Feierstunde zum „Tag des Handwerks“: Positive Entwicklungen sowie Herausforderungen und Sorgen

Stabiles Fundament, aber...

Viele meisterliche Berufsjahre auf einem Bild: Die Kreishandwerkerschaft Hildesheim-Alfeld ehrt die Jubilare mit Urkunden. Fotos: Kolbe

Hildesheim Seit 1985 wird die Ehrung der Meisterjubilare mit einem Festakt am „Tag des Handwerks“ von der Kreishandwerkerschaft Hildesheim-Alfeld gefeiert. Vorträge und Grußworte spiegelten die Situation des Handwerks, das sich derzeit auf einem stabilen Fundament befindet, wider. Sorge bereitet weiterhin der Nachwuchs- und Fachkräftemangel.

Kreishandwerksmeister Ulrich Sackmann berichtete von der positiven Wirkung der niedrigen Zinsen, gesunkenen Ölpreise, einem gut laufenden privaten Wohnungsbau, stabilen Löhnen und Arbeitsplätzen sowie der Erholung des Automarktes. All das wirkt sich stabil auf die Auftragslage im Handwerk aus. Weiter berichtete er, dass laut Creditreform 92 Prozent der Handwerksbetriebe den Mindestlohn von 8,50 Euro zahlen: „Die kommenden Monate werden zeigen, inwiefern sich die Mehrkosten auf die Preise überwälzen lassen.“ Die Dokumentationspflicht im Zusammenhang mit dem Mindestlohn halten die Handwerker für viel zu bürokratisch. Anhaltende Sorgen bereitet immer noch der fehlende Nachwuchs im Handwerk. Rund 1 500 Jugendliche werden im Landkreis Hildesheim ausgebildet, wobei die Tendenz abnehmend ist. Sackmann betonte, dass die Bereitschaft der Betriebe zur Integration von Kriegsflüchtlingen enorm sei.

Lena Strothmann, Präsidentin der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld und Mitglied des Bundestages (CDU), durchleuchtete viele Eckpunkte des Handwerks. Sie berichtete, dass im Jahr 2030 voraussichtlich fünf Millionen Fachkräfte auf dem deutschen Arbeitsmarkt fehlen werden. Die Rente mit 63 Jahren beurteilte sie als großen Fehler, denn etwa 40 Prozent der Betriebe haben schon jetzt ein Besetzungsproblem. Den Trend der Akademisierung von Schulabgängern bezeichnete sie als „Feuer für das Handwerk“. Die Universitäten stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen, und die hohen Abbrecherquoten von etwa 30 Prozent zeigen, dass ein Studium nicht immer der richtige Weg sei. Die Politikerin fordert, dass an Schulen und besonders auch an Gymnasien mehr Aufklärungsarbeit über die beruflichen Möglichkeiten und Aufstiegschancen im Handwerk aufgeklärt wird. Als erschütternd nannte sie, das etwa fünf Prozent der Jugendlichen keinen Schulabschluss erwerben und 20 Prozent als ausbildungsunfähig gelten. Ihrer Ansicht nach besteht hier ein großer Handlungsbedarf auf Seiten der Politik und im Schulwesen: „Laut einer Umfrage haben nur etwa 50 Prozent der Jugendlichen schon mal etwas vom Handwerk gehört.“ Nach den Festreden erfolgten die Ehrungen der Meisterjubilare. ckb

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