wir reden aneinander vorbei.“ Die Verwaltungsmitarbeiter stärkten ihrem Chef in der Form den Rücken, dass sie zahlreich anwesend waren. Bezeichnend fand es Schulz, dass aus der Verwaltung keiner bereit ist, das Amt des Gemeindedirektors in Coppengrave zu übernehmen. Als Stellvertreter steht eigentlich Dieter Rinne zur Verfügung, der allerdings zurzeit keinen Dienst verrichtet. In der nächsten, noch nicht terminierten Ratssitzung wird der Coppengraver Rat dann darüber entscheiden müssen, wie es weitergeht.

Nachdem Schulz dargestellt hatte, dass das Vertrauensverhältnis zwischen ihm und Brinkmann einfach nicht mehr gegeben ist, erklärte er den Besuchern noch einmal den „Werdegang“ der letzten Diskussionen um die Einheitsgemeindenentscheidung. Schulz berichtete, dass die Samtgemeinde Duingen nach dem Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetz kaum um eine Einheitsgemeinde herumkommt. Denn laut diesem sollte eine Samtgemeinde mindestens 7 000 Einwohner und jede Gemeinde mindestens 400 Einwohner haben. Beide Voraussetzungen erfüllt die Samtgemeinde zum jetzigen Zeitpunkt schon lange nicht mehr. Die gesamte Samtgemeinde hat derzeit knapp über 5 000 Einwohner, und Weenzen ist als Gemeinde schon unter 400 Einwohnern angekommen. Der demografische Wandel wird in den nächsten Jahren noch zu einem größeren Einwohnerverlust führen. Coppengrave selber hat in den vergangenen vier Jahren über 80 Einwohner verloren, so dass man jetzt auf nur noch 647 Einwohner kommt. Der Rat sollte bereits im vergangenen September über eine Einheitsgemeinde entscheiden. Brinkmann betonte allerdings, dass die damalige Verwaltungsvorlage fehlerhaft war. Schulz konterte aber, dass es sich ja nur um einen Vorschlag von ihm handelte, in dem es um die Einheitsgemeinde und nicht über eine Ausrichtung beispielsweise nach Gronau oder Alfeld ging. Die Vorlage hätte ja auch abgeändert werden können. Der Gemeinderat Weenzen baute etwa mit ein, das man sich für die kommende Einheitsgemeinde neben einem Ortsvorsteher auch einen Ortsrat wünsche. Mittlerweile will der Gemeinderat Coppengrave seine Bürger bei der Bundestagswahl über eine Einheitsgemeinde abstimmen lassen. Diesen Zeitverzug von etwa einem Jahr kritisierte Schulz massiv, denn das verhindere konkrete Verhandlungen mit Nachbarkommunen. Über etwaige Verhandlungsergebnisse hätte die Politik ja eh nochmal abstimmen müssen, konnte er das Coppengraver Verhalten des Gemeinderates nicht nachvollziehen. Auch dass Brinkmann eine Begleitung der Bürgerbefragung durch den Landkreis und die Kommunalaufsicht und ausdrücklich nicht durch die Samtgemeindeverwaltung wünschte, wertete Schulz als Zeichen, dass man kein Vertrauen mehr zu ihm hatte.

Überraschend erklärte dass Ratsmitglied Andreas Ziegler (parteilos, aber Mitglied der SPD-Fraktion), das er sich jetzt für die Bildung einer Einheitsgemeinde entscheiden würde und Schulz Verhandlungen mit den umliegenden Kommunen führen sollte. Die Bürger hätten den Rat schließlich gewählt, damit dieser eine Entscheidung trifft. Seine persönlichen Ansichten dazu hätten sich geändert. Ziegler konnte nicht glauben, dass, wie von Brinkmann formuliert, angeblich 70 Prozent der Coppengraver Richtung Alfeld tendieren. Zuhörer Alfred Teuber forderte daraufhin, dass Ziegler dafür als Ratsmitglied zurücktreten sollte. Allerdings ging keiner der Anwesenden auf seine Forderung ein.

In der anschließenden Diskussion erklärten die meisten Coppengraver, dass sie schlicht befürchten, dass so ein kleiner Ort in einer großen Kommune einfach kein Gehör mehr finden würde. Bastian Grünhagen (SPD), stellvertretender Bürgermeister aus Marienhagen, stand Schulz aber in der Diskussion bei. Er glaubt Schulz, wenn dieser sich dafür einsetzen will, dass Duingen auch weiter ein Mitspracherecht in einer größeren Kommune haben soll. Dann allerdings als Einheitsgemeinde in einer vielleicht großen Samtgemeinde mit einem Partner, der jetzt noch nicht absehbar ist.

Jeder Coppengraver hatte dann die Möglichkeit, seine Entscheidung zur Einheitsgemeinde Schulz und der Verwaltung mitzuteilen. Der Samtgemeindebürgermeister wollte sich nämlich einen persönlichen Eindruck verschaffen, wie die anwesenden Coppengraver denken. Und viele nutzten die Gelegenheit und zeigten, dass sie die Einheitsgemeinde wollen. Nur wenige wie Bürgermeister Harry Brinkmann sprachen sich dagegen aus oder wussten es noch nicht. Schulz betonte allerdings, dass das nur für ihn und die Verwaltung sein soll. „Ob der Rat das als Meinungsbildung nutzt, ist ihm natürlich frei überlassen“, stellte Schulz klar. J gök

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare