Hildesheimer Gemeinde bekommt viele Rückmeldungen auf Zwei-Euro-Aktion

Neue Michaelis-Münze prangt am Hochzeitsbild

Post aus Las Vegas bekam die Michaelisgemeinde nach ihrer Münzaktion.

HILDESHEIM Dass man in einer Kirche etwas für die Kollekte gibt, ist normal – dass man selber Geld geschenkt bekommen, hingegen ganz und gar nicht. Vor vier Wochen hat die Michaelis-Gemeinde genau das getan: Jeder Besucher des Gottesdienstes bekam eine der brandfrischen Zwei-Euro-Münzen geschenkt, die das Motiv der St. Michaeliskirche tragen (die LDZ berichtete).

Seitdem hat die Gemeinde ständig Post im realen und im virtuellen Briefkasten – lauter Reaktionen auf die Bitte, zu schreiben, was aus den zwei Euro geworden ist. Sogar aus Las Vegas kam eine Karte. Die Aktion hatte viele Menschen angesprochen. Auch aus dem Landkreis, aus Holzminden, Hannover und sogar Brandenburg reisten Gäste an, oft mit alten Beziehungen zu Hildesheim und St. Michaelis. „Etliche haben geschrieben, wie sehr sie mit der Michaeliskirche verbunden sind“, berichtet Michaelis-Pastor Dirk Woltmann. 540 statt der üblichen 60 bis 80 Gottesdienstbesucher seien gezählt worden.

„Das ist der Gottesdienst, auf den ich mit Abstand die meisten Rückmeldungen bekommen habe“, freut sich der Pastor. Die zwei Euro verschenkten viele gleich weiter, besonders gerne an Enkel und an andere Familienmitglieder. Manche reagierten mit ausführlichen Briefen – wie ein alter Hildesheimer, der Anfang der 1950er Jahre seine spätere Frau in der Michaelis-Kirche zum ersten Mal getroffen hat. 55 glückliche Ehejahre hätten sie erlebt, schreibt er, Ende 2012 sei seine Frau verstorben. Die Zwei-Euro-Münze habe deshalb eine besondere Bedeutung für ihn: „Das St. Michaelisgeld prangt zur Erinnerung am Hochzeitsbild.“

Eine andere Frau erzählt, dass sie nur zufällig in der Michaeliskirche gewesen sei, eigentlich auf der Suche nach einem kleinen ruhigen Gottesdienst. Zuerst habe sie überlegt, wieder umzudrehen, sei dann aber doch geblieben – eine Entscheidung, über die sie im Nachhinein sehr froh sei. Die Münze liege als ständige Erinnerung an die Botschaft der Predigt auf ihrem Schreibtisch. Auf einer anderen Postkarte steht: „Ich habe mein Geld ausgegeben für 1 weiße Rose – in Erinnerung an Sophie Scholl und ihre Freunde im Februar 1943; – in Gedanken an Hilde Domin und ihr Gedicht „Mit leichtem Gepäck“; – als Ausdruck des Festes inmitten meines Alltags.“ Nach der Michaelis-Briefmarke, die im Jubiläumsjahr 2010 herausgekommen ist, wird nun auch die Münze zum internationalen Werbeträger für die Weltkulturerbekirche und für Hildesheim. Nach dem Kölner Dom und dem Hamburger Michel ist St. Michaelis die dritte deutsche Kirche, die eine Münze ziert. Für ihre Großzügigkeit ist die Michaelisgemeinde übrigens schon im Gottesdienst belohnt worden, 1 600 Euro fanden sich in der Kollekte. „In einem normalen Gottesdienst ist das weniger, da gibt nicht jeder im Durchschnitt drei Euro“, sagt Dirk Woltmann. „Vielleicht leben Sie ja schon lange großzügig“, hatte er in seiner Predigt gesagt – und offensichtlich ins Schwarze getroffen.

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