Studie zu Arbeitsbedingungen und Organisation in den evangelischen Kindertagesstätten

Oliver Bierhoff ist überrascht

Der Soziologe und Empiriker Dr. Oliver Bierhoff stellt im Lutherhaus die Ergebnisse der Kita-Untersuchung vor.

KREIS Bis Sommer vorigen Jahres befanden sich fast alle hiesigen evangelischen Kindertagesstätten in der Trägerschaft der jeweiligen Gemeinde. Nun jedoch sind die meisten in die Trägerschaft der Kirchenkreise Hildesheim-Sarstedt und Hildesheimer Land-Alfeld übergegangen.

Was hat es gebracht, was funktioniert gut, wo ist Verbesserungsbedarf? Das wollten die Kirchenkreise mit einer Fragebogen-Aktion herausfinden. Dr. Oliver Bierhoff von der Universität Hildesheim hat die Ergebnisse ausgewertet und in Alfeld erstmals im Kreis der Kita-Leitungen vorgestellt.

Aus den 42 Kindertagesstätten in der Trägerschaft der beiden Kirchenkreise haben sich 33 Leiterinnen und 204 Mitarbeitende an der Untersuchung beteiligt. Der umfangreiche Fragebogen sei in großen Teilen mit einer parallel laufenden bundesweiten Studie identisch, sagte der Soziologe Bierhoff. Leider lägen die Bundesergebnisse noch nicht vor, so dass man im Moment keine Vergleiche ziehen könne zwischen der Hildesheimer Region und anderen deutschen Kitas.

Der erste Teil der Untersuchung bezog sich auf die Zufriedenheit mit dem neuen Trägermodell. „Die Tendenz liegt eher in positiven Bereichen“, fasste Bierhoff zusammen. Insbesondere die Zusammenarbeit mit den pädagogischen und betriebswirtschaftlichen Leitungen, mit Kirchenvorständen, pädagogischer Fachberatung und anderen Zuständigen bekam überwiegend gute Noten: und ebenso die Unterstützung durch die Träger in Bereichen wie Finanzen, Personalangelegenheiten oder der Umsetzung gesetzlicher Vorschriften. Mehr Unterstützung wünschen sich die Kitas hingegen bei der Öffentlichkeitsarbeit, im Qualitätsmanagement und bei Konflikten im Team.

Der zweite Abschnitt der Studie bezog sich auf die Arbeitsbedingungen. Die Zufriedenheit mit ihrem Leben, ihrem Beruf, ihren Kollegen und Vorgesetzten bewerteten die Erzieherinnen hoch: Auf einer Skala von 1 (sehr unzufrieden) bis 7 (sehr zufrieden) gab es im Schnitt Noten zwischen 5,7 und 6,1. Entwicklungsmöglichkeiten (4,9), Arbeitsbedingungen (4,8) und Bezahlung (3,48) schnitten am schlechtesten ab.

Interessant waren auch die Antworten zu den Themen Belastung und Stress. Nur 2,4 Prozent gaben an, dass sie die Belastung „eher stark“ empfänden, 41 Prozent stuften sie als „mittel“ ein, fast 54 Prozent als „eher gering“. „Das ist ein Ergebnis, das mich eher überrascht“, sagte Oliver Bierhoff. Aus Erfahrungen anderer Studien habe er höhere Belastungswerte erwartet.

Mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf seien sie „eher zufrieden“, kreuzten die meisten Mitarbeitenden an. Bei der Frage nach den „Anforderungen durch die Arbeit“ kristallisierte sich eine Tendenz zu leichter Überforderung heraus. Als „im Großen und Ganzen überraschend positiv“ beurteilte der Hildesheimer Superintendent Helmut Aßmann die Ergebnisse.

Vorher hatte die Alfelder Superintendentin Katharina Henking in der St.-Nicolai-Kirche feierlich die neue pädagogische Fachberatung eingeführt und gesegnet. Iris Hofmann betreut künftig die Kitas in beiden Kirchenkreisen. Das Amt sei ein große und verantwortungsvolle Aufgabe, betonte die Superintendentin: „Uns sind in den Kitas viele Kinder anvertraut, wir wollen sie gut begleiten!“

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